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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gewöhnung.

Wiederholen werden die Wege des Lernens geebnet und glatt, die Communicationenzwischen Verstehen, Wollen und Thun beschleunigt.

Dies gilt vom materialen Lernen; aber ebenso wichtig ist die Gewöhnung informaler Hinsicht. In der Schule gilt es überhaupt, daß das Lernen gelernt wird,d. h. das concentrirte Aufmerken und das beharrliche Aneignen. Beides zusammenmacht den Lernfleiß aus, und diejenige Schule trägt am sichersten zur Bildung bei,welche nach Plan und Methode so eingerichtet ist, daß sie die Lernkraft übt und denHabitus des Auffassens, Aneignens und Behaltens erzeugt; denn nicht durch Anhäufungder Wissensstoffe, sondern durch Entwicklung der geistigen Saugwurzeln und durch denTonus in dem geistigen Gefäß- und Muskelsystem wird der junge Mensch vorangebrachtund zugleich befähigt, sich im spätern Leben selbst weiter zu bilden. Wer das Lernengelernt hat, der erst hat wirklich gelernt, auch wenn die Summe seiner Kenntnisse undderen Mannigfaltigkeit einstweilen noch beschränkt geblieben sind.

Dies in Betreff des Lernens. Auch die Tugenden sind durch Gewöhnung zu bil-den. Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Reinlichkeit, Anstand man predigt ja vergebens,wenn nicht von klein auf dahin gestrebt wird, sie zur andern Natur zu machen, eineFertigkeit zu ihrer Anwendung zu erzeugen. Was sind gute Sitten anders, als einAngebautsein des inneren Lebens, worauf Frucht für das äußere Benehmen wächst,ohne daß in jedem einzelnen Fall ein besonderes Pflanzen und Begießen nöthig würde?Ist das Wissens-Gedächtnis ein Schatz, aus welchem früher Angeeignetes mühelosund ohne langsame Denkoperationen hervorgeholt wird, so ist die Sitte ein Gedächtnisdes Willens, das ebenfalls mit einer Art von Notwendigkeit in Thätigkeit tritt unddessen Besitzthum nicht erst mit Anstrengung herbeigezogen werden muß. Auch in derMoral macht Uebung den Meister, und derjenige Lehrer, welchem z. B. es gelang,seine Anfänger binnen wenigen Wochen dahin zu bringen, daß keins mehr ungewaschenund ungekämmt zur Schule kommt, hat für die Tugend der Reinlichkeit mehr gethan,als wer den Vierzehnjährigen durch eine Vorlesung Uber die physiologischen Gesetzeder Hautpflege ihre habituelle Unreinlichkeit zu entleiben sich bemüht. Artigkeit, Ehr-erbietung, Nächstenliebe, Mitleid und Barmherzigkeit wieviel kann für spätereUebung dieser geselligen Tugenden dadurch geschehen, daß sie frühzeitig dem Betragenangebaut werden, indem man dem Kinde Gelegenheit giebt, sie im bescheidensten Kreiseanzuwenden!

Aber wie das Gute so wird auch das Schlimme durch Gewöhnung zu einer Artvon Natur gemacht, daher letzteres nicht frühzeitig genug von den Kindern ferngehaltenwerden kann. Zorn, Streiten, Schelten, Naschen, Trägheit, Zerstreutheit, Widerspenstig-keit, Ungehorsam u. dergl. man soll nicht meinen, mit dem Aufwachen des Ver-standes werde sich Pas alles von selbst verlieren; denn ein Habitus des Gemüthesweicht nicht ohne weiteres den logischen Schlüssen, sondern es gehört ein starkermoralischer Entschluß im späteren Leben dazu, um angewöhnter Untugenden Herr zuwerden, und das Abtragen eines solchen Baues von Unsitten erfordert größereAnstrengung als selbst der Anbau guter Sitten. Wie schwer fällt es z. B. dem ernstergewordenen Manne, sich das Fluchen abzugewöhnen, das er in der Jugend sich an-gewöhnt hatte, ja schwerer oft als das Beten zu lernen, welches er in den Jahren derThorheit versäumte. Ein ungeübt gebliebenes Glied wird eher zu richtigen Functionengeleitet als ein durch Mißbrauch verzogenes und verzerrtes.

Die meiste Erziehungsmühe haben diejenigen Anstalten, welchen obliegt, misratheneSubjecte sittlich-orthopädisch zu behandeln; wer daher dem Keime des Bösen wehrt,erspart Sorge, Arbeit und Kampf zur Entwurzelung desselben. Denn auch im schlim-men Sinne gilt es, daß Uebung den Meister macht und Gewohnheit zur andernNatur wird.

Lehre, Unterweisung, Ermahnung, Zucht, Strafe erhalten die sicherste Bestätigungund wirksamste Förderung durch das Beispiel. Sieht das Kind die Eltern thun was