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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Ethik.

liegt und worin sich die Tugend an den Tag legt. Aber wie von diesen Gütern vielegar nicht durch unsre eigne Thätigkeit zu Stande kommen (wie Leben und Gesundheit),wie ferner auch die Formen der Gemeinschaft, (wie Familie, Staat, Kirche) nur dannein Gut für mich sind, wenn ich eine Gabe Gottes in ihnen genieße: so vollends istweder der Staat noch die Kirche noch die Totalität aller sittlichen Thätigkeit und allerihrer Resultate das höchste Gut, sondern dies ist allein Gott; von ihm bekennt derPsalmist:wenn ich nur dich habe, frage ich nichts nach Himmel und Erden;" ihn be-singt der christliche Dichter (Tersteegen) als dasallgenugsame Wesen, das ich Hab er-lesen mir zum höchsten Gut." (Wie sich dies im christlichen Begriffe der Seligkeitentfaltet, dies ist sorgfältiger als sonstwo von JägerGrundbegriffe der christl. Sitten-lehre' <2. 103 ff. auseinandergesetzt.) Es ist auch hier klar, wie wichtig die genaueBestimmung der ethischen Principien für die Pädagogik ist. Wo der persönliche Gott,wie er in Christo offenbar geworden, also Gott in Christus nicht als höchstes Gut er-kannt wird, da kann auch die Erziehung kein höheres Ziel sich stecken, als etwa: daßder Zögling dereinst in Staat oder Kirche eine Stellung gewinne, wo er an den dieseGemeinschaften constituirenden Thätigkeiten activen Antheil nehmen kann.

3) Dies führt uns noch auf einen letzten Punct. Wie Hegel die wahre, objectiveSittlichkeit im Staat zu finden meinte, so ist es unter den theologischen Ethikern übsichgeworden, die Kirche in der Ethik ganz überwiegend zu betonen; bei Schleiermacher istja das sittliche Handeln, wie es die christliche Ethik zu beschreiben hat, wesentlich nurdas Handeln in der Kirche. So haben auch bei den neueren Ethikern der Staat, dasRechtsgebiet, die Geselligkeit als sittliche Potenzen eine bedeutende Stelle im Systemgefunden. Das sticht sehr ab gegenüber der alten Lehre von den christlichen Lebens-pflichten, die, wie die Auslegung des Dekalogs, immer nur den Einzelnen als das ver-pflichtete Subject ins Auge gefaßt hat. Die Ethik hat unzweifelhaft daran einen Ge- Iwinn gemacht; nicht nur hat sie von der Kirche zu reden als der Bewahrerin und un- »ermüdeten Verkündigerin des Gotteswortes, das dem Menschen stets das sittliche Urbild Vvor Augen hält (vgl. Jäger a. a. O. S. 72 f.), sondern unter den christlichen Lebens-pflichten muß speciell eine Reihe derselben Vorkommen, deren Object die Kirche selbst ist Kindespflichten, die wir alle gegen sie als unsre geistliche Mutter haben. Ja, wirgeben nicht nur zu, daß sich (wie wir in den angeführten Werken von Chalybäus undFichte sehen) unter geschickter Hand die sämmtlichen Tugenden an die Gemeinschasts- ^formen der Familie, der Kirche, des Staates (denen sich bei Fichte II. 2. ß 162173 .noch einOrganismus der humanen Gemeinschaft", für Kunst, Wissenschaft, Culturund Freundschaft beigesellt) anschließen, sondern daß in den öffentlichen Institutionenüberhaupt eine reelle Sittlichkeit niedergelegt ist, die sich, unabhängig von der Ge-sinnungs- und Handlungsweise der Einzelnen, darin verkörpert und sixirt hat. Alleinüber dieser Warnehmung hat man allzusehr vergessen, daß (wie dies Jäger a. a. O.Einleitung Z 1. S. 1 f. richtig hervorhebt) der Hauptgegenstand der Ethik nur das >Individuum ist; ganz genau, wie die Pädagogik nicht ins große arbeitet, sondern den Neinzelnen Menschen als ihr Object betrachtet, hat die Ethik ihn als dasjenige Wesen znbehandeln, in dessen Persönlichkeit das christliche Leben zur Vollendung kommen und ein LReich Gottes werden soll. Christus stiftet nicht irgend welche politische oder kirchliche ^Institute, sondern macht sich lediglick mit Personen zu schaffen; die Schrift kennt keinePflichten des Staates, sondern der Richter, der Obrigkeiten und Unterthanen; sie kenntnur da sittliche Gebote, wo auch Verantwortung ist, verantworten aber können sich bloßdie Individuen; für sie allein ist eine künftige Verklärung verheißen, das Institut derKirche mit Regiment und Gesetzen wird ebensogut ein Ende haben, wie das Institutdes Staates, nur die Personen werden bleiben und die Gemeinschaft der Liebe (1 Kor. >13, 13), eine Gemeinschaft, zu deren künftiger Constituirung, d. h. himmlischer Voll- >endung die irdischen Organisationen, also namentlich die der Kirche, keineswegs in dem- »selben nothwendigen Verhältnisse stehen, in welchem dazu das sittliche Leben und Wachs- Wthum der Einzelnen steht. Darum sind auch alle jene Gemeinschaftsformen für die D