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Festigkeit.
physischen Lebens: auch da giebt es feste und flüßige, harte und weiche, elastische undstarre Naturen, und die auf das Naturell sich gründenden Temperamente können wirfüglich in feste und flüßige abtheilen. Die beiden festen sind das phlegmatischeund cholerische, die beiden flüßigen das sanguinische und melancholischeTemperament. Der Phlegmatiker wird von körperlicher Seite her durch die geringeNervenreizbarkeit, den langsamen Stoffwechsel, die Gleichmäßigkeit der Functionen über-haupt sehr begünstigt, auch im Geistigen und Sittlichen eine große Beharrlichkeit undFestigkeit zu entwickeln; er braucht nur dem in seinem Wesen begründeten Gesetz derTrägheit zu folgen, um eine gleichmäßige Stimmung seiner Seele zu behaupten unddas festzuhalten, was er als recht, gut und zweckmäßig erkannt hat. Der Cholerikerbesitzt von Natur eine kräftige Sinnlichkeit und mit dieser zugleich eine bedeutendeStärke der Seelenkräfte; er kann deshalb von äußeren Eindrücken zwar lebhaft erregtwerden, aber es wird dies überwiegend mit und zu eigener Selbstthätigkeit und zurGeltendmachung seines Wesens geschehen. Mit derselben Entschiedenheit, mit der erdas ihin Zusagende aufnimmt und verarbeitet, weist er das ihm Fremde oder Feind-liche zurück; er trotzt "gegen fremde Einflüße und beharrt gern bei vorgefaßten Mei-nungen. Man hat wegen dieser günstigen Disposition zur Festigkeit auch wohl beide,das phlegmatische und cholerische Temperament die Charakter-Temperamentegenannt, und das sanguinische und melancholische die Naturell-Temperamente(vgl. Populäre Vorlesungen aus dem Gebiet der Physiologie und Psychologie von vr.Emil Harleß, 1855), da bei diesen das Naturell, indem es der Charakterfestigkeit inehrhinderlich als förderlich ist, überwiegend sich geltend macht. Der Sanguiniker hat leich-tes, durch lebhaften Stoffwechsel stets erfrischtes Blut, leichte Erregbarkeit und leichtenSinn; der Melancholiker hat schweres Blut und schweren Sinn; jener wird vorzugs-weise durch Lustempfindungen, dieser durch Unlustempfindungen bestimmt. Beide Tem-peramente können sich momentan zu großer Kraftentwicklung erheben, aber die Festigkeitund Folgerichtigkeit im Handeln geht ihnen ab, da für sie die stets beweglichen Ge-fühls- und Phantasiegebilde das Maßgebende sind. Der Sanguiniker giebt sich zu sehrden Reizen der Außenwelt hin, der Melancholiker zu wenig, daher seine psychischen Ver-mögen Mangel leiden und Unlustgefühle sich bilden, während der Sanguiniker wegender Ueberfülle und des Wechsels der Reize diese nicht kräftig genug bewältigt und fest-hält. Zum Glück für den Erzieher sind die Temperamente in der Wirklichkeit nie ganzrein ausgeprägt, sondern vielfach gemischt und gemildert; sie bilden für die freie Selbst-bestimmung des Geistes keine absolute Schranken. Gleichwie es kein psychisches Gebildegiebt, das durchaus starr zu nennen wäre und keine Verschmelzung oder Berührung mitanderen zuließe: so giebt es auch keine durchaus flüßige Bildungen, die aller Fixirungwiderstrebten. Wie eine umsichtige Erziehung verhüten soll, daß die Festigkeit desPhlegmatikers in Eigensinn, des Cholerikers in Starrsinn ausarte: so hat sie auch da-hin zu wirken, daß die Naturanlage des Melancholikers, der sich gern von der Außen-welt in sein Inneres zurückzieht und allerlei trüben Vorstellungen und traurigen Ge-fühlen Raum giebt, veredelt werde zuin idealen Ernst, den das tiefe Gefühl von derVergänglichkeit und Unzulänglichkeit alles Irdischen zum tieferen Erforschen der Welt desGeistes, zum innigeren Glaubensleben treibt und so durch die Fixirung eines religiösenMittelpunctes auch zur ethischen Kraft und Festigkeit des Handelns überleitet. Die Er-ziehung strebt darnach, den psychischen Gebilden Festigkeit zu geben, wo sie der bloßenNaturanlage überlassen verschwimmen würden, indem sie die Vorstellungen für dieSeele des Zöglings abzugrenzen, ihre Bildung zu leiten, abzuschwächen und zu ver-stärken, und die in und mit den Vorstellungen sich entwickelnden Gefühle und Strebungenin der Art mit den intellectuellen Gebilden zu verschmelzen sucht, daß sie gegenseitig sich halten und stützen. Bei allen Schwierigkeiten und Hemmnissen, die inden Lebensverhältnissen und in der Individualität des Zöglings, wie in der beschränktenKraft der Erzieher unvermeidlich gegeben sind, können doch folgende für die Bildung