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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Doppeluiitcrricht.

andern Abtheilnng vorzunchtnen gedenkt. Während daher die eine der Abtheilnngenden unmittelbaren Unterricht des Lehrers empfängt, hat die andere oder haben dieanderen (im ganzen oder in mehreren Unterabtheilnngen) stille für sich etwas zu lesen,zu repetiren, zu präpariren, zu memoriren oder eine schriftliche Aufgabe (Uebersetzung,Aufsatz re.) zu fertigen, oder endlich gruppenweise unter Aufsicht und Leitung eines aus-gestellten Mitschülers eine mündliche Uebung (halblaut) oder eine schriftliche (leise) vor-zuuehmen. Auch die Hauptabtheiluug, die der Lehrer unmittelbar unterrichtet, kann erentweder gemeinsam unterrichten und üben, oder er kann auch sie in Gruppen (Kreisen,Unterabtheilnngen) unter seiner specicllen Leitung mit Aufgaben beschäftigen. Erstereseignet sich vorzugsweise für den religiösen und historischen Stoff, auch Zeichnen, Singen,Lesen, letzteres vorzugsweise für den Unterricht in der Mathematik (Zahlen- und Naum-Größenlehre).

Was den vierten Punct, das Verhalten des Lehrers bei dem Doppel-unterrichte betrifft, so ist leicht zu erachten, daß dabei größere Ansprüche an die Ge-wandtheit, Umsicht und Energie des Lehrers gemacht werden, als bei dem einfachenUnterrichte einer ungethcilten Classe. Während er in letzterem Falle seine ungetheilteAufmerksamkeit der Classe zuwenden und seine Gedanken auf den zu behandelndenGegenstand concentriren kann und soll, so muß bei dem Unterrichte in Abtheilungenvon ihm gefordert werden, daß er seine Aufmerksamkeit zwischen beiden Abtheilungentheile, um die eine zu unterrichten, die Selbstthätigkeit und Ordnung der andern zuüberwachen. Während er zu der einen Abtheilung mit dem Munde spricht, muß er. zuder andern mit den Augen reden. Kurz seine Persönlichkeit muß beide Abtheilungenin beständiger reger Thätigkeit erhalten. Und dies ist nicht ganz leicht, wenn es demZwecke entsprechen soll. Denn in der Abtheilung, die sich mit einem stillen Pensumselbst zu beschäftigen hat, giebt es immer einige, denen mit dem Aufhören des unmittel-baren anregenden Einflusses des Lehrers auch die Lust und Kraft zum Lernen ausgeht.Diese namentlich in solchen Stunden nicht nur im Auge zu behalten, um sie vongänzlichem Nichtsthun oder gar Störung des Nachbarn der Folge des Nichtsthunsabzuhalten, sondern auch ihnen' durch Nachsehen und nöthige Fingerzeige das Ab-schreiben von anderen überflüssig oder unmöglich zu machen, ist also die Aufgabe desLehrers, was neben der Hingebung an die zu unterrichtende Abtheilung gewiß einegroße Lebendigkeit des Geistes neben umsichtiger Ruhe im Aeußern erfordert. Nochschwerer wird natürlich die Aufgabe, wenn der Lehrer die Hauptabtheilung, die er selbstunterrichtet, auch in Unterabtheilnngen (Gruppen) getheilt hat. Dieses kann wohl mitGlück nur von einem Lehrer versucht werden, der neben den schon genannten Eigen-schaften nicht nur bei seinen Schülern großes persönliches Ansehen genießt, sondern auchden Gegenstand des Unterrichts (mathematische Aufgaben rc.) vollkommen beherrschtund in genau abgestufte Hebungen zu bringen weiß. Er muß die nicht allzuhäufigcKunst verstehen, mit jeder der kleinen und großen Abtheilungen in fortwährendemgeistigen Verkehre zu stehen, so daß er an dem Lerngeschäft einer jeden Gruppe Antheilnimmt, ohne darüber der andern zu vergessen. Besitzt er diese Gewandtheit nicht, sowird er besser thun, die ganze Abtheilung beisammen zu lassen, oder sich zur Leitungder einzelnen Abtheilungen der Monitoren zu bedienen, oder wenigstens die zweiteHauptabtheiluug nur mit Schreiben und Achnlichem zu beschäftigen. Kaum dürfte nochnöthig sein, die Bemerkung zu machen, daß die ganze Schulzeit gleichmäßig unter diebeiden Hauptabtheilungen so zu vertheilen ist, daß jede derselben ebenso lange vomLehrer unmittelbar unterrichtet wird, als die andere. (Vgl. auch die Artikel Helfersystem,Wechselseitige Schuleinrichtung.)*) G. A. Niecke.

*) Vgl. den Art. Classentheilung. Doppelunterricht im engeren Sinn d. h. gleichzeitigesUnterrichten von zwei Abtheilungen in verschiedenen Fächern durch einen Lehrer ist höchstensetwa in der Art möglich, daß der Lehrer der einen Abtheilung etwas dictirt, während er mit derandern rechnet u. dgl.; aber der Lehrer wird dabei sehr angestrengt und die Schüler leichtzerstreut. D. Red.