347
Erziehungsanstalten.
16 ) mit seiner Meinung, Hausvater zu sein, vielfach auf eine Selbsttäuschung hinaus.Er soll Hausvater sein und er muß seine Kinder als Masse behandeln; „welcherVater behandelt aber seine Kinder als Eine Masse?" und dem Rector wird vonallen Seiten dreinregiert, von Lehrern, Eltern, Zöglingen rc. — Je nun, die Vereini-gung hat ihre Schwierigkeiten, wie jedes Scepters Führung; aber wo der Mann mitdem Scepter glaubt und versteht'- was Matth. 20 , 25—28 geschrieben steht, da hates doch mit der Collision der beiden Scepter keine so große Gefahr. Und was dasMassenregiment betrifft, so behandelt freilich kein Vater seine Kinder als Masse,— weil sie das nicht sind. Könnten sie das sein, wären sie das, er würde und müßtees thun, so gewiß als ein Anstaltsdirector es thut (onw ^rano snlis natürlich!), unddann sicherlich nicht zum Schaden derselben. Man darf eine Familie nicht als Masseund eine Masse nicht als Familie behandeln. Jedem das Seine. Der Richter AbdonMcht. 12 , 13 . 14 ) hatte 40 Söhne und 30 Neffen, die auf 70 Eselsfüllen ritten; dawird es auch in der Familie nicht ohne' einiges Massenregiment abgegangen sein-Schreiber dieses kennt das Kreuz, zu dem jene beiden Scepter sich oft gestalten; aberKreuz ist (nach Hamann) auch ein Stern, nur ohne Strahlen, und leuchtet doch man-chem zum Leben. Wohl ist ein Jnstitutsdirector ein „Tag und Nacht geplagter Mann";aber „Ubi orms ibi 80HII8," steht an einer Nürnberger Uhr.
„Aber die Lehrer, die Gehülfen im Erziehamte! Sind sie nicht in Erziehungs-anstalten meist junge Männer? Kann bei ihrem Mangel an Erfahrung, wie er häufigist, kann bei ihrem häufigen Wechsel etwas gediegenes herauskommend" — Es istwahr, sie sind meist junge Männer, die häufig in der Anstalt erst ihre Lehr- und Er-ziehschule machen, und das Verlangen nach festem Amt und eigenem Heerde ruft siehäufig nach wenigen Jahren wieder ab. Aber gegenüber dem Mangel an Erfahrung,Uebung und Reife steht bei ihnen die frische Liebe zu dem in der Regel doch freiwilliggewählten Berufe, der noch ungebeugte Muth, und wenn nur das conservative Elementaußer durch den Director auch durch einige ständigere Lehrer, durch regelmäßige öftereConferenzen des Lehrercollegiums rc. vertreten, und so eine feste Tradition gewahrt istso dürfte es für einen fähigen und willigen jungen Mann von wissenschaftlicher Bil-dung nicht so schwer sein, in kurzer Zeit sich zurecht zu finden. Die Arbeit in undaußer den Lehrstunden ist freilich für den gewissenhaften Lehrer keine geringe; aber da-für bieten auch einige an einer guten Erziehungsanstalt verlebte Jahre eine Gelegenheitzu Lebenserfahrungen und eine Uebung in Kräften und Tugenden, die für den praktischenBeruf der späteren Zeit leicht mehr austragen dürften, als ein ruhiges Sitzen auf derStudirstube, und es dürfte das kein geringer nebenbeilaufender Dienst sein, den diePrivaterziehungsanstalten mittelbar der Kirche und Schule leisten, daß sie so Uebungs-stätten und Seminare für künftige Prediger, Seelsorger und öffentliche Lehrer werden. —Was aber den viel berufenen häufigen Wechsel der Lehrer betrifft, so ist dieser beieiner soliden Anstalt nicht einmal so häufig, als man meint. Er ist aber überhaupt ansich kein so großes Uebel, als gewöhnlich angenommen wird, wenigstens kein größeresals deren Unveränderlichkeit. Manchem Schüler wäre durch einen Lehrerwechsel geholfengewesen, während er bei dem ungeliebten, ungeachteten, ihm irgendwie widrig gewordenenLehrer, dergleichen in Privatinstituten leichter zu entfernen sind, als an öffentlichenSchulen, erstarrte und verkam. Es ist an sich nicht hinderlich, sondern eher förderlichfür die Bildung von Geist und Charakter der männlichen Jugend, daß sie mehrseitigangesprochen werde und daß mancherlei Gaben auf sie wirken. Zudem beruht die Mei-nung, daß die Privatinstitute in dieser Beziehung den öffentlichen Anstalten gegenüberso gar sehr im Schatten stünden, auf einer optischen Täuschung. Die Lehrer an eineröffentlichen Schule sind stationär; aber die Schüler wechseln die Classen und wandeln,wie das freilich auch in der Privatanstalt vorkommt, von einem Lehrer zum andern.Man nehme nun die Sache ptolemäisch oder kopernikanisch, es geht ohne Lehrer-, resp.Schülcrwechsel nicht ab. Der Schüler eines vollständigen Württemberg. Gymnasiumsgenießt, Wenns gut geht, in 10 Jahren den Unterricht von 10 Hauptlehrern, die Neben-