Druckschrift 
3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

©ouüennmte.

37

tjeraudgegeben oon $. ©djornftein unb §1. Sietor, Seipjig Bei @. S. SBubner; V. 3ah 1 ''gang 1877. 5. §eft, @. 269 oeröffentlidjt tjat. SDie jgeit, in meldet »bie fremben

©ouoernanten häufig oon £>aufe aud nur Sonnen, StRobiftinnen, Sabenfräutein mitetwad SJtutterwih nnb mit ben Sanieren einer großen SDame waren," erfdjien bemSerf. fcfjon in ben »ierjiger unb fünfziger Sauren wie ein üBerwunbener ©tanbpunct;aud) bie Serfafferin bed genannten Sriefed (fie hat leiber ihren fttamen nicht genannt!)BlicEt auf biefe jurüd. 2)ie öffentliche Meinung tjat fidj immer mächtiger gegenbad ÜRadjäffen be§ Sudtänbifdjen, gegen bie grembenerjietjung unb gegen bie Sernad)=täffigung bed fpebnifdjen erhoben: bamit gieng tpanb in §anb ber ftrenge Sefeht, $inbernicht mehr im Sudtanb eräietjen jn taffen. 3n ben testen fahren haben fid) bennand) bie ^ö^eren ©djulanftatten, indBefonbere bie weiblichen ErjiehungSanftatten inSRußlanb Bebeutenb gehoben: für weibliche Silbitng unb ©rgie^ung geigte fid) überhauptbort fdjon feit geraumer 3eit ein außerorbentlidjed Sntereffe. Sud) hi« geigen fid;Serührungdpuncte gr-oifdjen norbamerifanifd)em unb ruffifdjem SBefen. „iftadj bem eifernenSÜBitten bed Eultudminifterd ©raf Sotftoi geht bad ©treben bahin, ben ®naben= unb9J?äbd)engt)mnafien gleiche Sehrfächer unb ©tufen ju geben." ®er erwachte unb fd>rte!Cjum Sewußtfein erwadjfene Dtationatftotj »erlangte jugleidj, baff wiffenfchafttidje Sitbungunb Erjietjung ihre SBeilje aud) burd) ruffifdje Sehkräfte empfangen müße. ©eitbemnun auch bie patriotifdje Sriftotratie angefangen h at / ih re 2wd)ter bie weiblichen©pmnafien Befuchen ju taffen, ift in ben ©ouoernementd unb in ben größeren ©täbtenbad Sebürfnid nach ©ouoernanten wefenttid) oerminbert; unb wenn in ben Heineren©täbten unb auf bem Sanbe hie unb ba bie Dtadjfrage nadj ihnen noch jientlich lebhaftift, fo werben bod) oorjugdweife SRufjinnen Begehrt, bie in einem Snftitut audgebitbetunb biplomirt finb, wo auch beutfdje unb frangöfifdje ©pradje unb SKufil forgfättiggepflegt werben. „®ic beutfdjen ©ouoernanten finb aud) nur jum Heinfteu Sheil nochSudtänberinnen; meift finb fie SDeutfd^e and ben Djtfeeprooinjen ober fßeterdBurgerinnen,bie neben ihrer beutfchen SRutterfprache aud) ber ruffifchen ooHfommen mächtig feinmäßen. SBirb aber eine beutfdje Sudlänberin gefud^t, bie einen Bebeutenb l)Bh« en©etjatt Beanfprudjt, fo gefchieht ed in ber Erwartung, baß fie im ®eutfd)en, grangöftfdjenunb Englifchen, in ber äftufit ober im geidjnen Sefonbered teifte. 5Rur in biefem gattefönnen bie ©eutfdjen aud SDeutfdjtanb Bei etwad ©lüd gute, einträgliche ©teilen finben."granjöfinnen, meinte unfere Sutorin, finb immer nod) mehr Begehrt, unb Werben aud)ohne Befonbere wiffenfdjaftlidje unb geiftige Sitbung gut Befahlt: fie finb bann nurmit ber UeBerwadjung, ber ißrapid ber fremben ©pradje unb ber förpertidjen pflegeihrer 3Bglinge Betraut, ben wiffenfchaftlidjen Unterricht übernehmen anbere Setjrer oberSehrerinnen. „3Bad bie ©tettung ber ©ouoernante jur gamitie unb ©efettfdjaft Betrifft,fo ift bad Sertjältnid etwa wie in Englanb, — ift fie ihrer ©tettung gewachten, fogenießt fie £öflid)teit, fRüdfidjt unb Vertrauen, unb fdjtießt fid) ber gamitie ober©efettfchaft je nach ben Sertjättniffen metjr ober weniger an. 3h* fßlafc ift natürtid)mehr im tjpaufe, iu ber fftähe ihrer 3ögXtng e , um berentwitten fie ja altein in’d fpaudgerufen ift. gut bie Südländerinnen jiel)t üBerbied audj bie ©pradje eine ©cheibewanb;bie allgemeine Unterhaltung in ber ©efettfchaft wirb bod) je^t oorwiegenb in ruffifdjerSprache geführt, unb bie Erlernung berfeiben ift fo leidjt nicht!" ®er ganje Srief iftfo audneljmenb oerftänbig unb prattifd), unb jeugt oon einem fo ridjtigen Stid unbäugteid) oon ebter ©innedart, baß ein tunbiger Sefer mit wahrer 3td)tung oor berSerfafferin bedfelben erfüllt werben muß. Sud) mit ihren Erfahrungen Bei ihremöfteren ißaffiren ber ©renje j. S. ftimmen bie meinigen ganj überein: it)r finb teinertei©d)Wierigfeiten Bereitet worben, hierin, wie über anbere Segegniffe fpricht fie mitunbefangener, aufrichtiger 2BaX)rheitdliebe unb ihr SSrief ift jeber ©ouoernante, bienach SRußtanb will, fehr ju empfehlen.

Sber taffen wir je^t, Wad audlänbifd) ift, nnb Se^ven nad) bem Satertanbe jurüd.Such Bei und haben fid) ja bie weibtidjen Ersieljungdanftalten unb Sitbungdfchutenfür „£öd)ter" feit einer fReihe oon 3at)ren gar fehr oermehrt unb gehoben, ja ber