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Deutsche Sprache
xors oder nach kurzer Vorbereitung in gewandter Form aussprechen zu lernen, das istebenso unschuldig und ebenso zweckmäßig als ein kurzer schriftlicher Aufsatz sx tsrupors,der denn doch auch sein Gutes hat. Die sogenannten freien Vorträge, die ihrenNamen sehr mit Unrecht tragen, sind mindestens unschädlich, wenn sie den wohl memo-rirten Bortrag einer häuslichen Ausarbeitung geben; ja sie sind ein Mittel für denJüngling, die natürliche Scheu zu überwinden, von der er ergriffen zu werden pflegt,wenn er vor einer größeren Versammlung zusammenhängend reden soll." (Mützell,Supplem. der Zeitschr. f. Gymn. 1853 . S. 177 f.). Vergleiche die Artikel Decla-mation und Redeübungen.
Der Zusammenhang des deutschen Unterrichtes mit dem altclassischen hat auch da-durch eine wichtige Bedeutung, daß der deutsche Unterricht auch rückwirkendauf die lateinischen und griechischen Lectionen von Nutzen werdenkann. So ist es unbestritten, daß seitdem die deutschen Classiker eine Aufnahme indie Schule gefunden haben, immer mehr die Philologie es als Aufgabe erkannt hat,sich über die einzelnen Observationen, durch welche die Schriftsteller oft nur eine Unter-lage für die Grammatik wurden, zur Erfassung des Ganzen zu erheben und eine Ein-sicht in die Kunstform zu verschaffen. Euripides Iphigenie wird kaum noch in irgendeinem Gymnasium ohne vergleichende Herbeiziehung des Goethe'schen Meisterwerkes ge-lesen und erklärt werden. Die Kraniche des Jbykus können von der Aufführung antikerTragödien eine bessere Anschauung geben, als was sonst in Einleitungen zum Sophoklesbeigebracht wird. Welches Leben gewinnen viele Stellen im Homer, wenn die Schülerdas Schiller'sche Siegesfest kennen, das selbst in einzelnen Ausdrücken und Wortbildungenganz antik ist. Ebenso werden die einzelnen sprachvergleichenden Bemerkungen, zu denender deutsche Unterricht Anlaß giebt, dem Lateinischen und Griechischen einen neuenReiz geben.
Die Realschulen, welche aller dieser Vortheile entbehren, werden Rhetorik,Stilistik und Poetik auf praktischem Wege an inodernen Musterstücken erklären müßen.Aber ein volles Verständnis kann bei dem ganzen Bildungsgänge, den unser Volknun einmal genommen hat, dadurch nicht erzielt werden. Hier müßen U Versetzun-gen alter Classiker ergänzend und nachhelfend eintreten.
Es lag nicht in unserer Absicht, einen Lehrplan für das Deutsche aufzustellen,sondern nur die allgemeinen Grundgedanken zu entwickeln, die für den deutschen Unter-richt in höheren Schulen maßgebend sein müßen. Die Individualität des Lehrersmacht sich gerade bei diesem Unterrichte am meisten geltend. Nur halten wir es fürrichtiger, das Mittelhochdeutsche erst in die oberste Classe zu verlegen. Ebenso gehörendahin Iphigenie und Tasso, sowie Nathan, wenn er überhaupt ausgenommen wird.Die Schiller'schen Stücke finden in Secunda die frischeste und vollste Empfänglichkeit vor.
Ganz nach der Analogie des Lateinischen und Griechischen tritt zu der öffentlichenLectüre auch im Deutschen die Privatlectüre, die durch eine zweckmäßig eingerichteteSchülerbibliothek unterstützt wird. Sie soll nicht auf Unterhaltung berechnet sein, wirdaber auch ebensowenig eine Sache der ernstesten Kraftanstrengung sein, wie Hieckea. a. O. S. 62 verlangt. Wie alle Beschäftigung mit dem Deutschen, wie wir sie inder Schule fordern, mehr den Charakter der Erholung und Freiheit trägt, so wird auchdie deutsche Privatlectüre, da die Schwierigkeit in Ueberwindung der Form wegfällt,nicht diejenige Kraftanstrengung in Anspruch nehmen, wie das beim Lateinischen undGriechischen der Fall ist. Sammlung und Besinnung aber sind diejenigen Anforde-rungen, unter denen sie allein gedeiht. Wie wir sie für die alten Sprachen in denuntern Classen noch nicht fordern und mit Recht darauf halten, daß die Schüler haupt-sächlich in der Schule selbst lernen und sich üben, so darf sie sich, wie wir nach reif-licher Erwägung hiemit aussprechen, auch im Deutschen nicht über Tertia hinab erstrecken.Was die jüngeren Schüler der unteren Classen suchen und vorzugsweise wünschen, istnur auf flüchtige Unterhaltung berechnet, die, mag sie leicht oder spannend sein, unnatür-lich und gefährlich zugleich ist. Hülsmann hebt in einer schönen Abhandlung „über