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Fellenberg.
Mg nicht wenig bei die im I. 1808 errichtete Erziehungs- und Bildungsanstalt fürSöhne höherer Stände, von Fellenberg vorzugsweise die wissenschaftliche Anstalt genannt,für welche später ein eigener Erziehungspalast — das große Haus — erbaut wurde. DieAnstalt war zuerst bis etwa zmn Anfang des dritten Jahrzehntes dieses Jahrhundertsvornehmlich besucht von Söhnen des hohen Adels von ganz Europa und regierenderHäuser, z. B. von Württemberg, Sachsen-Hildburghausen, Weimar, Mecklenburg, Sar-dinien. Später änderte sich dies und es fanden sich besonders Söhne aus reichen industriellenFamilien, man kann sagen aus allen Theilen der Erde hier ein. Noch im Anfang desvierten Jahrzehntes dieses Jahrhunderts traf man hier Nord- und Südamerikaner, Portu-giesen, Spanier, Franzosen, Italiener, besonders viele Engländer, Schweizer, am wenigstenDeutsche, wogegen die Lehrerschaft vorzugsweise aus Deutschen und Schweizern zusammen-gesetzt war. Zu der genannten Zeit belief sich die Zahl der Zöglinge dieses Institutsauf mehr als hundert. Die wissenschaftlichen und pädagogischen Verdienste dieser sorenommirten Anstalt, an welcher Referent selbst 21/2 Jahre Lehrer gewesen, sind wohlnicht hoch anzuschlagen. Dieselbe litt an zweierlei Gebrechen, welche Privatanstaltenanzuhängen Pflegen, dem zu häufigen Wechsel der Lehrer und dem ungeregelten Ab- undZugehen der Schüler. Die nacktheiligen Folgen dieser beiden Uebelstände für Disciplinund wissenschaftliche Fortschritte liegen am Tage. Sie äußerten sich in Hofwyl inoffenen Emeuten, gegen Lehrer sowohl als auch gegen die Anstalt und insbesondere denVorsteher gerichtet, sowie in den gegenüber von wohleingerichteten öffentlichen Anstaltensehr untergeordneten wissenschaftlichen Resultaten. Um wirkliche solide Fortschritte wares den Schülern und Eltern meist nicht zu thun. Viele sollten deutsch oder französischoder englisch oder alle drei Sprachen erlernen, um sich nothdürftig verständlich machenzu können, andere moralisch sehr herabgekommene Subjecte sollten gebessert werden, wiederandere mitnehmen, was mitzunehmen war, viele wurden spät oder zur Unzeit hergebracht,andere wenn sie im besten Zug waren, abgerufen. Hiebei soll nicht geleugnet werden,daß Gelegenheit vorhanden war, sich die vielseitigsten Kenntnisse und Fertigkeiten zu er-werben. Reiten, Tanzen, Fechten, Excrciren, zahlreiche gymnastische Hebungen und Spiele,Tischler-, Papparbeiten, Musik, Zeichnen und Malen wechselten in bunter Reihe mitden ernsteren Studien. Es fanden sich viele tüchtige, kenntnisreiche und begabte Lehrer,die Bibliothek, Apparate, Lehrmittel aller Art waren in guter Verfassung, manche Lehrerkonnten sich länger halten und es ist gewiß bei manchen Schülern hier ein guter Grundf gelegt worden; besonders solche, welche eine längere Anzahl von Jahren in geordnetem
j Stufengang die Anstalt besuchen konnten, sind mit einer tüchtigen Bildung von da weg-
f gegangen. Manchmal hat auch Fellenberg bei fähigen Zöglingen die rein utilitarischen- Tendenzen der Eltern durch ganz eigenmächtige Anordnungen in Betreff des Bildungs-! gangs der Jungen durchkreuzt, wie denn Referent ein Beispiel bekannt ist, daß Knabenaus Newyork, die nur deutsch und spanisch lernen sollten, auch ohne weiteres in diegriechischen und lateinischen Lectionen geschickt wurden. Aber die Ueberzeugung steht unsfest, daß eine wohl eingerichtete und wohl besetzte öffentliche Schule auch bei viel be-schränkteren Mitteln in ihrem geordneten Unterrichtsgang viel mehr wahre Bildung desGeistes und Herzens gewährt, als jene glänzende Anstalt der Mehrzahl ihrer Zöglingegewähren konnte. Fellenbergs Gegner haben ihn beschuldigt, diese „wissenschaftliche" An-stalt, welche allerdings in den zwei Decennien ihrer Blüte schöne Summen abwerfenmußte,*) ganz vom finanziellen Standpunct aus behandelt und theilweise zur Deckung! i der in der Armenschule oder im übrigen Betrieb entstandenen Mindereinnahmen benutzt
^! zu haben. Das Letztere mag wohl richtig sein, auch mußte die ruhmredige Art, womit
^ seine Anstalten durch ungeschickte Freunde oder durch besoldete Schreiber im In- und
*) Die ordentliche Pension belief sich zwar nur auf 50 Louisd'ors, steigerte sich aber bei Ein-rcchnung außerordentlicher Lectionen und infolge der Lieferung aller Bedürfnisse, welche von derAnstalt beschafft wurden, besonders bei Zöglingen, fderen Heimat sehr entlegen war, auf das Dop-pelte und noch weit höher.