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Fertigkeit, Fertigkeiten. Festigkeit.
förmlich gewerblich-technische Thätigkeiten). Darum hat die Erziehung nicht bloß daraufzu reflectiren, daß diese überhaupt nicht — wie schon früher berührt — zu sehr vor-herrschend sich geltend machen (Entfernung namentlich aller förmlich gewerblichenThätigkeit aus der Schule), sondern daß namentlich diejenigen äußern Fertigkeiten, indenen sich die innern Zustände des geistigen Lebens darstellen und ausprägen, wie z. B.das Singen, Zeichnen, gegenüber den übrigen zu ihrem Rechte kommen. Sodann wirdes gelten, die Aneignung derjenigen Fertigkeiten, die, so wenig sie unmittelbar dasgeistige Leben fördern, doch die wesentlichen Bedingungen des geistigen Verkehrslebenssind, wie z. B. Lesen und Schreiben, anstatt sie durch künstliche Methoden zu erschweren,so viel als möglich zu erleichtern, und endlich dieselben überhaupt so wenig als möglichals etwas selbständiges, für sich seiendes zu betrachten, sondern in den Dienst vonetwas geistigem zu stellen. (Singen, Zeichnen; Turnen, auf der Grundlage eines all-gemeinen, geistig frischen, kräftigen und vaterländisch gesinnten Jugendlebens!) Manlese das Treffende, was über all diese Dinge auf feine Weise Beneke in seiner Er-ziehungs- und Unterrichtslehre II. bemerkt.
Nach dem Vorangehenden bleibt endlich nur die Frage noch zu beantworten, wiein der Erziehung die Fertigkeit begründet und gebildet werde? (vgl. den Art. Ein-übung) und dabei ist vor allem darauf aufmerksam zu machen, daß für eine sichereund dauernde Nachwirkung unendlich viel von der möglichst vollkommenen Vollziehungder ersten grundlegenden Acte ankommt. Diese selbst sind, so weit sie nicht infolge un-mittelbarer und directer Anregungen zu Stande kommen, namentlich bei äußern Fertig-keiten durch Association der entsprechenden Muskelbewegnngen mit den Warnehmungendes Gesichts- und Gehörsinns, also durch Bormachen zu erzeugen. — Im weitern er-scheint freilich als das wesentlichste Mittel dafür, daß die Thätigkeiten immer rascherund leichter erfolgen, die Wiederholung derselben. Dadurch wird am einfachstenund sichersten wie die Gewandtheit jeglicher Muskelthätigkeit so die Verstärkung undSicherheit der Jdeenassociationen und Combinationen erreicht. Je mannigfaltiger undvielseitiger diese Wiederholungsübungen sind, anstatt immer dieselbe einförmige, gegebeneWeise einzuhalten, desto freier und leichter wird sich die Fertigkeit gestalten, weswegennamentlich auf geistigem Boden die Repetitionen unter neuen Anknüpfungs- und Gesichts-puncten und mit selbständiger Entwicklung nicht dringend genug empfohlen werdenkönnen. — Dabei wird die Leichtigkeit der Wiederholung begünstigt durch Zerlegungund Gliederung der Thätigkeit und Arbeit (man denke an die Production jedes Buch-staben nach seinen einzelnen Theilen; an die Theilung des zu bewältigenden Memorir-stoffs), sowie dadurch, daß man in sinnlichen Zeichen (Merkzeichen) und in verständigerCombination und Disposition Stützen und Hilfsmittel sucht. — Um aber den Triebzur Wiederholung bis zur Fertigkeit zu wecken, bedarf es auf der einen Seite im Un-terricht einer großen Ausdauer und Zähigkeit des Lehrers, auf der andern Seite einerMunterkeit, innern Lust und Freude an der Sache bei dem Schüler. Dafür ist es vonebenso großer Wichtigkeit, daß schon die ersten Eindrücke und Thätigkeiten lebendig undInteresse erregend sind, als daß das Geschäft der Einübung nie zum Ueberdruß undWiderwillen führe. Deswegen ist das Geheimnis der Kunst der Bildung zur Fertig-keit: stete Erregung des Wohlgefühls befriedigten Strebens, des Sinns für das Schöneund Vollkommene und der Erfahrung des Nützlichen und Werthvollen, das in dem Er-rungenen liegt. vr. Eiscnlohr ft
Festigkeit. Ohne Festigkeit im Denken, Wollen und Handeln giebt es keinenCharakter; die Festigkeit bildet den Gradmesser für die Stärke desselben. Wie derCharakter passiv durch festen Widerstand gegenüber den sein Wesen störenden und ver-wirrenden Einflüßen, activ durch Fixirung der Grundsätze, hervorgehend aus der fest-bestimmten Form des Handelns, sich äußert, ist bereits im betreffenden Artikel (Bd. I.S. 892 I> u. o) hervorgehoben; hier ist der Ort, das psychologische Grundverhältnisdes „Festen" und die hierdurch bedingte pädagogische Thätigkeit in Kürze darzulegen.
Wir begegnen auf dem psychischen Gebiet denselben Gegensätzen wie auf dem des