Druckschrift 
2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
Seite
418
Einzelbild herunterladen
 

418

Fclbiger. Fellenberg.

Grundsätze für Erziehung und Unterricht" 1786) und für neue tiefgreifende RegungenRaum schaffte (v. Rochow, Gründung seiner Dorfschule 1773. Basedows Philanthropin,1774), jene in dem von dem nationalen Leben und freier geistigen Regsamkeit sich ab-schließenden Oesterreich zu einem wahrhaft traurigen, starren, allen Geist tödtenden Systemsich verhärtete. Welche Warnung liegt aber darin für jede ihre natürlichen Grenzenverkennende Staats- oder Kirchenpädagogik! Eisenlohr st.

Fellenberg (Philipp E Manuel von F.). Literatur: Allgemeine Zeitung von1844, 9tr. 332. Beilage. Ohne Zweifel von demselben Verfasser: Fellenbergs Lebenund Wirken von W. Hamm. Bern 1845. Diese Schrift giebt auch ein Verzeichnis dervon und über Fellenberg und seine Anstalten erschienenen Aufsätze und Schriften, welchesaber ebenso unvollständig ist, wie die eben daselbst enthaltene Aufzählung der nam-hafteren Männer, welche an Fellenbergs Anstalten wirkten. Neuer Nekrolog der Deutschen,1844. 2. S. 746 753. Der historische Theil des Artikels ist fast wörtlich gleich-lautend mit den angeführten Aufsätzen von W. Hamm, der kritische Theil aber, selb-ständig bearbeitet, enthält sehr richtige Urtheile.

Emanuel von Fellenberg war in dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts ein inallen Ländern der Erde, die-von christlicher Civilisation berührt sind, berühmter undgefeierter Name. Er verkehrte mündlich und schriftlich mit den ausgezeichnetsten Zeit-genossen, unter welchen es genügen wird, neben vielen gekrönten Häuptern die Nameneines W- v. Humboldt, Goethe, Fichte, Sio^ss, ^.bbo kroZoirs, Oaxo ä'Istria, Kosziuszko,Lord Brougham, Montgelas, von Gagern zu nennen. Sein Briefwechsel, welcher ohneZweifel in den Händen seiner Familie ist, muß unter den Correspondenten mit wenigenAusnahmen die hervorragendsten Namen auf dem Gebiete der neuesten Cultnrgeschichteenthalten. Seinen Ruhm verdankt Fellenberg seinen landwirthschaftlichen und päda-gogischen Bestrebungen, insbesondere dem von ihm zuerst praktisch durchgeführten Ge-danken, die Volksbildung und Volkserziehung in eine fruchtbare Verbindung mit demLandbau zu bringen.

Schon Fellenbergs Abstammung und Erziehung waren geeignet, in ihm hohe Ge-danken und ideale Strebungen zu erwecken. Geboren (27. Juni 1771) im Schoße einerwohlhabenden altbernischen Patricierfamilie, von mütterlicher Seite ein directer Nach-komme des holländischen Admirals Tromp, verlebte er seine ersten Jahre unter denAugen eines wissenschaftlich gebildeten, ernsten und liebevollen Vaters, welcher eine hoheStellung in der Gesellschaft einnahm, und einer zärtlichen, frommen und aufopferndenMutter, welche durch Erzählungen von den Großthaten ihrer Ahnen des Knaben hoch-strebenden Sinn befeuerte. Später genoß er den Unterricht Renggers, des nach-maligen Cultministers der helvetischen Republik, und verweilte auch einige Zeit in demInstitute des bekannten Dichters Pfeffel in Colmar. Bereits an diese Zeit aber knüpftensich Erinnerungen, welche bestimmend auf die spätere Richtung des Mannes einwirkten.Häufige Besuche Pestalozzi's im elterlichen Hause flößten ihm frühe eine große Achtungvor dem Streben dieses Mannes ein. Eine Rede, welche sein Vater im Jahre 1786über die Nothwendigkeit einer Verbesserung der Nationalerziehung in seiner Eigenschaftals Präsident der helvetischen Gesellschaft hielt, machte einen solchen Eindruck auf ihn,daß er auf einmal die Bedeutung des Unterrichts und der Erziehung erfaßte und vonnun an diesem Gegenstand seine ganze Aufmerksamkeit zuwandte. Nimmt man hinzu,daß seine Entwicklung in ziemlich freier Weise vor sich gehen konnte, so daß er gegenscholastische Pedanterie und gewissenlose Bequemlichkeit seiner Lehrer sich offen auflehnte,daß er frühe durch Pestalozzi, durch seinen Vater und seine Mutter auf die Zuständedes Volks aufmerksam gemacht, abstracten wissenschaftlichen Studien weniger Geschmackabzugewinnen wußte, während er auf vieljährigen Reisen in seinem Vaterland die Ar-beit, die Mühe, den Druck und die Verwahrlosung des Volks kennen lernte, daß er vonAnfang an seine eigenen Wege gieng, sich selbst von der Gesellschaft seiner Alters- undStandesgenossen znrückzog, deren Genüsse und Freuden mied, sich auch erlaubte Ver-gnügungen versagte und auf die nothwendigsten Bedürfnisse sich beschränkte, so findet man