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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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in höheren Schulen.

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Rhetorik, Stilistik und Poetik kennt und auch hier alles Theoretisiren und Syste-matisiren abweisen muß. Hier ist das Gebiet, wo der Zusammenhang des Deutschenmit dem altclassischen Sprachunterrichte nicht innig genug sein kann. Die Einsicht indie Lehren der höheren Grammatik und Stilistik resultirt auch hier allein aus demLateinischen. Wie lehrreich ist die Vergleichung beider Sprachen in Wortstellung undPeriodenbau, im Gebrauche der Tropen u. s. w. Man studire nur einmal Nägels-bachs lateinische Stilistik für Deutsche und man wird zweifelhaft sein, ob der Gewinn,den man aus diesem Buche und den Uebnngen, die es leiten will, schöpft, für dasLateinische oder für das Deutsche größer ist. Es ist bekannt, mit welchem Eifer früherdie Rhetorik theoretisch und praktisch am Lateinischen geübt wurde. Auch hier ist es,wie bei so manchen andern Uebnngen geschehen, daß die Philologen vor lauter Ueber-stürzung in modernen Bildungsinteressen ihre alt bewährten guten Uebnngen im Latei-nischen fallen ließen und daß dieselben eine gute Beute für die eifrigeren Lehrer desDeutschen wurden. Jetzt, wo man zu der alten Praxis im Lateinischen mit neuemEifer besonders unter M. Seyfferts Vorgang (Lollolas latinns) zurückzukehren be-müht ist, kann es nicht zweifelhaft sein, daß Rhetorik und Stilistik sich an den alt-classischen Unterricht anzuschließen haben und daß die deutsche Lectüre und die deutschenArbeiten nur die von dort gewonnenen Früchte zu genießen und zu verarbeiten haben.Wie es unerläßlich ist, daß eine rhetorische Schrift Cicero's gelesen werde, damit eineEinsicht in das Wesen der alten Rhetorik gewonnen werde, so müßen besonders prak-tische Uebnngen der verschiedensten Art die gewonnene Einsicht befestigen und zu eigenersicherer Anwendung führen. Da uns hier die schriftlichen Aufsätze der Schüler imDeutschen nicht beschäftigen, so kann hier nur die Bedeutung jener Theorien für dieExposition in Anschlag kommen. Die Erkenntnis der Gesetze der verschiedenen Kunst-formen in gebundener und ungebundener Rede wird inehr, als es in der letzten Zeitgeschehen ist, wieder an den alten Sprachen zum Bewußtsein gebracht werden müßen.Die Bedeutung der deutschen Prosalectüre wird hauptsächlich in unmittelbaren Ein-drücken bestehen. In solcher Weise wirkte von den Alten Platon auf Schleiermacher,Cicero auf Wieland, Tacitus auf Joh. v. Müller. Die Lectüre der deutschen Classikerhat zugleich die Aufgabe, ein Correctiv herzustellen gegen die Latinismen und andereUnebenheiten der Form, die so leicht aus der vorherrschenden Beschäftigung mit denAlten entstehen können. Sonst bietet die alte Literatur die unübertroffenen Muster füralle Gattungen der didaktischen, historischen und rhetorischen Prosa, an denen sich zuallen Zeiten Historiker, Philosophen und Redner gebildet haben, eben so dar, wie fürdie Hauptformen der Poesie. Den Geist und Segen echter Poesie muß der Schülerhauptsächlich an den elastischen Mustern der Griechen erfahren. An den Alten lernt erdie Gesetze der Metrik, so daß auch hier der deutsche Unterricht nur einzelnes zuergänzen und hauptsächlich durch Nachbildungen einzuüben hat, wie er in der Poetiknur diejenigen Formen, die die Alten noch nicht kannten, an den gerade durch dieLectüre gebotenen Beispielen zu erläutern hat. Alle theoretische Belehrung, die nichtaus der Lectüre herauswächst, hat gerade bei der Poetik ihre besonderen Gefahren.Sehr wahr sagt Hiecke a. a. O. S. 84. .Nichts stört die Unbefangenheit der Hin-gabe, die Frische des Genusses poetischer Werke mehr, als wenn schon vorher Rubrikenim Kopfe herumspuken, allgemeine Maßstäbe, an welche unwillkürlich jene gehaltenwerden; nichts kann so leicht zu der Meinung verführen, als ob Gedichte nach vorherfertigen Regeln verfertigt werden müßten und verfertigt worden wären; nichts entferntweiter von der richtigen Ansicht, daß jedes poetische Werk ein lebendiges Wesen ist, daseine eigene innere Gesetzgebung in sich trägt."

Daß an das Lesebuch Sprech- und Redeübungen, die außerdem in allenanderen Lectionen auch geübt werden, sich anschließen müßen, das haben wir bereits wieder-holt hervorgehoben. Redner zu bilden liegt nicht in der Aufgabe desGymnasiums. „Aber daß dem Schüler in allen Stunden, und also auch in dendeutschen, Gelegenheit gegeben wird, seine Gedanken über geeignete Gegenstände sx tsm-