Direktor.
93
Als Gegenstände, die der Director an die Entscheidung der Lehrer zu bringen hat,werden mindestens folgende zu betrachten sein: Entwerfung des allgemeinen Lehrplansund der darauf gebauten jährlichen Lectionspläne; die Besprechung der einzuführendenLehrbücher und Ausgaben, Bestimmung der Censuren, namentlich der allgemeinen Cen-suren über Fleiß, Aufmerksamkeit und sittliche Aufführung der Schüler; die Versetzungenaus einer Classe in die nächsthöhere und die Bestimmung der Rangordnung der Schülerin derselben Classe; Anordnung der Prüfungen (sowohl der öffentlichen als derer Intraxariotss sobolss) und der Rede- und Gesangfeierlichkeiten; Bewilligung von Unter-stützungen und Prämien; Bestrafung gröberer Disciplinarfälle; regelmäßige Mitthei-lungen der Classenordinarien über den wissenschaftlichen und sittlichen Zustand der ein-zelnen Classen; Mittheilung und Besprechung der eingegangenen Verordnungen derBehörde; Beschlußnahme über die Bücher, welche für die Lehrer- oder für die Schüler-bibliothek angeschafft werden sollen u. s. w. Aber die Conferenzen bekommen erst danneinen recht lebendigen Geist, wenn in denselben auch Vorträge allgemeineren Inhaltsgehalten werden, die sich entweder auf die wissenschaftliche Pädagogik beziehen oder aucheinen ganz allgemeinen wissenschaftlichen Charakter an sich tragen. Es sollte, wo möglich,in jeder einzelnen Conferenz ein solcher Vortrag gehalten werden, dessen Inhalt ausdem unerschöpflichen Gebiete der Gymnasialpädagogik oder aus der Grundwissenschaftder Pädagogik, der Psychologie, entlehnt wäre. Auch Vorträge von allgemein wissen-schaftlichem Charakter können gehalten werden , so wie der Director auch sonst nachKräften dahin zu wirken hat, daß seine College« wissenschaftliche Studien betreiben,damit sie nicht in der Praxis erstarren, sondern sich durch die Versenkung in ein idealesLeben immer wieder erftischen. Besonders erscheint es heilsam, unter den Mitgliederneines Collegiums gründliche philosophische Studien zu fördern, weil in der Philosophiealle einzelnen Wissenschaften in Eins Zusammengehen und nur ein Philosoph auch dieEinheit des Gymnasiallebens in allem Unterschiede der Lehrgegenstände und Richtungenerkennen kann. Thut der Director nur in dieser allgemeinen Weise seine Schuldigkeit,so wird er die specielle Aufsicht, die er über die Lehrthätigkeit seiner College« auszuübenhat, in sehr enge Grenzen einschließen können. Doch scheint es erforderlich, daß er vonZeit zu Zeit dem Unterricht der Lehrer beiwohnt, auch sich etwa alle Vierteljahre schrift-liche Arbeiten von den Schülern einliefern läßt. Es scheint dieses erforderlich, damiter nicht bloß eine richtige Anschauung von der Wirksamkeit der Lehrer erhalte, sondernbesonders auch damit er die Schüler und den Standpunkt der Classen genau kennenlerne. Was die Classenbesuche betrifft, so scheint es sich von selbst zu verstehen, daßer nicht etwa", wie ein Dieb in der Nacht, in die Classen einbricht, als wolle er dieLehrer überraschen; vielmehr ist es am besten, daß er die Zeit,--wo er die Classenrevidiren will, in der Conferenz genau ankündigt. Die Praxis wird übrigens in dieserHinsicht sehr verschieden sein können, ohne daß man gerade das eine objectiv für besserzu halten hat, als das andere. Die besondere Individualität der Directoren wird indieser, wie in mancher anderen Beziehung maßgebend sein. Während der oben erwähnteDirector Jacob die Stunden seiner Collegen gar nicht besuchte, wanderte der DirectorSpilleke (cf. A. G. Spilleke nach seinem Leben und seiner Wirksamkeit dargestellt vonL. Wiese. Berlin 1842 z. B. S. 95.) aus einer Classe in die andere und bliebwährend der Schulstunden, wenn er nicht selbst unterrichtete, nie zu Hause; — undbeide Männer galten zu ihrer Zeit als Muster ihres Standes und wußten ihre Schulenzu hoher Blüte zu bringen (vgl. d. Art. Jnspection).
3. Verhältnis des Directors zu den Schülern. Daß der Directoraußer seinen sonstigen Functionen auch das Lehrgeschäft mit den Lehrern gemeinsam zubetreiben hat, das kann nicht bezweifelt werden. Die Geschichte selbst beweist es, daßdie ausgezeichneten Directoren immyr auch ausgezeichnete Lehrer waren und vornehmlichauch durch ihre Lehrthätigkeit den Geist ihrer Anstalten bestimmten. Johannes Sturmwar nicht bloß ein ausgezeichneter Lehrer, sondern auch der Begründer einer neuenLehrmethode, der sogenannten Nomenclaturmethode. Trotzendorf wurde der geistige