144 ©tjmitttftitm, fein $cr()iiltttt§ jurn KIjnftcnthitm it.
äerftören. ®er ©ürger jeber Nation foH'zunädjft ein SRenfdj fein, unb fo fdjließt bieNationalität nidjt ben Humanismus auS, fonbern fie fdjtießt ihn ein. 3n bent EhctratterjebeS ©olfS unb jeber Literatur waltet ein allgemeines Element, welches ber reinen 3fbeeber äRenfdjIjeit juftreBt, unb ein nationales, wetdjeS ben befonberen zeitlichen unb ört=liefen ©ertjältniffen entf^ridjt, unter welken baS äRenfdjlidje zur Srfdjeinung gefommen.3e fd>ävfer bie Nationalität Betont ift, befto mehr tritt gewöhnltdj jenes Dbeale jurüd.©örne fagt einmal: »Sine ©djreibart oon eigentljümlidjem ©efräge fdjließt bie ooH=
fommene ©djöntjeit auS, wie ein ©efidjt mit auSgefprodjenen ßügen feiten ein fcfjöneSunb ein SRann oon Sljaratter feiten ein üeBenSwürbiger ift." Nun aber ftellte bieNatur in ben ©riedjen jenes merlwürbige Soll auf, in beffen Eljcirafter fidj baS 3tHge=meine unb baS ©efonbere in reinftem Ebenmaße burdjbrangen, unb bie ®eutfcfjeu finbbaS zweite glüdlidje ober mtglüdlidje ©olt, weld)eS nidjt einer djaratteriftifdjen Nationa=lität ben ibealen Humanismus unterorbnet, fonbern umgetel)tt in ber Slufnaljnte unb®urdjbilbung aller SSeweife ibealer SRenfcfjlichfeit feinen nationalen ©eruf fieljt, weldjeSwieberutn jenes Ebenmaß swifdjeu bem Rumänen nnb bem Nationalen ^erguftellen fudjtunb lieber ber ©efonberljeit entfagt, als bie höheren Neckte beS SlUgemeinen oertürzt.®iefe Nidjtung loftet Dpfer unb forbert eine ftarfe Nefignation, aber zuoerläßig foÜtefie nadj bem SßiUen ber ©orfeljung in bem Eljore ber SSölter il;re Vertreter ftnben unbzwar in bem SRittellanbe Europa’S. ©aggefen fagte baljer:
©ritten ftnb ©ritten unb ©änen finb je£t auch banifdj — wo gab’ eäSERenfdjen auf Gäben wobt nod), wären bie ©eutfefen and) beutfeb?
®er Humanismus ift bei unS nicljt wie bei anberen ©ölfern mehr ein SlccibenS, fonbernbie ©ubftanz ber Nationalität. Sr getjört ju uuferen angeftammten Eigenfdjaften unbbewährt fid; als bie Sraft, in bem gremben baS wahre SBefen ju erfaffen, bie erfannten©orzüge in bie eigenen Sßerle Ijineinzubilben unb felbft bei Nadjfdjöpfungen, wenn fieaudj lange nur Nachahmungen Bleiben, julefct bem, was fogar in ber eigenen Heimatnid)t zur Neife gelangen fonnte, eine »oüenbete ©eftalt ju geben." ©o ShoteoiuSin bem gebantenreichen ©djlußwort feiner »©efdjidjte ber beutfdjen fßoefie nadj ihrenantifen Slementen" (Seifojig 1856). Hinzutommt bie ©ebeutung, welche nächft bemShriftenthum baS claffifdje Sllterthum für ben geiftigen ©ertetjr ber gebilbeten Sßöllerhat; als ein ber ganzen neueren SBelt überfommeneS ©emeingut gehört eS zu benwefentlichften internationalen Niitteln ber ©erftänbigung in ber Negion beS höherengeiftigen SebenS; unb baS beutfdje ©olt erfdjeint nach feiner unioerfalen ©eifteSridjtungoorzugSweife berufen, biefeS ©anb feftjuhalten. gür bie ißrayiS ber ©djule folgt auSallem bem, baff baS claffifdje Sllterthum mit feinem Humanismus, mit bem eS bemShriftenthum juftrebt unb in iljm enblidj feine Erfüllung finbet, ein ewiges ÜRomenteiner beutfdjen ©eifteSbilbung bleiben muß, baff aber baneben baS inbioibuell Nationale,um in bem gremben wahre ©kfen nidjt ju oertieren, gerabe bei ben ®eutfdjeneiner befonberen pflege bebürfe.
SS tann nicht zweifelhaft fein, baff bie ©ebeutung beS claffifchen SlltertljumSfür unfere nationale ©ilbung fidj befonberS in ztnei Nidjtungen offenbart. Einmal iftba§ claffifdje Sitterthum jur SrtenntniS unfereS nationalen ©eifteStebenS in JJunft unbSBiffenfchaft eine unentbeljrlidje ©orftufe, fobann ift eS für bie oaterlänbifdje ©ilbungunferer Sugenb, inSbefonbere für SrtenntniS öffentlidjer unb ftaatlidjer ^uftänbe wiefür Srwedung patriotifdjer ©efinnung, eine unerfdjöfflidje gunbgrube.
®er beutfdje ©oltSgeift ift längft burdj Slufnatjme ber oerfdjiebenften Elemente jueinem ©ammefytah aller anberen ©ottSgeifter geworben. Unfere ganze Literatur iftbafür ein rebenbeS 3eugnt«. ®ie ©orliebe, mit ber man frembe ©toffe im ÜNittelalterbearbeitete, ber Einfluß ©haffyeare’S, bie Unioerfalitat eines ©öt^e unb ©djiUer, benenman gewi^ nicht nadjfagen tann, baß fie fpecififdj beutfdj finb, wenn nidjt itjr beutfdjeSSBefen gerabe in jener ibealen Unioerfalität beftanbe, baS ©treben Hrrber’S, Nüdert’Sunb anberer, bie ©timmen aller ©ölter in unferer Literatur oernehmbar zu madjen,