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Gelehrtenschulwesen.
sich ihre Literatur wie das Fundament ihres Glaubens, die heilige Schrift, in dergriechischen Sprache und es fand sich innerhalb ihres Bereichs keine Sprache, die dieserden Rang streitig gemacht oder zu der geistig bildenden Operation einer Ueberwindnngdes fremdartigen gegenüberstehenden Sprachidioms geführt hätte.
Anders verhielt es sich in der abendländischen Kirche. Sie ward nicht bloßinnerlich, und fast vorzugsweise, nach der Seite hin getrieben, die jener gerade fehlte;sie stand auch unleugbar in einem organischen Geisteszusammenhange mit dem altenheidnischen Römerthum, mit dessen Institutionen und Gebräuchen, und ward dadurchvornehmlich zu jener Wirksamkeit nach außen bei strenger Gliederung im Inneren ge-trieben, die das Fremde zu erobern und für sich zu gewinnen trachtet. Vornehmlich aberbreitete sie sich in Ländern aus, wo mit schöpferischer Kraft und Selbständigkeit neueSprachen entstanden und sich ausbildeten, neben denen nun das römische Idiom als einfremdartiges, aber für die Kenntnis unerläßliches Element dastand. Während mandaher in der griechischen Kirche der lateinischen Sprache und Literatur entschieden ab-hold war, zeigte man sich in den Ländern der abendländischen Christenheit frühzeitigauch dem Studium des Griechischen geneigt. Ohne diese beiden alten Sprachen und dasHebräische konnte unmöglich eine irgend höhere wissenschaftliche Bildung gedacht werden.
Diesen Charakter und Umfang des germanischen Bildungsbedürfnisses prägt in ent-schiedener und genialer Weise Karl der Große aus. Dieser Theseus des deutschenLebens umfaßt mit seinem großen und scharfen Blicke das ganze Gebiet nicht bloß derKirche, sondern auch des Staates, nicht bloß der bereits wirksamen Lebensalter, sondernauch der Heranwachsenden Geschlechter. Seine beiden großen und unsterblichen Ge-danken waren daher: den Kreis der Schulbildung über die Geistlichen hinaus zu ver-breiten, und durch die Heranbildung eines Lehrerstandes für den Unterricht der Jugendin bester Weise zu sorgen (s. Palmers ev. Päd-, S. 16). Die Anregung, die er zu-gleich hierdurch gab, gieng weit über die Grenzen der von ihm beherrschten Länder hinaus(vgl. Xsullol bistoria origivis ao xroArossns sollolarurn intsr (ibristianos. Helmst.1743). Er baute damit freilich auf ein ihm bereits überliefertes Fundament, aber erbrachte nicht bloß das starr Gewordene wieder in Fluß, sondern schuf auch wesentlichNeues, an welchem das ganze Jahrtausend nach ihm fortgearbeitet hat. Den Mittel-punct dieser Thätigkeiten bildete die älteste Schule in seinem Reiche, die er nur wieder-herzustellen hatte, die Hofschule oder sollola Ualatirm — vielleicht der erste Ursprungund das schwache Vorbild der nachmaligen Hochschulen oder Universitäten. Das Auf-blühen derselben war nicht sowohl das Werk des Petrus von Pisa, der sich vielleichtvergeblich darum abmühte, als des 793 aus England herübergerufenen AngelsachsenAlcuin. Diesem gelang es allmählich, talentvolle Männer zu Vorstehern für ähn-liche Anstalten auszubilden, wodurch allein die von Karl dem Großen ersehnte Möglich-keit gegeben war, eine Reihe tüchtiger Schulen über das ganze Reich auszubreiten.Der Lehrstoff war ein gegebener, die Mittel des Unterrichts blieben unverändert;es galt hier ausschließlich die bewährte Ueberlieferung des Mittelalters. Doch mochtefür die Methode wohl allmählich der Zeitpunct gekommen sein, wo von der akroa-matischen in die dialogische Lehrform der Uebergang gemacht werden sollte. In Bezug ausdas Material entsprach es dem systematisch zusammenfassenden Geiste des Römerthmns,daß das Wissen sich nicht auf das theologische Gebiet beschränkte, sondern auf alleGegenstände des Wissenöwürdigen ausgedehnt ward, wie auch die Männer es übten,z. B. Lscka vonorabllis, deren unmittelbarer Schüler Alcuin zwar wohl nicht gewesenist, wenn er auch dem Geiste nach vollkommen in ihre Fußstapfen trat. Dieser Wissens-stoff hatte bereits in den einflußreichsten Schriften des Boöthius (455—524) und inder vielseitigen Thätigkeit des Cassiodorus (480—570) eine erfolgreiche Pflege gefun-den und war durch das Latirioon (besonders die beiden ersten Bücher desselben, äsnuxtiis xllilolvAiao ot Norourii) des Afrikaners Marcianus Capella (um 4lO)und die OriAmos (OriZilluiu 8. st^moloAiaiuin libri XX) des Jsidorus (Bischofsvon Sevilla, gest. 636) encyklopädisch ausgebildet worden. Hierauf ruhte die berühmte