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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gebrechliche.

Gedächtnis.

cs für den Gebrechlichen nicht leicht etwas fataleres, als wenn seines Schadens mit -Ostentation vor vielen gedacht wird. Die Protectionsmiene verbittert auch süße Gaben iund erregt in den Mitschülern nicht eben holde Empfindungen. Am besten wird auckder Lehrer, aus dein gleichen Grunde wie die Eltern, den Gebrechlichen gerade wie dieanderen behandeln; der rechte Lehrer wird dabei alles was er thut, und er hat wohlmanches zu thun mit besonderer Rücksicht im Geiste herzlichen Wohlwollens chun.Der Schüler wird sich dann mit den Mitschülern schon zurechtfinden, wenn er auchhinkt. Es giebt nun wohl auch in der Schule eine ganze Anzahl solcher kleiner Auf-merksamkeiten, welche durch das einzelne Gebrechen motivirt sind. Ein vernünftigerLehrer wird dem, welcher nicht wohl stehen kann, gerne das Sitzenbleiben erlauben; erwird dein, der an der Ecke der Bank leichter sitzen kann, eine solche anweisen, er wirdauf die Haltung achten und mit Rücksicht auf den mit einer RückgratsverkrümnumgBehafteten vorsichtige Schonung im Schreiben u. s. f. gestatten: doch das alles ver-steht sich so sehr von selbst, daß es nicht uöthig ist, mehr darüber zu sagen.

Geradezu empörend auch für das Gefühl tüchtiger Mitschüler ist es, wenn ei»Lehrer directe Anspielungen auf ein bestimmtes Gebrechen macht und selbst neckt: wenner z. B. bei der Lectüre eines Schriftstellers eine Stelle, in welcher von solchen Dingendie Rede ist, mit gemeinem Behagen gerade einem gebrechlichen Schüler zu lesen giebt.

Es mag das immerhin eine tüchtige Abhärtung für den letzteren abgeben, damit seineEmpfindlichkeit etwas ertragen lerne; allein vom Lehrer sollte doch dergleichen nicht aus-gehen. Freilich giebt es wohl Naturen, denen solche Rücksicht nur als eine übertriebeneEmpfindelei erscheint, und von denen denn auch, weil es nicht böse gemeint ist, selbsteine plumpe Verletzung nicht so sehr schmerzt. Es ist aber zum wenigsten ein Beispielvon Mangel an echter Bildung, wenn man einen Schwächeren verletzt, indekn man ihnan einen wirklichen oder scheinbaren Makel erinnert, der ihm ohne sein Verschuldenanhaftet. Die schlechtesten Späße, welche nur niedrigen und höhergestellten Pöbel amn-siren, sind unter anderen die, welche sich über den Stand, die Heimat, die Aeußerlichkeiteines Anwesenden lustig machen, und wobei dieser nicht fröhlich mitlachen kann, sondernals Zielscheibe dienen muß.

Mit einen: Worte, es gilt denn auch hier, daß die Liebe das Element sein muß,in welchem die Behandlung der Gebrechlichen besteht; die Liebe, welche langmüthig undfreundlich ist und nicht Muthwillen treibt. Gegen solche Liebe sind auch gebrechlicheKinder in den weitaus ineisten Fällen gar sehr empfänglich. Das ist eine allgemeineund sehr wohl erklärliche Erfahrung. Es ist wahrhaft rührend, daß der Erstling deSStammes, unter welchen: der berühmte Missionar Krapff eine Niederlassung gründete, !eben ein Krüppel war: dieser schloß sich vertrauend und forschend mit origineller, scharst fsinniger Auffassungsgabe an den freundlichen Boten an und ist auf lange der einzige fBekehrte geblieben. Ein solches vielgedrücktes, geschmähtes Herz öffnet sich freudig, 'wenn es mit sorgsamer Feinheit behandelt wird und empfinden darf, daß mau ihmvon Herzen wohl will. Es läßt sich gerne führen. Den Sieg des erlösenden Geistesaber sehen wir gewiß am schönsten vollbracht, wenn wie in Lunnull Lsnnock^'s ckesspNlluri schon das Kind zum Herrn geführt wird. Denn daß in unseren: Falle, diegründlichste Hülfe und der beste Trost für das in der sinnlichen Welt nun einmal Ver-sagte eben aus der frommen Hingebung an den Willen und.an die Führung Gottesquillt, das fällt jeden: in die Augen, der sich nicht davon abwenden will.

i)r. G. Vccsenmcycr. !

Gedächtnis. Wenn man in der Pädagogik eine Zeit lang die hohe Bedeutung ^des Gedächtnisses für die Bildung des Menschen verkennen und von demselben gering-schätzig sprechen konnte, so darf man das wohl als eines der größten Misverstäudnissebezeichnen.*) Wäre freilich das Gedächtnis nichts weiter, als die Kraft, vereinzelteStoffe und Notizen im Geiste festzuhalten, so möchte man berechtigt sein, ihn: eine

*) Vgl. die Darstellung der Grundsätze der Neuerer bei Raumer, Gesch. d. Päd. II. 9. U.