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Erziehungsprincipien.
ist das, was wir hier im Auge haben, meist in der Form ausgesprochen, daß gesagtwird, welche Eigenschaften der Erzieher persönlich haben und wie er seinen Beruf, wie erseine Arbeit und deren Erfolg ansehen mäße? Nur bei Pestalozzi ist die Frage selbst mitaller Schärfe herausgetreten, aber in einer Weise von ihm beantwortet, in der wir einalso eben einen Jrrthum im Princip erkennen. Bekanntlich (s. d. Art.Pestalozzi) hatte er den Aberglauben, seine Methode, und zwar nicht bloß als Art desUnterrichts, sondern als Methode der Erziehung im vollen Umfange, wirke unfehlbar;mit derselben Sicherheit, wie eine Maschine auf das ihr hingegebene Material wirkeund ihm die verlangte Form gebe, werde und müße auch die Methode ihre Resultateerzielen. Und wie bei einer Maschine auf die persönliche Qualität dessen, der sie inBewegung setzt, lediglich nichts ankommt, ausgenommen das Eine, daß er den Hand-griff versteht, durch den sie in Bewegung zu setzen ist: so sollte auch von der persön-lichen, sittlichen und intellectuellen Qualität des Erziehers der Erfolg nicht im mindesten
abhängen, wofern er nur den Mechanismus der Methode recht eingeübt hätte, d. h. das
Lehrbuch und die Reihen von Uebungen, die es vorschreibt, zu handhaben wüßte. Inwelchen Widerspruch mit sich selbst Pestalozzi sich hiedurch setzte, wie sehr er gerade das,womit er persönlich seine Erfolge errang, in seiner Theorie ignorirte oder leugnete,haben wir hier nicht auseinanderzusetzen; wir stellen dem bloß gegenüber, daß princi-piell 1) keine Methode als eine in obigem Sinn unfehlbare anerkannt, daß 2) jederErfolg als eine Gabe Gottes (Herbart hat gesagt: als ein Ereignis) dankbar hin-genommen wird nach 1 Kor. 3, 6; und daß 3) was der menschliche Erzieher dazu ihmmuß, um seinerseits keine Verantwortung zu haben (vergl. Ap.-G. 20, 26), jene Ein-heit von treuer Liebe und Einsicht ist, die wir Weisheit nennen; diese macht den Er- «ziehen zu dem, was er sein soll, zu einem Werkzeuge, durch welches der Herr selbstwirkt, durch welches der Erlöser seine Erlösung dem einzelnen Menschenkind zu eigenmacht, d. h. dasselbe erzieht. — Das ganze Erziehungswerk damit zu beginnen, daßman bekennt, wir können keine Bürgschaft leisten (mit unsrer Macht ist nichts gethan!),aber auch, daß man alle Kraft des Geistes und Willens aufbietet, um an der edlen 'Pflanze nichts zu versäumen, daß sie seiner Zeit reiche Früchte bringe, um vielmehr im !Namen und in der Kraft Christi zu wirken, so lange es Tag ist, — das ist auch ein ^Princip, dessen dominirende Bedeutung im ganzen System wie in der Praxis auch beisolchen zu erkennen ist, die nicht daran denken, auch in diesem Puncte ein Princip aus-drücklich aufzustellen. (Das sud 6. kurz Gesagte ist weiter entwickelt in des Unterzeich-neten Evang. Pädagogik. 4. Aust. S. 153—183.) Palmer ff.
Erziehnngstalent, Takt. Vor allem anderen darf hier, als durch den Sprach-gebrauch festgestellt, angenommen werden, daß, sobald beide einem Menschen zugeschriebenwerden, Talent jederzeit eine natürliche Anlage, Takt dagegen eine, zwar aufnatürlicher Anlage beruhende, aber zugleich durch Uebung erworbene Fertigkeitbezeichnet.
Talent nämlich, eigentlich die Wage, dann das Gewicht und endlich
das dem Menschen durch höhere Macht beschiedene Theil, das geistige Pfund, womit erwuchern soll,*) bezeichnet die besonders kräftige geistige Anlage für irgend ein, oderauchfür mehrere Gebiete menschlicher Thätigkeit: durch die Nebenbegriffe des Geistigen, be-sonders Kräftigen und der specifischen Begabung für bestimmte Gebiete unterscheidet sichder Begriff des Talentes von dem allgemeineren der Anlage (vgl. d. Art. I. S. 127).Nach den Hauptgebieten geistiger Thätigkeit kann man unterscheiden: Talente der Er-kenntnis, welche zur Erforschung des Wahren, ästhetische Talente, welche zur Darstellungdes Schönen in der Kunst, und praktische Talente, welche zur Verwirklichung des Gutenim Leben berufen sind. Offenbar liegt das Erziehungstalent im Bereich der prak-tischen Talente; die bloß wissenschaftliche oder künstlerische Begabung reichen dazu
*) Matth. 15, 14—30. Unser Begriff von Talent, als der geistigen Anlage, geht offenbarvon diesem biblischen Gebrauche aus.