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Frühaufstehen. Frühreife.
umschweift. Am bedenklichsten ist jenes halbwache Liegenbleiben in der Zeit der Ent-wicklung der Mannbarkeit. Ist die Umgebung auch rein, was aber selten der Fall istso wird doch durch jenes oft „die verderblichste der verderblichen Neigungen" hervor-gerufen, bestärkt und unterhalten, die in einem furchtbaren Grade die Jugend ergriffen ihat, die Onanie, (vr. E. W. Posner: Nsckioins. xustorulls st rurslis. Ein Hand- Iund Hülfsbuch für Aerzte, Lehrer und Menschenfreunde. Glogau, 1844). Unter den j
Regeln, die Posner zur Vertreibung und Verhütung mittheilt, steht auch diese: „Ge-wöhne sie (die Kinder) zeitig, auf der Seite und nicht auf dem Rücken zu schlafen *) sund Morgens beim Erwachen baldigst aufzustehen." Dadurch werden Verirrte heraus- !
gerissen aus dem verderblichen Nachhängen unzüchtiger Bilder u. s. f. Gut ist es, wie r
für Gesunde, so auch für Verirrte, wenn das äußerliche Mittel nach Luthers Sinn undMeinung in christliche Ordnung eingereibt ist, wie denn im Katechismus gelehrt wird: ^
Des Morgens,'so du aus dem Bette fährst, sollst du sagen: Das walte Gott Vater, ,Sohn und heiliger Geist. Amen. Darauf knieend oder stehend den Glauben und dasVaterunser beten u. s. f.
Hie und da wird ein Morgenspaziergang, um die Sonne aufgehen zu sehen, den f
Kindern Freude machen; das Frühaufstehen kommt sie in solchen Fällen (wie auch wenn !
es auf eine Reise geht) nicht sauer an. Äm allgemeinen aber kann das Spazieren- /
gehen in frühen Morgenstunden den jungen Leuten nicht empfohlen werden, da es sehrleicht die Folge hat, daß sie dann zur Arbeit des Tages nicht mehr die nöthige Frischeund Munterkeit haben; an Werktagen gehören die Frühstunden der Arbeit.
Mittel anzuwenden, um das Frühaufstehen zu erreichen, ist auf dem Lande wenigernothwendig als in Städten. Auf dem Lande ruft die Feldarbeit hinaus in's Freie.
Hier sind es nur die Beamten und Vornehmen, welche der Volkssitte entgegen leben.
In Städten werden allerlei Kunstmittel nöthig sein und fürs erste auch bleiben. Eines ?
ist der zeitige Anfang des Schulunterrichts oder der Vorlesungen für Jünglinge u. s. f. f
Im Rauhen Hause wird um 5 Uhr aufgestanden und beginnt darin das Tagewerk mitSpringen (aus dem Bette nämlich), Beten und Singen. In Lehranstalten, besonders ;
in Convicten, bringt die Hausordnung mit sich, daß eine Glocke gezogen wird, und hatdas seinen guten Einfluß auch fürs spätere Leben.**) Die Reveille des Militairs istfür die Umwohnenden oft ein Zeichen zum Aufstehen. Der Einzelne kann sich Helsenmit einem Wecker an der Uhr, mit seinem Hausknecht Johann, wie denn auch Buffonseinem Bedienten einen Theil seiner Werke verdanken will. Mit unbedingter Vollmachtzu rütteln und zu schütteln, ein nasses Tuch aufzulegen u. s. w. muß aber der dienst-bare Geist ausgerüstet sein, denn der Schlaf fällt sonst wie ein Gewappneter nochmalsauf seine Beute. Das Beste ist das Sprüchwort: „Jung gewohnt, alt gethan" zu be-folgen, d. h. hier, die Ordnung des Hauses, früh aufzustehen, den Kindern anzuerziehenund zur Gewohnheit zu machen. Stromberger.
Frühreife bezeichnet in der herkömmlich gewordenen Bedeutung des Wortes nichtnur die früh eintretende wirkliche Reife, d. h. Männlichkeit im physischen und geistigenSinne, sondern es wird auch, namentlich auf geistigem Gebiete, von jeder Entwicklungs-stufe gebraucht, die im Verhältnis zum Alter ungewöhnlich früh eintritt. Wir sindebenso geneigt ein Kind frühreif zu nennen, welches etwa mit dem dritten Lebensjahre 8schon fertig und mit Verständnis und Ausdruck lesen kann, als einen jungen Mann,
*) In diesem Punct sind die Ansichten verschieden, vgl. d. Art. Erholung S. 247.
D. Red.
**) Wie in solchen Anstalten die Erlaubnis, an einem Tag in der Woche oder bei besondernVeranlassungen eine Stunde länger schlafen zu dürfen, auf die fleißigen Zöglinge wirken kann,nämlich so, daß sie gerade an diesen Tagen viel früher aufstehen und ihren Privatstudien obliegen(was sich psychologisch aus dem Motiv der Freiheit gegenüber dem sonstigen unentbehrlichen Zwangerklärt), darüber s. Heiland, in der Abhandlung: „Zur Gymnasialfrage" in der Zeitschrift fürdas Gymnasialwesen X, I, S. 79. D. Red.