444
Fichte.
Festigkeit.
und Festigkeit auf Unkosten der Liebe gewinnt, die nicht das Ihre sucht, muß die reli- ^giöse Erziehung, wie sie das Evangelium fordert, die sittliche Bildung anfangen un^vollenden. Sie muß dem Wollen und Streben den rechten Inhalt geben und die Er-kenntnis öffnen, daß nicht die Folgerichtigkeit an sich, sondern der Gegenstand desWillens es ist, welcher die Festigkeit achtungswerth macht und den Menschen adelt.
A. W. Grube.
Fibel, s. ABC--Buch.
Fichte, Johann Gottlieb, geb. zu Rammenau in der Obcrlausitz den 19 . Mm1762 , Zögling der Landesschule Pforta, studirte seit 1780 in Jena und Leipzig Theo-logie. Sein philosophisches Streben gieng von der Dogmatik aus; ursprünglich demDeterminismus zugethan, in welchem er durch Spinoza befestigt wurde, hat er sich vondem Systeme des letzteren erst durch die Entwicklung der eigenen Lehre befreit. Sät1784 Hauslehrer in Sachsen gieng er in derselben Eigenschaft 1788 nach Zürich, woer die Gründung einer Realschule beabsichtigte; in dem noch vorhandenen Plane der-selben finden sich sehr beherzigenswerthe Winke über die Abfassung deutscher Aufsätze.Mit einer Nichte Klopstocks verlobt wurde er durch häusliche Verhältnisse an der sofor-tigen Schließung der Ehe verhindert, er gieng deshalb 1790 nach Leipzig zurück, wo'er sich mit der Kant'scheu Philosophie beschäftigte und durch dieselbe nach seiner eignenAussage die Ueberzeugung von der gänzlichen Freiheit des menschlichen Willens gewann.Nach einem mißlungenen Versuche, eine Hauslehrerstelle in Warschau anzutrcten, begabsich Fichte 1791 nach Königsberg, wo er Kant kennen lernte und seinen „Versuch einerKritik aller Offenbarung" schrieb, als dessen Verfasser man anfangs Kant ansah. Nacheiner Hauslehrerschaft in Westpreußen kehrte Fichte 1793 zu seiner Verheirathuug nachder Schweiz zurück, wo er jetzt Pestalozzi besuchte; gegen Ende dieses Jahrs wurde ihm ,,an Neinholds Stelle eine philosophische Professur in Jena angetragen, welche er zu,Ostern 1794 antrat. In diese Zeit fallen die grundlegenden Schriften seines Systems(Recens. des Aenesidemus, die verschiedenen Bearbeitungen der Wissenschaftslehre, Be->stimmung des Gelehrten, 1794 ; Rechtslehre 1796 ; Sittenlehre 17981 ; neben seinenVorlesungen suchte er indes auch unmittelbar die Sittlichkeit unter den Studenten z. B.durch Auflösung der Studentenorden zu heben, was zwar Anerkennung fand, aber durchSchlaffheit und Unverstand von anderer Seite zum größten Theile verhindert wurde.Die Anschuldigung des Atheismus und die hieran sich knüpfenden Streitigkeiten bewogenFichte, sein Lehramt 1799 aufzugeben und nach Berlin zu gehen, wo er seiner Lehrejtheils durch Vorlesungen, theils durch mehrere Schriften (Bestimmung des Menschen!1800 ; Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters, Wesen des Gelehrten und Religions-!lehre 1805 — 1806 ) eine größere Verbreitung sicherte. In dieser Zeit trat auch der>ursprüngliche Unterschied zwischen Fichte und Schelling scharf hervor (vgl. Fichte undSchelling, philosophischer Briefwechsel, Stuttg. 1856 , besonders S. 124 ); daß Fichtesim Gegensatz zu der Schelling'schen Indifferenz des Subjeet - Objects die überwiegende j !Bedeutung des Geistes als des Subjccts festhielt, erleichterte zugleich seine religiöse IVertiefung, welche von jetzt an in zunehmendem Maße seine Lehre und seine Schriften sdurchdringt. Im I. 1805 zum Professor der Philosophie an der damals preußischesUniversität Erlangen ernannt, wurde er durch den bald ausbrechenden Krieg, an welchem!er selbst als Redner Theil zu nehmen wünschte, bewogen, zunächst nach Königsberg und!bei dem Nachdrängen der Franzosen nach Kopenhagen zu gehen, von wo er 1807 nach!Berlin zurückkehrte. Gleich im folgenden Winter hielt er dort trotz der französischen sBesetzung seine Reden an die deutsche Nation, in denen er die Grundzügc einer sNationalerziehung als des einzigen Mittels zur Wiedergeburt des gesummten Deutsch-!lands darlegte. Zugleich entwarf er auf amtliche Veranlassung einen Plan für die msBerlin zu gründende Universität; indes gieng die Bearbeitung dieser Angelegenheit!später in andere Hände über. An der neuen Universität als Professor der Philosophien ,und in den beiden ersten Jahren als Decan und Rector thätig, wünschte er gleichwohl !an dem ausbrechenden Freiheitskriege als Feldredner Theil zu nehmen, was jedoch wies !