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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Ehrlichkeit.

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mögen dazu giebt, ehrenhaft; desgleichen handelt in Zeiten politischer Kämpfe derjenigeehrlich, der ans Mistrauen in seine Standhaftigkeit sich entfernt hält, derjenige aberehrenfest, wecher, einmal darein gestellt, standhaft und ohne Rücksicht auf eigenen Vortheiloder Nachtheil zu seiner Pflicht hält. Ehrlichkeit kann man von jedermann verlangen,sie ist Voraussetzung bei den täglichsten und allgemeinsten Beziehungen der Menschen zueinander; daß aber die Ehrlichkeit alltäglich mit Accent auftrete, das kann man wederverlangen noch wünschen, sondern sie soll als ein Habitus und selbstverständlich den ge-sellschaftlichen Beziehungen innewohncn, daher sie oben als gemüthliche Rechtschaffenheitbezeichnet wurde; denn die sittliche Luft, in der wir gesunden Athem schöpfen, hat zuGrundbestandtheilen neben der Liebe Treu und Glauben.

Sehen wir, was die Erziehung hiefnr thun kann und soll. Sie muß erstlichfür Wahrhaftigkeit des Zöglings, für seine Rechtschaffenheit im Reden sorgen.Das vornehmste Mittel dazu ist die Rechtschaffenheit und Wahrhaftigkeit des Erziehersselbst, daß Eltern, Lehrer lautere Menschen sind, damit die Kinder in solcher rcingehal-tenen Luft aufwachsen, und die natürliche Neigung des menschlichen Herzens zur Un-wahrheit (Tstt? keinen Vorschub durch diejenigen findet, an welchen

das Kind hinaufsieht, nach welchen es sich unbewußt bildet. Lügen wehren, Lügen strafenund selber lügen, heißt doppelte Anleitung zur Lüge geben, die eine durch Beispiel, dieandere durch die Anreizung zum gerechtfertigten Widerstand. Und man soll bedenken,wie empfindlich die Aufmerksamkeit der Kinder für die derartigen Verfehlungen ihrer Er-zieher ist; sie haben hierin einen noch nicht abgestumpften Geschmack, daher ihnen schondie conventiouellen Unredlichkeiten zum Anstoß gereichen, geschweige die tiefe Verletzung,wenn es für Vater oder Mutter roth werden muß, weil cs sieht, wie eins das anderehintergeht. Schon aus Selbstachtung hat man sich zu hüten, vor der unverdorbenenKindheit sich eine Blöße zu geben, und wer steht dem Erzieher dafür, ob nicht eine vonihm selbst nicht bedachte kleine Unredlichkeit als giftiger Fruchtkeim sich ins Herz desZöglings senkt? Nuxium Lsllstur piusro rsvsrsutiu. Man soll aber auch nicht zumLügen reizen; welches' geschieht durch übermäßige Strenge und tyrannische Bestrafungder Fehler. Es giebt Väter, welcke die Mutter sammt Kindern und Gesinde in einenVcrschwörungszustand des Verheimlichens und Vertuschens gegen sich versetzen, indem sieans ungezähmter Leidenschaftlichkeit oder austercm Wesen, oder wenn sie der Beruf er-müdet und verdrießlich gemacht hat, auch gegen geringe Verfehlungen toben und denStab Wehe schwingen. Aber den Vater hintergehen, nur damit das Kind nicht ge-züchtigt werde, ist mütterliche Thorheit, die sich bald schwer bestraft. Entschuldbar wirddas Verheimlichen gegenüber einem kranken Vater nur dann, wenn dafür die Mutterfür sich das Amt der Strenge übt. Auch das pedantische Wesen, welches vom Knabenschon männliche Haltung verlangt oder das kindliche Empfinden in den Model einesmoralischen oder religiösen Systems einzwängt, reizt zur Lüge: nicht minder das Liebenund Loben eines vorzeitigen Eingehens von Seiten des Kindes in die Ausdrucksweiseder Erwachsenen iiber Erfahrungen und Zustände des innern Lebens, als womit häufigkeine wirkliche Bewegung im Herzen, sondern nur die Ablagerung einer Kruste vonRedensarten um das Herz her sich verbindet. Religiöse Bildung ist himmelweit ver-schieden von der Uebung im Handhaben religiöser Kunstausdrücke. Wer nicht im Standeist, der Individualität seines Kindes Luft zu lassen, der trägt dies zur Strafe davon,statt eines Gottesgeschöpfes ein Scheinwesen nach seinem Sinn vor sich und hinter sei-nem Rücken eine entartete Wirklichkeit zu haben. Auf solchem Boden wachsen die Duck-mäuser. Langsamer ist der Weg, auf welchem man frei läßt und am frei sich Ent-faltenden bilden und heilen hilft, aber dabei gewinnt man zum Lohn ein aufrichtigesWesen, das nichts weiß von Heuchelei und Schmeichelei. Dies hinsichtlich der ein-geimpften oder aufgenöthigten Lügen, die der Erzieher verschuldet. Lügen aus Mnth-willen sind zu züchtigen, die aus Bosheit strenge zu strafen, gegen gewohnheitsmäßigesLügen bedarf es eines beharrlichen und energischen Heilverfahrens und soll hier nichtsübersehen noch geschenkt werden. Man beobachtet aber auch bisweilen, namentlich bei