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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gewähren und Versagen.

Gewerbeschulen.

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etwas durch Uebung einer gewitzen Tugend, Fertigkeit oder Kunst, durch Fleiß in demund jenem Wissen zu verdienen, soweit von verdienen, die Rede sein kann (vgl. d. Art.Belohnung). So kann die Ferienzeit den Genuß einer Reise bringen. Der Weih-nachtsabend, der Geburts- und Tauftag sind dazu da, daß an ihnen lang gehegteWünsche erfüllt werden, und das soll dann in deutscher Art und Christenweise geschehen,also daß das Kind an Gottes größter Gabe und die himmlische Berufung erinnertwerde, also daß es sieht, wie um der Wohlthat Christi willen und mit ihr im Zu-sammenhänge ihm Liebe zu Theil wird. Je mehr Kinder im Alter heranreifen,desto eher können sich Eltern und Lehrer darauf einlassen, durch Gründe zum Ab-stehen vom Verlangten und Begehrten zu bewegen, während in frühern Jahren desVatersNein oder Ja" das kurz abschneidet, die Mutter etwas umständlicher gewährtund versagt, selten ohne Raisonnement. Es ist aber von Wichtigkeit, daß das Kindseinen Willen und seine Wünsche auch ohne Einsicht in die Gründe des höhern Willensdiesem unterordnen lerne, daß es zur innerlichen und thatsächlichen Anerkennung desGrundsatzes gebracht werde: das Kind braucht nicht immer sogleich einzusehen, warumdie Eltern das und jenes versagen; es wird dies Hernachmals schon erfahren. Je früheres durch solche Ueberwindung seine Willenskraft übt, je mehr es gewöhnt wird, nichtmit saurer Miene sich zu unterwerfen, sondern heitern Muths das Widerstreben zu be-siegen, desto mehr erleichtert man ihm die spätem Kämpfe, desto muthiger wird es einstden Prüfungen und Schwierigkeiten des Lebens entgegengehen.

Wie auch der Zögling beschaffen fei, wie sehr das Temperament zu berücksichtigen,dem Eigensinn ist nirgends Raum zu gestatten, der muß gebrochen werden (vgl. d. Art.Eigensinn). So oft ein Kind etwas mit Trotz und Ungestüm begehrt, muß mit Ent-schiedenheit versagt werden, da ein Fordern dieser Art nicht zugestanden werden darf,wenn nicht alle Auctorität untergraben werden soll. Die Geschichte manches bedeuten-den Mannes zeigt, daß der entschieden durchgesetzte Wille des Vaters günstig auf dieEntwicklung des Charakters der Zöglinge einwirkt; der Vater Passows versagte demSohne alles, was dieser stürmisch begehrte (vgl. Mönnich JugendgeschichtenS. 176). Dabei vewechsle man aber nicht Wille mit zeitweiligen Einfällen, Stim-mungen oder Willkür. Es sind keine Gehorsamsexperimente mit Versagen und Ge-währen erlaubt, wie etwa ein Hund den Knochen erhält, wenn er 5- bis 6mal einenhohen Satz gemacht hat. Es muß Vernunft und Gesetz in der erziehlichen Ein-wirkung beobachtet werden undjene unerschütterliche Beharrlichkeit des Erziehersim Festhalten seiner Forderung, bis sie erfüllt ist" (Palmer 1853. S. 227), wobeinicht ausgeschlossen bleibt, daß dem Kinde auf höherer Stufe in Alter und Weisheitgewährt werden kann, was ihm früher versagt werden mußte. Wir vermögennur da stetigeKraft und Weisheit im Gewähren und Versagen zu erkennen, wo Gottes Auctorität feststehtund man die Kinder dem zuführt, der das 4. Gebot eingeschärft und erfüllt hat.Da werden Kinder und Zöglinge angeleitet, bei eintretender Selbständigkeit sich selbstin Zucht zu halten, göttlicher und menschlicher Auctorität das Gewähren und Versagenunbestritten zu lassen, danach zu leben und dasselbe in rechter Weise selbst zu üben.

Chr. W. Stromberger.

Gewerbeschulen. Die gewerbliche Bildungsfrage ist eine von denen, welche schon

lange im Mittelpuncte des öffentlichen Interesses stehen; die Literatur, die periodischePresse und die Verhandlungen in den gesetzgebenden Körpern legen Zeugnis dafür ab.Und dieses Interesse ist kein zufälliges; man sieht mit Recht in ihrer Lösung eine derwesentlichen Bedingungen des Gedeihens unserer Gewerbthätigkeit und damit derGesundung unserer socialen Zustände. Sie ist eine schwierige und complicirte und wirdnoch lange nicht in den Hintergrund treten. Es ist nicht der Zweck dieses Artikels,die Aufgabe der gewerblichen Bildung nach allen Seiten zu erörtern und alle diejenigenEinrichtungen zur Anschauung zu bringen, welche zu ihrer Lösung getroffen oder be-antragt sind; er beschränkt sich nach Möglichkeit auf eine Kategorie von Schulen,welche einen Theil dieser Aufgabe übernommen hat bezw. übernehmen soll.