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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Eigensinn. Eigcnthnmstricb.

Man soll zwar nicht jede Kundgebung des Eigensinns wie ein Verbrechen strafenwollen, denn oft ist's nur ein in körperlichen Zuständen — Beginn einer Krankheit,Zahnen u. dergl. — liegendes Unbehagen, was bei Jüngeren jenes obstinate Wesen zumAusbruch bringt, aber — erklärbar oder nicht — begünstigt darf es in keinem Fallewerden, denn je leichter man es dem Kinde macht, seinen Sinn — negativ oder positiv —durchzusetzen, je mehr gewöhnt es sich daran, im Nichtgehorchen oder im Begehren Ge-walt zu üben, es erobert im Gemüth des Erziehers eine Position um die andere, undhat er hier einmal sich verschanzt, so ist der Eigensinn nur noch mittelst stürmischerScenen zurückzutreiben.

Eigener Wille dient der Persönlichkeit zum Schutz, Eigensinn wird zur Trutzwaffe,die überall den Frieden zu stören bereit ist, andern zu leid und sich selbst schließlichauch zu Unlust und Schaden. Letzteres giebt sich zu empfinden, wenn der verhätschelteSinn hernach im Umgang mit anderen, also in der Schule, später im Beruf auf ähn-liche Gemüthsverfassungen stößt, wo es dann heißt: „man plagt und wird betrübt", oderwenn er mit den Mächten des geordneten Lebens in Collision tritt und den kürzerenzu ziehen lernen muß. Wie übel bewegt sich solch ein uniums ckMcäUs in der mensch-lichen Gesellschaft und wie mancher Reibung bedarf es, bis die Ecken abgeschlossen werden,welche der vernünftigen Einordnung Widerstand leisten.

Blinde Liebe hält den Eigensinn gern für Ansatz zum Charakter und freut sichseiner; aber im Eigensinn verpufft vielmehr der Wille seine Kraft, und scheust du dich,jetzt durch deinen Widerstand dein Kinde weh zu thun, so wird dieses in späteren Jahrendurch weit schmerzlichere Erfahrungen zu der Einsicht genöthigt werden, wie der Einzelnenur als Glied des Ganzen besteht und gedeiht. A. Hauber.

Elgcnthumstricb. Das Thier hat kein Eigenthum, denn Eigenthum ist nur da,wo ein Verhältnis von Person und Sache stattfindet der Art, daß durch letztere (dieSache) der Lebens- und Wirkungskreis der ersteren (der Person) gestützt, gehoben underweitert wird. Jeder Mensch, der als persönliches Wesen sich geltend machen, einefreie Selbstthätigkeit erringen will, muß auch nach Eigenthum streben; der Eigenthums-trieb ist daher tief in der menschlichen Natur begründet und nur eine von den ver-schiedenen Formen, wodurch diese sich als eine vernunftbegabte, zu persönlicher Würdeberufene, documentirt. Schon das unmündige Kind, sobald es seine Stimme, seineHände und Füße als sein Eigcnthum erkannt hat, gebraucht selbige nicht nur als Mittel,um seine Lebenslust zu äußern, sondern auch um seinen Willen durchzusetzcn und zucommandircn. Mit dem Eigcnthum wird zugleich ein Bewußtsein des Rechtes gegeben,nach freien: Belieben mit diesem Eigenthum schalten und walten zu können, und diesesRechtsbewußtsein entwickelt sich so zeitig, daß schon ganz kleine Kinder aufs tiefste ge-kränkt werden können, wenn man ihnen das, was sie eben erhalten haben und als ihrEigenthum betrachten, wieder entreißen will. Je mehr sie um sich blicken, desto mehrerkennen sie auch, wie die Personen ihrer Umgebung gewiße Sachen um sich und ansich haben, mit denen sie hantieren und allerlei Wirkungen Hervorbringen, die als At-tribute ihnen angehören, und sic fühlen das Unrecht, wenn man beides willkürlich odergewaltsam von einander trennt. „Ich sah ein kleines Mädchen von 1'/? Jahren", er-zählt Mad. Necker de Saussure, I/sckuosUcm proZrsssivs, Bd. 1. 3. Buch, „die weinte,wenn jemand auf der Promenade den Korb ihrer Bonne berührte. Eines Tages, dadasselbe Kind eine unbekannte Frau ein Kleid ihrer Mutter aus den: Hanse forttragensah, schrie es entsetzlich, und die gleiche Scene wiederholte sich an: folgenden Tag. Seit-dem war es immer unruhig beim Anblick von Fremden, und wenn diese mit leerenHänden fortgiengen, begleitete es sie mit einer Höflichkeit, die schlecht seine Freude ver-barg." Aber der Egoismus in der menschlichen Natur regt sich nicht minder früh-zeitig in dem Kinde und unterdrückt das Rechtsgefühl, so daß derselbe Knabe, der mitHand und Fuß sich wehrt und zornig dreinschlägt, wenn ein anderes Kind sein Spiel-zeug nehmen möchte, keinen Anstand nimmt, die Sachen seiner Geschwister oder Ge-spielen sich anzueignen, wenn's ihm möglich ist. Und dasselbe kleine Mädchen im eben