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Felbiger.
richt zu steuern, auf einem Umweg demselben Nebel förmlich in die Hände arbeitete,welche überhaupt einen drückenden Lehrmechanismus begründete, von unserem Stand-punkt aus vielfach zu lächeln versucht sein. Aber wir sollen darüber nicht vergessen,wie wohlfeile Kunst es wäre, auf die schweren Mühen der ersten Pionniere auf demnoch so rauhen und brachliegenden Feld der Volksschulbildung herabzusehen, und wieselbst unsere fortgeschrittene Pädagogik fortwährend — wenn auch in anderer nur ver-hüllterer Gestalt — mit denselben Uebeln zu kämpfen hat. Zugleich dürfen wir diewirklich bedeutenden Förderungen nicht verkennen, welche gegenüber dem förmlich unbehol-fenen und chaotischen Zustand der früheren Schulmethodik, von dem man sich kaum zuniedrige Vorstellungen bilden kann, der Volksunterricht durch Felbiger empfieng. Mandenke an die ersten Anfänge des Zusammenunterrichtens und des Classen-Eintheilens,wobei zugleich zu erwähnen ist, daß auch auf dem Felde des Lese- und Schreibunterrichts(Aufführung der Buchstaben nicht nach der gewöhnlich alphabetischen, sondern nach dergenealogischen Ordnung; Analyse der Buchstaben mit Hülfe der Wandtafel; richtigeHaltung der Kinder beim Schreiben) wirklich wesentliche Fortschritte durch ihn angeregtund ins Leben eingeführt wurden. — Sehr charakteristisch für Zeit und Persönlichkeitist die Thätigkeit Felbigers in dem Gebiete des volksmäßigen Religionsunterrichtes,welchem drei von ihm auf der Grundlage des Canisius'schen Katechismus ausgearbeiteteKatechismen (aus dem Jahre 1766) dienen sollten. Der erste für die kleinen Kinderbestimmt, nur 1 Bogen stark, bestand bloß aus kurzen Sätzen, ohne Fragen und Ant-wort; er „gehörte bloß vor das Gedächtnis" und war „in der Schule wörtlich aus-wendig zu lernen mit einer Tabelle, nicht zu erklären." Im zweiten für Kinder von7 bis 16 Jahren „ist vor den Verstand gesorget. Er enthält mehr Sätze und Er-läuterungen in Frag und Antwort. Auch dieser wird auswendig gelernt, allein stets mit! Erklärungen, daß Kinder von allem Begriffe bekommen. Der dritte ist sehr ausführlich,ohne Frag und Antworten. Dieser enthält noch mehr und weitläufigere Erklärungender Glaubenslehren und Lebenspflichten, die Beweisstellen aus der heiligenSchrift, und Ermahnungen nebst rührenden Beweggründen zur Ausübung der Reli-gion. Sein Zweck ist, daß die älteren Kinder von den Lehren überzeugt und ihrWille bewegt werde.' Wir sehen, die Grundfehler der Felbiger'schen Methode wieder-hole» sich auch auf diesem Gebiete. Was aber den Inhalt der Katechismen betrifft, soist derselbe bezeichnet durch eine vorherrschend moralisch-praktische Haltung, eine möglichstekonfessionelle Weitherzigkeit, und den Versuch einer biblischen Begründung, wie dennFelbiger auch eine Ausgabe der 4 Evangelien und sonntäglichen Perikopen in einerdeutschen Uebersetzung in seinen Schulen einführte! — So sprach sich in den Bestre-bungen Felbigers, im Gegensatz zu der bisher gepflegten mönchisch und jesuitisch-hierar-chischen Cultur, wenn auch vielfach auf eine einseitige Weise, „doch jener echte Geistdes Christenthums aus, der anstatt an die Verherrlichung der Auctorität des Papst-thums und der Hierarchie der äußern Kircheninstitute zu denken, sich auf das zu richtensuchte, was dem christlichen Volke Noth that, damit es christlich und gottselig erzogenwerde" (Heppe a. a. O. S. 98). Und in diesem Streben lag die tiefere sittliche Be-deutung der echt volksthümlichen Thätigkeit Felbigers, die wir ob seinen unbeholfenenmethodischen Versuchen nicht übersehen dürfen, und die in vielen warmen Aeußerungenchristlicher Humanität hervortritt.
Bald sollte sich jedoch für Felbiger ein noch viel größerer Wirkungskreis eröffnen.Auch in dem benachbarten Oesterreich unter Maria Theresia war eine neue Zeit er-schienen. Die Erschütterungen des österreichischen Staats im österreichischen Erbfolge-krieg und dem 7jährigen Krieg hatten hier das rege Bedürfnis gänzlicher Veränderungenin der Staatsverwaltung, der Vermehrung und Stärkung der materiellen Staatskräfteund im Gegensatz zu der früheren Vernachläßigung der Volkszustände ein eifriges Streben,die unteren Volksclassen geistig und sittlich zu heben, hervorgerufen. Das Vorbild despreußischen Staats und insbesondere die Thätigkeit auf dem Felde der Volksbildung indem benachbarten Schlesien erregten Aufsehen. Der Einfluß der Jesuiten war allmählich