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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.
stiges Leben überhaupt nicht denkbar ist. Wem zur Bestätigung dieser Sätze , der Er-fahrungsbeweis aus dem Beispiele von Kindern nicht genügt, deren natürlichen Ge-^ lüsten man nicht einmal durchaus, sondern nur in hohem Grade nachgegeben hat, derwerde verwiesen, nicht auf den Paragraphen eines Dogmatikers über die Erbsünde, son-! dern auf die Aussprüche zweier Philosophen. Hegel sagt (Werke XVIII. S. 29 — 60) :
^ „Der Mensch ist nicht von Natur, was er sein soll. — Der Naturzustand ist der
Stand der Roheit, Gewalt und Ungerechtigkeit. Er Pflegt häufig als ein vollkommenerZustand der Menschen geschildert zu werden, sowohl nach der Glückseligkeit, als nachder sittlichen Güte. Es ist aber zu bemerken, daß die Unschuld als solche keinen mora-lischen Werth hat, insofern sie Unwissenheit des Bösen ist und auf dem Mangel an
Bedürfnissen beruht, unter welchen Böses geschehen kann.-Ursprünglich folgt der
Mensch seinen natürlichen Neigungen ohne Ueberlegung oder mit noch einseitigen, schiefen' und unrichtigen, selbst unter der Herrschaft der Sinnlichkeit stehenden Reflexionen. In! diesem Zustande muß er gehorchen lernen, weil sein Wille noch nicht der vernünftige
ist- Durch das Gehorchen kommt das Negative zu Stande, daß er auf die sinnliche
Begierde Verzicht thun lernt, und nur durch diesen Gehorsam gelangt der Mensch zurSelbständigkeit." Oder wenn Hegel auch nicht unverdächtig ist, weil er vielleicht aufdas geschichtlich Gewordene größeren Werth zu legen scheint, als der Sinn für die.reine Natur" und ihre Forderungen gestattet, der höre das Wort des nüchternenKant (a. a. O. S. 442 u. 686): .Ob aber der Mensch nun von Natur moralischgut oder böse ist? Keines von beiden, denn er ist von Natur gar kein moralischesWesen; er wird dieses nur, wenn seine Vernunft sich bis zu den Begriffen der Pflicht
> und des Gesetzes erhebt. Man kann indessen sagen, daß er ursprünglich Anreize zu
! : allen Lastern in sich habe, denn er hat Neigungen und Jnstincte, die ihn anregen, ob ihn
gleich die Vernunft zum Gegentheile treibt."-„Der Mensch kann nur Mensch
> , werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm inacht. Es ist
zu bemerken, daß der Mensch nur durch Menschen erzogen wird, durch Menschen, dieebenfalls erzogen sind." Daß trotz solchen Auctoritäten, wie sie doch sonst auch die„vorurtheilsfreie Aufklärung" gelten zu lassen geneigt ist, und trotz der deutlich redendentäglichen Erfahrung die naturalistischen Anschauungen im Gepräge der Rousseau'schenü - Redensarten von der ursprünglich durchaus guten Natur des Kindes, die man nur sichI s selbst zu überlassen habe, unter Pädagogen immer noch als baare Münze cursircn, dasI j ist wieder nur bei der Jnconsequenz dieser Naturalisten möglich. Die consequente Durch-I H führung ihrer Principien würde sie sicher all absurckum führen, aber nach dem Vor-j j bilde ihres Meisters lassen sie die principiell hinausgejagte positive Einwirkung, denEinfluß der Gesellschaft und der in dieser wirkenden geistigen Mächte, ihnen selbst un-vermerkt, factisch wieder herein und polemisiren von einer Grundlage ans, welche durchdie von ihnen bestrittenen Einflüsse geschaffen ist und ihnen unter den Füßen schwindenwürde, wenn einmal mit ihren Principien Ernst gemacht würde. — Der Satz von derUnmöglichkeit, daß die sich selbst überlassene Natur des Menschen ihre Bestimmungerreiche, wird, erweitert, vertieft und bestimmter gefaßt, zu einer der Grundlehren desChristenthnms. Die Eigentümlichkeit des Christenthums concentrirt sich in dein Be-kenntnis zu Jesu von Nazareth als dem Erlöser, und dieses Bekenntnis schließtdas andere unmittelbar ein, daß der Mensch aus eigener Kraft nicht im Stande sei,zum richtigen Verhältnisse zu Gott sich zu erheben und daß er eben darum einesHeilandes bedürfe, der ihn erlöse und selig mache. Wenn nun die pädagogische Oppo-sition gegen positive Einwirkungen auf den Zögling überhaupt, insbesondere gegen denEinfluß des Christenthums sich wendet, sobald dieses mehr sein will, als eine dieEntwicklung des natürlichen Menschen durch ihre Lehren fördernde Vernunftreligion, undwenn sie sich dabei in Sätze kleidet, wie der von Die st er weg (Pädag. Jahrb. für1852 S. 239): „Wir wollen von keinem glücklich, wir wollen von keinem fromm
und selig gemacht werden. Wir verlangen nur, daß man uns dem tiefsten Bedürfnisunserer Natur gemäß an der freien Entwicklung nicht hindere. — — Der wird der
Aädag. Encnklopädie. II. 2 . Aufl. 22