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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gelchrtenschiilwesen.

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der philosophischen Facultät kommt erst im 16. Jahrhundert auf); allmählich trennten sichjedoch die verschiedenen Wissenschaften und die bedeutendste der vier Facultäten wurdedie theologische (Sorbonns). Der Einrichtung derselben folgten die nach und nach ent-stehenden zahlreichen Universitäten in Deutschland, wie im wesentlichen auch in Hollandund Schottland; nur Tübingen, Wittenberg und Helmstädt folgten dem Vorbilde vonBologna. Doch wurde die Gestalt.derselben durch die eigenthümliche Entwicklung desdeutschen Geistes und Lebens allmählich sehr verändert, so daß sich die mittelalterlicheForm der Universitäten nicht hier, sondern in Frankreich und England erhalten hat.Von dem aber, was auf den Universitäten gelehrt wurde, konnte nur weniges denSchulen zu Gute kommen; die alten Sprachen wurden nur wenig gepflegt, die realenKenntnisse konnten eine große Bereicherung nicht gewinnen, nur die logischen Begriffeund Fertigkeiten wurden sowohl an sich geübt als auch auf die theologischen Fragen an-gewandt und erhielten daher auch eine weite Verbreitung in den Schulen.

Mit dieser Richtung des Scholasticismus ist die eine Hanptseite des Mittel-alters in geistiger und literarischer Beziehung angegeben; aber so bedeutend dieselbewar, konnte sie doch den Schulen die notwendigste und hauptsächlichste Nahrung nichtzuführen. Zwar strebte derselbe eben so sehr nach Klarheit als nach Tiefe, und er hatin beiden Beziehungen Großes gewirkt, aber das historische und traditionelle Wissen,die Kenntnis des Alterthums, gieng so gut wie ganz verloren. Und auch durch sichselbst brachte er Nachtheil, insofern das Uebcrmaß speculativen Eifers und die Spitz-findigkeit dialektischer Kunst den Sinn und die Liebe zur Wahrheit verminderte. Diesrief nothwendig eine entgegengesetzte Seite hervor, indem die Lehrsätze ein einseitigesund starres Festhalten erforderten, und so jener Auctoritätsglaube befördert wurde, dersich auf die berühmtesten Producte des Scholasticismus, besonders die Sentenzen desPetr. Lombardus und die Summa des Thomas von Aquino bezog. Dabei mußtenatürlich die praktische Seite der Philosophie leer ausgehen und namentlich also auchdie Pädagogik unbeachtet bleiben.

Eben so wenig fteilich war andererseits von dem Mysticismus etwas zu er-warten, was wenigstens unmittelbar die Schulen unterstützen konnte. Wenn hier dieContemplation in den Vordergrund trat und es absichtlich au einer klaren und bestimmtenBegriffsentwicklung gemeiniglich fehlen ließ, so konnte doch unmöglich damit das ersteBedürfnis der Jugend befriedigt werden, die gerade an den Schriftstellern des Alter-thums als den unvergleichlichen Musterbildern das sapsro so kari in aller Schärfe undPräcision antiker Darstellung erlernen sollte. Nur von derjenigen Schule konnte dahereine heilsame Einwirkung erwartet werden, die das echte Wesen der Mystik mit demwahren Gehalte der Scholastik zu vereinigen bemüht war. Dies war die Lehranstalt,welche Wilhelm von Champeaux mit dem Kloster von St. Victor in einer Vor-stadt von Paris im I. 1109 verband und deren wohlthätige Wirkungen auch auf diePädagogik nicht lange ausbleiben konnten. Schon bei Hugo von St. Victor istdies nicht undeutlich zu erkennen, noch mehr aber tritt es hervor bei Vincent vonBeauvais, vielleicht dem gelehrtesten Manne des 13. Jahrhunderts (gest. um 1264),der ein Hand- und Lehrbuch für königliche Prinzen und ihre Lehrer schrieb (vgl. Nie-meyer 3, S. 523). Dessenungeachtet kommt auch hier das eine Grundelement derJugeudbildung nicht zu seinem Rechte; die griechische und römische Welt lag seinemSinn und seiner Kunde zu fern. Er beruft sich zwar auf die Alten, besonders aufSuintilian, aber sein Urtheil Uber sie ist doch ganz beschränkt, und er weiß die bildendeKraft der elastischen Studien nicht in der rechten Weise zu würdigen, und es war daherauch kein Wunder, wenn er verlangte, daß statt der heidnischen christliche Dichter indm Schulen gelesen werden sollten.

8- 6. Der Einfluß der wieder erwachten classischen Literatur.(Literatur: A. H. L. Heeren, Geschichte des Studiums der class. Lit. seit dem Wieder-aufleben der Wissenschaften. 2 Bde. (besonders B. 2). Gött. 1797—1801. H. A.Erhard, Gesch. des Wiederaufblühens wissensch. Bildung, vorn, in Deutschland.