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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Familie, Familiengeist, Familiensinn.

zeigen und üben den richtigen Takt in der gegenseitigen Beurtheikung und werden, weilman in solchem Kreise nicht eben aufs Schmeicheln auszugehen Pflegt, oft ein ganz gutesMittel zur Selbsterkenntnis. (Wenn z. B. in demtöchterreichen Pfarrhaus" bei FrauWildermuth, Bilder und Geschichten I. S. 239 ff. eine Schwester bei den übrigendie Prinzessin, eine andre der Büchergeyer heißt, so sind das Titel, gegen deren GebrauchVater und Mutter nichts einzuwenden haben, so wenig sie auch selber solche Namenschöpfen dürfen.) Selbst wenn eines der Geschwister der Liebling der andern ist, so istdas nicht vom Uebel, während es einer der größten Fehler wäre, wenn die Eltern selbstsolch einen Liebling sich aus ihren Kindern ausläsen; huldigen die Geschwister freiwilligeinem aus ihrer Mitte, so ist diese Huldigung gewiß eine verdiente und ehrt beide Theile;wurde aber etwa eine gefeierte Schwester sich dadurch zu herrischem Benehmen gegen dieandern verleiten lassen, so würde in demselben Augenblick auch die Huldigung zu Endesein und falls nicht jener große Fehler von den Eltern gemacht ist man würdeseitens der Geschwister saus xllraso reden. Wichtig sind ferner alle Familienfeste für denZweck, den wir hier im Auge haben; obenan Weihnachten, das sowohl durch die Freudedes Empfangens, die die Herzen öffnet, als durch die Geschenke, die sich die Geschwistergegenseitig machen, der Liebe Impuls und Nahrung giebt; ferner die Geburtstage beiderEltern und jedes Kindes. Ob die Feier dieser letztem eine mehr oder weniger solenneist, hängt vom Gcschmacke der Eltern ab; was z. B. der eine Mann als Aufmerksam-keit von seiner Frau an seinem Geburtstag erwartet, das könnte einem andern sehr lästigsein; vollends mit einem Carmen jedesmal aufzuwarten, wäre ebensowenig eines jedenLiebhaberei, als selbst besungen oder angesungen zu werden. Aber was ein jedes wirklicherstellt, das soll ihm in der Ehe das andre, auch wenn es dessen nicht gewohnt war,nicht versagen; in jedem Fall dürfen solche Tage nicht ignorirt werden; ob der Kindernoch so viele sind, die Feier der Geburtstage ist jedem ein Zeichen, daß sein Leben, seinePerson etwas werth ist im Kreise der Familie. In obige Reihe fallen aber weiter alleTauftage und Consirmationstage es gehört ja das wesentlich zum Schönen undSegensvollen aller solcher kirchlichen Handlungen, namentlich auch der Abendmahlsfeier,daß sie zugleich die edelsten Familienfeste sind; wie kann selbst die Vorbereitung zurCominunion, wie kann das Bekennen der Sünde und der Vorsatz zum Fleiß und Ernstin der Heiligung dadurch so viel concrete Wahrheit und Lebendigst gewinnen, daß allesdies speciell auf das Leben in der Familie bezogen, aus diesem das Detail genommenwird! Zu den Dingen, durch welche gerade die Familie ihren sittlichen Einfluß ausübt,rechnen wir besonders auch kleinere oder größere Ausflüge, die gemeinsam gemacht wer-den. Gerade das Herausgehobensein aus dem Einerlei des täglichen Lebens, der gemein-same Genuß des Neuen, der ohnehin dadurch so sehr erhöht wird, daß den Kindernunendlich vieles neu ist, sowie die gemeinsame Mühe das alles öffnet die Herzenungewöhnlich weit gegen einander, und die Erinnerung bildet einen Lichtpunct auf langeZeit. (Es versteht sich, daß zu einein wirklichen Reisegenuß die Kinder nicht zu jungsein dürfen; aber wer immer darum allein reisen will, um sich nicht auch unterwegsnoch mit Kindern plagen zu müßen, der ist ein Egoist.) In diese Kategorie des gemein-samen Genusses bei gemeinsamer Leistung setzen wir auch noch eine Specialität, die inmusikalischen Familien sich findet und da leicht ins Werk zu setzen ist: nämlich Familien-concerte, die lediglich darin bestehen, daß was jedes Kind gelernt hat von Zeit zu Zeitvor einem kleinen Kreis von Hausfreunden, die mit der Familie verwachsen sind, pro-ducirt wird und die sämmtlichen musikalischen Kräfte, über die die Familie zu verfügenhat, in Trio's, Quartetten, überhaupt Ensemblestücken singend und spielend Zusammen-wirken. Man legt in unfern Tagen mit Recht im Gegensätze zu der tollgewordenenGegcnwarts- und Zukunftsmusik wieder hohen Werth auf die Hausmusik; auch diePädagogik muß sich der neuen, unglaublich wohlfeilen Ausgaben der alten Meister freuen,durch die dem Familienleben eine so kostbare Nahrungsquelle aufgethan ist. Was denAntheil betrifft, den die Dienstboten am Familienleben und dadurch auch an der Er-ziehung nehmen, so verspüren wir das hierüber zu Sagende auf den Art. Gesinde.