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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Exposition.

blicke und Reflexionen sind auf das gehörige Maß zu beschränken und dürften oft mindernothwendig sein, als man glaubt. Wenigstens fesselt den aufmerksamen und strebsamenSchüler rasches Voranschreiten am meisten an den Zusammenhang. Das Wichtigste ist,daß der Schriftsteller durch sich selbst, durch seine eigenen, möglichst ununterbrochenenGedankenreihen auf den Leser wirke, und hiezu ist wohl besonders dienlich, wenn derLehrer nach längeren Abschnitten eine gute (eigene oder fremde) Uebersetzung vor-liest. Ist die Uebersetzung musterhaft, was sie bei Musterhaftigkeit der Originale jeden-falls erstreben sollte, so trägt sie unleugbar dazu bei, auch ohne kleinliche Fingerzeigeden Eindruck des Ganzen möglichst zu reproduciren.

Wenn wir demgemäß hinsichtlich des Maßes von Erläuterungen, welche der Lehrerauf den höheren Gymnasialstufen geben darf, als leitenden Grundsatz aufstellen,daß im allgemeinen die Erklärung dasjenige gebe, was zum Verständnis der vorliegendenSchrift nothwendig ist, so beseitigen wir den Streit um statarische oder cursorischeLectüre. Der löbliche Grundsatz, gründlich zu verfahren, verbunden mit einer gewitzenschwerfälligen Beharrlichkeit, die nicht leicht von der Stelle kommt, endlich auch einegewiße Eitelkeit, mit Hintansetzung des Schriftstellers, den man erklären sollte, sich selbstin den Vordergrund zu stellen und von der eigenen Gelehrsamkeit der Jugend nichtsvorzuenthalten, alle diese Motive mochten zusammenwirken, um in der Lectüre und Er-klärung namentlich der alten Classiker eine Methode hervorzurusen und zu unterhalten,bei welcher von den Schriften der Classiker gewöhnlich nur sehr kleine Fragmente zurKenntnis der Schüler kamen. Eine natürliche Reaction gegen dieses statarische oderstagnirende Verfahren verlangte, viel und schnell zu lesen. Am entschiedensten hat diesVerlangen H. Köchly ausgesprochen:Die Sprache soll nur als das Mittel, dieSchriftsteller kennen zu lernen, betrachtet, und die Schriftsteller selbst sollen historischaufgefaßt werden; d. h. mittelst ihrer Schrift sollen wir sie selbst in ihrer ganzen Tota-lität, und daraus zugleich ihre Zeit-kennen lernen." *) Demgemäß verlangt

Köchly, daß die Grammatik in Tertia abgeschlossen, von den höheren Classenalle grammatischen und kritischen Erörterungen entfernt werden. Cursorische Lectüre sollbereits in Tertia beginnen und nach historischem Princip, mit Einleitungen, welche dieIndividualität des Schriftstellers, auch seine Schreibart charakterisiren, mit einer Ueber-sicht über den Inhalt der behandelten Schrift und Eingehen in dessen Idee durch dieoberen Classen fortgesetzt werden. Diesem Plane gemäß würde z. B. in einem Jahrmit 3 Stunden in der Woche nach einer Einleitung über die homerische Frage die Iliasund die Odyssee vollständig (in der Schule jedoch nach Lachmanns Theorie nur dasvorzugsweise Wichtige und Bedeutsame), in l'/s Jahren mit 3 Stunden von Cicero'sReden die pro Losoio ^.wroriwo, eine Vsrrina, xro Isgs Kgllitiu, die Os.ti1ius.rigs, proLsstio, xro Llilous, pro lÜAgrio, xro Lsjotg.ro, eine oder zwei Lllilixpioas **) gelesen. !Köchly's Grundsätze eignete sich der Dresdener Gymnasialverein an. Indessen daß diese jGrundsätze, welche die Fähigkeit von Knaben und Jünglingen großentheils überschätzen***), ! Inur zu dem andern Extrem, nämlich dahin führen würden, statt ein wirkliches, gedie- ^genes Verstehen der Schriften Oberflächlichkeit und ein Scheinwissen zu befördern, kanndem erfahrenen Schulmann nicht entgehen, s)

*) Ueber das Princip des Gymnasial-Unterrichts der Gegenwart 1845 § 12 S. 7. Zur Gym-nasialreform 1846 S. 65. Hier werdenbeiläufige grammatische Bemerkungen, welche beider Lectüre wirklich nothwendig Vorkommen müßen sie werden sich größtentheils auf syntak-tische oder sprachliche Eigenheiten des betreffenden Schriftstellers beziehen' für Secunda undPrima zugegeben. Vermischte Blätter zur Gymnasial-Reform, 1. und 2. Heft 1847. 48. Gegen-schriften und Recensionen, theilw. zustimmend und anerkennend, von Stallbaum, Ameis, Rauchenstein u.a.

**) Ueber das Princip Z 28. Z 30. Z 34; etwas modificirt: Verm. Blätter. 2. Heft S. 66 f.

***) Vergl. in dieser Hinsicht Mützells treffende Bemerkungen über den württemb. Entwurf.Ztschr. f. d. Gymn. Miss. 1848. 8. S. 628.

4) Etwas anders wird sich die Sache insgemein bei der Lectüre in den modernen Sprachendarstellen, insofern die in den Schulen gewöhnlich gelesenen Schriftsteller in sachlicher Beziehung,