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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Fellenberg. 419

in dem Knaben und Jüngling die Grundzüge von dem angedeutet, was einst der Mannwerden sollte.

Nachdem Fellenberg im Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts inTübingen jus, doch mehr noch politisch-philosophische Wissenschaften studirt, reiste er1794 nach Robespierre's Sturz nach Paris, wo er mit Kiotos und ^bbö OröAoirs be-' kennt wurde. Nach Hause zurückgekehrt wurde er, weil er gegen die Privilegien desPatriciats Journalaufsätze und Brochüren schrieb, als Revolutionär verdächtigt. Alsün I. 1798 die Franzosen in die Schweiz einsielen, wurde Fellenberg, der vergeblichdw Landsturm gegen sie zu organistren suchte, proscribirt, flüchtete nach Deutschland unddachte sogar daran, nach Nordamerika auszuwandern. Allein bald änderte sich die Lageder Dinge. Fellenberg wurde zurückberufen und als Gesandter nach Paris geschickt, umdie Abberufung der französischen Agenten, welche ein förmliches Raubsystem in derSchweiz etablirt hatten, zu bewirken, was ihm auch theilweise gelang. Aber diesediplomatisch-politische Thätigkeit entleidete ihm gründlich. Er zog sich von allem öffent-lichen Wirken zurück, kaufte 1799 von der Familie Erlach den vernachlässigten Wykhof,von ihm Hvfwhl genannt, und widmete sein ganzes Leben ausschließlich und mit un-ermüdlicher Beharrlichkeit der Aufgabe der Erziehung, wobei er nicht bloß das Indivi-duum ins Auge faßte, sondern ausgieng von dem großartigen Gesichtspunct des Staats-manns, welcher.in der Erziehung das Hauptmittel erkannte, die Wohlfahrt der Nationenund der Menschheit zu begründen.

Die ersten Jahre verwandte Fellenberg auf die landwirthschaftliche Verbesserungdes sehr herabgekommenen Gutes, welches infolge seiner einsichtigen, rastlosen und wohl-berechneten Bemühungen aus einem Herrenhof zu einer blühenden Colonie anwuchs, inwelcher sich auf dem Grunde einer rationellen Bewirthschaftung um zahlreiche päda-gogische Anstalten von allen Stufen eine blühende gewerbliche und selbst kaufmännischeThätigkeit ansiedelte. Fellenbergs hohe Verdienste um die Landwirthschaft mögen aneinem andern Orte ihre Stelle finden. Hier haben wir es mit den Erziehungs- undllnterrichtsanstalten zu thun. Im I. 1804 gründete Fellenberg die Armenschule (auchlandwirthschaftliche Schule genannt), in welche er zuerst arme verwahrloste Knaben,selbst Sträflinge aufnahm, um sie durch zweckmäßige Arbeit, vorzugsweise landwirth-schaftliche, aber auch gewerbliche, und daneben hergehenden Unterricht zu nützlichen Glie-dern der Gesellschaft zu bilden. Später wurden auch Söhne von wohlhabenderenEltern gegen mäßige Pension ausgenommen. Es sind dabei vorzugsweise zweierlei Prin-cipien ins Auge zu fassen. Die Schule sollte durch die Arbeit der Zöglinge sich selbsterhalten; der Unterricht, welcher neben der Arbeit hergieng, sollte im Lichte der Erholungerscheinen, weshalb die Stunden auch zu der Zeit stattfanden, welche zur Arbeit wenigergeeignet sind, z. B. Winters Morgens frühe, Abends spät bei Lichte, um die Mittags-zeit. In wie ferne das Erstere erreicht wurde, das läßt sich wohl nicht bestimmt Nach-weisen. Es wurde zwar bis auf den kleinsten Knaben genaue Buchführung eingehalten,der Werth seiner Arbeit tarirt und eben so die Kosten seines Unterhalts verzeichnet.Aber bei dem Jneinandergreifen der verschiedenen Arbeitsgebiete und Lehrinstitute ist eswohl kaum möglich, zu einem klaren Resultat zu gelangen. Es muß jedoch angeführtwerden, daß Fellenberg die Ueberzeugung hatte, die Schule erhalte sich selbst, wobei ersich freilich, wie wir glauben, einer Illusion hingegeben hat. Die im I. 1816 im Vereinmit Linth-Escher gegründete Linthcolonie in Glarus gieng ebenfalls von diesem Grund-gedanken aus. Und vielleicht um den Beweis schlagender zu führen und ein reineresResultat zu erzielen, wurde im I. 1823 die kleine Colonie in Maykirch, in der Nähevon Hofwyl, gegründet. 11 Knaben und 1 Lehrer erhielten dort ein nicht ausgebautesHaus und ein Stück wüsten Feldes sammt den nöthigen Vorschüssen. Die kleine Wirth-schaft, freilich von edlen Menschenfreunden und wohl auch von der Muttercolonie viel-fach unterstützt, gedieh und kam zu Kräften. Das Gütchen konnte angeblich seine Ver-bindlichkeit decken und zuletzt zu einem lohnenden Preis verkauft werden (Hamm, Fellen-bergs Leben rc. S. 24). Aber man hat auch hier in die Rechnungsführung doch keinen