Fichte.
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früher unter dankbarer Anerkennung seiner Absicht abgelehnt wurde. Am Krankenbettseiner am Lazarethfieber darniederliegenden Frau wurde er von derselben Krankheit er-griffen und starb den 27. Januar 1814. Vgl. Fichte's Leben und Briefwechsel, her-ausg. von I- H. Fichte, 2 Bde. 1830. 31. 2teAufl. 1862. Strümpell, die Pädagogikder Philosophen Kant, Fichte, Herbart, 1843. — WieFichte nach wiederholter eigner Aeuße-rmig vielmehr Lehrer und Redner als Schriftsteller war, so ist er auch für die Päda-gogik in zweifacher Hinsicht wichtig, durch den vorwiegend ethischen Charakter seinesSystems und durch den von ihm zuerst gehegten Gedanken einer Nationalerziehungim Gegensatz zu den kurz vorhergehenden kosmopolitischen Erziehungsideen; in beidemBezüge zeigt er seine Verwandtschaft mit Platon und Aristoteles, ven philosophischenPädagogen des Alterthums. Dagegen hat er ein ausführliches System der Pädagogiknicht entworfen; am ausdrücklichsten äußert er sich über dieselbe in seinem System derSittenlehre (Werke, Bd. IV.), seinen Reden an die deutsche Nation (WW. Bd. VII.)und in den Aphorismen über Erziehung vom I. 1804 (Bd. VIII. S. 353); indesüberall hauptsächlich nach der ethisch-nationalen Seite, während er — auch dies in Ge-mäßheit seines philosophischen Systems — die psychologischen Bedingungen der Erziehungnirgends eingehend erörtert. Denn die gelegentlichen Betrachtungen, welche sich bei ihmüber die Einbildungskraft und das Erinnerungsvermögen finden (vgl. be-sonders „die Thatsachen des Bewußtseins" WW. II. 565 fs. und 577 ff.), beziehensich wesentlich auf die Reflexion und die Darstellung des absoluten Bewußtseins; des-gleichen haben die Bemerkungen, welche er über Gefühl und Sinn macht (a. a. O.S84), nur den Zweck, die Begrenzung des Ich deutlich zu machen. Dagegen legt erüberall auf den Willen als das ursprüngliche und schöpferische Vermögen des Ich dasgrößte Gewicht, nur daß er auch hier stets die transcendentale und ethische Kraft des-selben, nicht seine psychologische Natur ins Auge faßt. Die Grundzüge dieser Richtungtreten schon in seinen ersten Werken hervor, weshalb es nicht richtig ist, von einemspäteren eigentlichen Bruch in seinem System zu sprechen; die Entwicklung des absolutenBewußtseins zur Anschauung Gottes und der Ethik zur Religionslehre ist mit Nothwen-digkeit schon in den Anfängen seiner Lehre gegeben. Den Beweis hiefür kann allerdingsnur eine eingehende Darstellung seiner ganzen Philosophie liefern; hier haben wir unsauf diejenigen Bestimmungen zu beschränken, in denen Fichte's Lehren über die Erziehungihre Begründung und Darlegung finden.
Fichte's Idealismus geht von der Fr ei heitres Ich aus (Zweite Einl. in dieWissenschaftsl. I- 509): obschon die Dinge unabhängig von unserer Vorstellung sind,so sind sie doch nur das, als was sie erscheinen (II. 621 flg.) und das Bewußtseineines Dings ist absolut weiter nichts als das Product unsres eignen Vorstellungsver-mögens (II. 221 . 239). Wenn aber ein System des Wissens nothwendig nur einSystem bloßer Bilder ohne Realität und Zweck ist (II. 246), so muß diese Realitätdurch ein anderes Organ, den Glauben, erschaffen werden; denn nicht bloßes Wissen,sondern das Thun nach dem Wissen ist die Bestimmung des Menschen (II. 253) unddie Vernunft selbst ist lauteres Thun (IV. 56). Der Glaube ist demnach kein Wissen,sondern ein Entschluß des Willens, das Wissen gelten zu lassen, und von dem Willenals dem lebendigen Princip der Vernunft, nicht von dem Verstände muß alle Bildungmeiner selbst und anderer ausgehen (II. 254. 288. 297; VII. 281), so wie auch durchden guten Willen dieses Leben mit dem künftigen zusammenhängt (II. 286). Vondiesem einen, vernunftmäßigen Willen, welcher That und Product zugleich ist, und unterwelchem alle endliche Willen als unter ihrem Gesetz stehen, hebt sonach die Freiheit an(II. 296); denn eine Bestimmung durch Freiheit heißt ein freies Wollen (II. 674) unddas Sein der Freiheit oder des Lebens und Sittlichkeit sind durchaus Eins(II. 683). Und wenn meine ganze Bestimmung nur Einem, dem Vater der Geister,sichtbar ist (II. 309), wenn also jene Vereinigung und unmittelbare Wechselwirkungmehrerer selbständiger und unabhängiger Willen mit einander das Grundgesetz der un-sichtbaren Welt ist (II. 299), wenn endlich das Sittengesetz in mir, als Individuum,