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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Fröbel.

fehlten; besonders war er mit dem classischen Alterthum und der historischen Entwick-lung der Menschheit wenig bekannt. Seine eigene Jugenderziehung war eine mangel-hafte. Bis zu seinem 10. Jahre besuchte er gar keine Schule und von dem 10. bis !zum 14. Jahre eine Bürgerschule; in ein Gymnasium ist er gar nicht gekommen. Erst ^später, als ihm nach scheinbar planlosem Hin- und Herirren in den verschiedensten Be- !rufsarten seine Bestimmung zum Lehrer aufgegangen war, studirte er methodisch die jNaturwissenschaften in Göttingen und in Berlin (1810 und 1811), weil er das Ent-wicklungsgesetz des Naturlebens mit dem Entwicklungsgesetz des Geisteslebens für iden-tisch hielt und der Ansicht war, daß ein Pädagog das Naturleben aufs gründlichstekennen müße. *)

Der Hauptbegriff, der sich durch alle Schriften Fröbels hindurchzieht, ist der Be-griff des Lebens und seiner Organisation und Entwicklung: Die Kategorie des Lebensist eben so sehr eine Kategorie der Natur, als des Geistes des Menschen: ja selbst dieGottheit kann man als Leben bezeichnen. Der Begriff des Lebens offenbart sich aberin der Natur am mannigfaltigsten oder wenigstens am anschaulichsten und daher kann ^selbst ein Mensch von niedrigerer Bildung am leichtesten aus der Beobachtung der Natureine Vorstellung von der Idee des Lebens gewinnen. Die Formel, in welcher amFröbel am häufigsten den Begriff des Lebens faßt, ist die Einheit in der Mannigfaltigkeitvon Einzelnheiten. Der lebendige Bau bildet ein Ganzes von vielen Theilen oder Einzeln-heiten, die sich aufs bestimmteste von einander unterscheiden und so eine reiche Mamng- jfaltigkeit bilden, aber eben so sehr von einer inneren Einheit zusammengehalten werden, ^die ihr Wesen in der Mannigfaltigkeit kund giebt, ohne sich darin zu verlieren. Die sEinheit ist das Ursprüngliche des Lebens, der Quell- und Haltpunct des Ganzen, sie ,treibt die Mannigfaltigkeit von Einzelnheiten aus sich heraus und giebt sich in ihneneine entsprechende Gestalt, wie umgekehrt jedes einzelne Glied des Organismus gleich-sam ein Strahl ist, in dem man die innere Einheit der allgemeinen Lebenssonne erkennen !kann. Was ein Ding entwickeln soll, das muß seinem Wesen nach in ihm liegen und jsoll ein Ding seine Einheit vollkommen entwickeln, so muß es eben alle seine Mamiig- !faltigkeit, die in ihm liegt, aus sich entwickeln. Je mannigfaltiger, je unbegrenzter inZeit uud Raum die Einzelnheiten sind, in welchen eine Einheit heraustritt, um so voll-endeter und erschöpfender wird diese dargestellte Mannigfaltigkeit das Wesen der dar-stellenden Einheit aussprechen. Jeder einzelne Mensch, aber auch jedes einzelne Volk,ja zuletzt selbst die Menschheit ist eine solche innere Einheit, die sich eben so in räum-licher Organisation als in zeitlicher Entwicklung in entsprechender MannigfaltigkeitHerausstellen und darlegen soll. Die unsichtbare und über alle Mannigfaltigkeit undEinzelnheit übergreifende Einheit ist das Göttliche oder das von Gott Gesetzte undBedingte in den Dingen und in den Personen. Die Einheit, die also z. B. jedereinzelne Mensch als das in einer unendlich reichhaltigen Mannigfaltigkeit von Existenz-formen nnd Entwicklungsstufen räumlich und zeitlich realisiren soll, ist von Gott gegeben,und bedingt, ist ein Punct in der unendlichen Offenbarung Gottes und greift in dieSphäre des göttlichen Wesens ein. Da es nun in der Erziehung darauf ankomint,die in dem Menschen liegende ewige Einheit zu einer sie vollkommen darstellendenMannigfaltigkeit zu entwickeln, so hat alle Erziehung ihrem tiefsten Grunde nach einenreligiösen Charakter; diejenigen also, welche Fröbeln die Religion absprechen, verstehe»unter der Religion ohne Zweifel eine bestimmte Confession; vielmehr aber war Fröbelein tief religiöser Mensch, wenn auch in seinem Gottesbegriff die Immanenz entschiedene!hervortritt als die Transscendenz, und in seinem Erziehungssystem ist die Religion eben-

*) Eine ausführliche Lebensbeschreibung Fröbels existirt noch nicht. Die wichtigsten Notizenzu einer solchen findet man in Diesterwegs Jahrbuch vom Jahre 1851, ferner in einer Schrist ;von vr. Kühne: Fröbels Tod und Fortbestand seiner Lehre; endlich in einer Schrift von Wichnrd lLange: Zum Verständnisse Friedrich Fröbels. Hamburg 1850. Besonders bemerkenswerth inFröbels Leben ist sein zweijähriger Aufenthalt bei Pestalozzi in Jfferten, wo seine pädagogisch!»Ideen zur Reife kamen.