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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Exposition.

Was dann die Thätigkeit des Lehrers betrifft, so liegt ihm ob, die Exposition zuleiten, zu berichtigen, die für den Schüler ersprießlichen Erläuterungen hinzuzufügen,endlich von dem exponirten Abschnitt eine möglichst musterhafte Uebersetzung zu geben.Jene Erläuterungen sind doppelter Art; sie sind entweder zum richtigen Erfassen desSinnes nothwendig, wobei wieder die absolute Schwierigkeit einer Stelle von der rela-tiven für einzelne Schüler unterschieden werden muß, oder sie schließen sich an den Lese-stoff und seine einzelnen Theile zweckmäßig an. Stellen und Abschnitte, die schlechthin,für alle Schüler unlösbare Schwierigkeiten darbieten, sollten von dem Lehrer, noch chedie Schüler an ihre Vorbereitung gehen, also etwa am Schluß der vorhergehendenStunde erläutert werden. Doch dürfte ein solcher Fall wohl höchst selten eintreten.Was dagegen nur für einzelne oder auch mehrere schwierig und unlösbar scheint, solltezunächst dem eigenen Nachdenken der Schüler überlassen werden, indem sich der Lehrernur etwa, wo dies möglich ist (wie in Alumnaten, in den württembergischen Seminarenoder in Privatinstituten), den Schülern, welche für sich eine Schwierigkeit zu lösen nichtvermögen, zu einer angemessenen Nachhülfe erbietet.

Wenn sich ungeachtet dieser vor und bei der Präparation gewährten Hülfe wäh-rend des Exponirens Schwierigkeiten, Uebersetzungsfehler u. dergl., wie es wohl nichtanders zu erwarten ist, ergeben, so wird der Lehrer je nach Umständen die Berichtigungentweder sofort, oder wo eine ausführliche Erörterung nothwendig wird, nach Beendigungder Exposition des Satzes vornehmen. Die Jrrthümer, die hiebei zum Vorschein kommen,liegen sie nun in ungenauem und irrigem Verständnis der Sprache, oder in mangelhafterKenntnis des Sachlichen, geben dem Lehrer eine natürliche und dringende Veranlassungzu grammatischen und sachlichen Erklärungen. Es fragt sich, ob die Erklärung dieseGrenze überschreiten und außer den durch mangelhaftes Verständnis und Uebersetzennothwendig gewordenen Erläuterungen, je nachdem der Lesestoff dazu Veranlassung dar-bictet, noch weitere, die Sprache oder die Sache betreffende Anmerkungen beifügen darfund soll? Es hängt damit die Frage über statarische und cursorische Lectüre zu-sammen. Wir müßen aber hier, um eine in der Natur der Sache begründete und prak-tische Entscheidung zu treffen, eine doppelte Stufe unterscheiden, wenn auch nicht durcheine feste Kluft trennen. *)

Offenbar ist bei Erlernung einer fremden Sprache der erste und nächste Zweck ebendie Erlernung der Sprache selbst; ein weiterer und höherer reiht sich erst daran an:Kenntnis der fremden Literatur. Auf jener ersten Stufe darf und muß der Exposi-tionsstoff als Mittel behandelt werden, die lexikalische und grammatische Kenntnis derSprache zu befestigen und zu erweitern. Der Lehrer wird und muß wissen, was dasBedürfnis seiner Schüler erheischt, und diesem Bedürfnis wird der vorliegende Stoffin mannigfacher Weise zu Einprägung von Wörtern mit ihrer Bedeutung, von Formenund Regeln dienen. Darum kann auch für diese Stufe nur überhaupt ein Lesestoff ausmustergültigen Schriftstellern vorgeschrieben werden, ob aber je nur ein Schriftstelleroder eine Chrestomathie gelesen wird, ist für diese Stufe gleichgültig.

Nach hinlänglich erreichter Sprachkenntnis (die aber natürlich auch auf höhererStufe sich erweitern muß) wird für ein reiferes Alter Einführung in die Literatur, d. i.in die bedeutendsten und am meisten charakteristischen Erscheinungen derselben, soweit sieinnerhalb des Gesichtskreises und der Fassungskraft der Jugend liegen, Zweck und Ziel.Um aber von dem Zusammenhang, dem Charakter und Ton einer Schrift einen un-mittelbaren, lebendigen Eindruck zu erhalten, ist möglichst rasches Fortschreiten noth-wendige Bedingung. Hier den Text nur als Gelegenheit zu grammatischen oder ge-schichtlichen Excursen und Erklärungen behandeln, die Hauptsache zur Nebensache machenzu wollen, hieße Zweck dieser Lectüre und Aufgabe der höheren Gymnasialstufe verkennenund den Schülern die elastischen Werke entleiden, die sonst sie fesseln und begeisternkönnten. Selbst ausführliche Darlegung des Gedankenzusammenhangs, ästhetische Ueber-

*) Vergl. Thaulow, Die Gymnasial-Pädagogik, Z 469. S. 152.Pädag. Emyklopädie II. 2 . Aufl.

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