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Gtsclligkeitstrieb.
und Sprechen bringt, welche ihm das erste Spielzeug reicht und die erste Gesellschaftbietet. Dennoch genügt bald diese Gesellschaft allein dein Kinde nicht mehr; es sehntsich über seinen Familienkreis hinaus nach Umgang mit seines Gleichen aus anderenFamilien. (Vgl. die Art: Gespielen, Freundschaft, Umgang). In den verschiedenenRichtungen, welche der Geselligkeitstrieb des Kindes nimmt, erhält der Erzieher beach-tenswerthe Winke und Aufschlüsse über die verschiedenen Individualitäten und ihre Be-handlung. Manche Kinder wählen mit Vorliebe Aelterc, ja Erwachsene zu ihrer Gesell-schaft, weil in ihnen schon früh ein gewißer ernster Sinn und ein entschiedenes Strebennach Entwicklung sich regt; andere verkehren lieber mit Jüngeren, weil diese sich leichterfügen und ihre Folgsamkeit der Herrschsucht schmeichelt; das äußerlich bevorzugte undirgendwie reicher begabte Kind zieht die minder begabten an, weil diese sich gern imAbglanz sonneir und jenes seine Vorzüge um so mehr genießen kann. Oft zieht aberauch eins das andere an, ohne daß die Erwachsenen den Grund solcher Sympathieanzugeben vermöchten. Da hemme einer nicht voreilig den Zug des Kindergemüths,sei aber auch stets auf der Hut, ob nicht unlautere Neigungen und selbstsüchtige Zweckeim Spiele sind. Die Geselligkeit und ihre Richtung läßt sich nicht commandiren underzwingen, wohl aber leiten und fördern. Die Erziehung — des Hauses wie der Schule— soll das Schädliche und Störende abhalten, Angebereien zurückweisen und nicht durchneugieriges Ausfragen begünstigen, aber auch behülflich sein, daß Passendes sich findet.Die Lehrer können in dieser Beziehung den Eltern manchen guten Rath erthcilen. DieSchule leistet der Geselligkeit der Jugend bedeutenden Vorschub durch das ganze Schul-leben, die gemeinsamen Spaziergänge, die Turnspiele, die sogenannten Kinderfeste, andenen die Schüler aus verschiedenen Classen zugleich Theil nehmen. Das elterliche Hausbietet schon durch die mannigfachen Lebensverhältnisse, denen sich selbst der stillste Familien-kreis nicht entziehen kann, dem Geselligkeitstriebe mannigfache Anregung, wofern nurdie Erziehenden sich Zeit und Mühe nehmen, das Gegebene zum Besten der Kinder zubenutzen. Besonders liegt es den Frauen ob, denen ohnehin schon von Natur der ge-sellige Takt eigen ist, die tauglichen Elemente zu versammeln und jener egoistischen Ab-sonderung, wo jedes seinen Weg geht, ohne sich um das andere zu kümmern, entgegen-zuarbeiten. Doch ist andererseits auch vor der Ausartung des Geselligkeitstriebes zuwarnen, die durch verfrühte Genüsse entsteht. Wir rechnen dahin die Theegesellschaftender Mädchen, die Kinderbälle und »Visiten," die weiter nichts sind als die Nachäffungdes Lebens der Erwachsenen; ferner das Mitnehmen der Kinder in Wirthshäuser undzu Diners, bei welchen sie im Grunde bloß vegetiren, da sie an der Unterhaltung derErwachsenen wenig Antheil nehmen können oder aber, wenn ihr Interesse angeregt wird,solches auch oft nicht ohne Bedenken ist. Eine gleiche Verirrung des Geselligkeitstriebesist es, wenn Gymnasiasten schon als Corpsburschen sich geben, Verbrüderungen stiftenund für sich allein das Wirthshaus besuchen wollen; es ist dabei zugleich der Nach-ahmungstrieb im Spiele, indem die niedrigere Altersstufe die höhere nachäffen will.Jene wie diese Auswüchse werden jedoch da, wo Haus und Schule noch die rechten er-ziehenden Mächte sind und christlicher Zucht sich befleißigen, schwerlich hervortreten. DieseZucht, die das Kind schon früh an das „bete und arbeite" gewöhnt, wird es auch vorjener Gesellschaftssucht bewahren, die zuletzt alle Einkehr in das eigene Innere hindert,oberflächlich und charakterlos macht. Wie nur im Wechsel von Arbeit und Spiel dasletztere genußreich wird und Erholung bietet, so muß der Freude der Geselligkeit auchdie der stillen Selbstbeschäftigung zur Seite stehen und die Erziehung dafür sorgen,daß beide Seiten in's rechte Gleichgewicht kommen. Das Kind soll es stets als eineWohlthat erkennen und mit Dank empfangen, wenn Eltern und Erzieher ihm Spiel-gcnossen verschaffen und für seine» gesellige Erheiterung sorgen; darum darf es auchnicht willkürlich sich absondern oder störrisch sich zurückziehen, wenn die Gespielen ein-mal zu ungelegener Zeit kommen. Ein anderes ist die Neigung des Gemüths zumAlleinsein, die Abneigung vor zahlreicher Spielgenossenschaft (vgl. d. Art. »Abneigung"Th. I. S. 21); sorgsame und scharfblickende Erzieher werden bald den Grund solcher