Deutsches Reich.
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Deutsche Sprache.
ihr Begriff gehört zu denen, die um ganz verstanden zu werden erlebt sein wollen, undsie ist ein zu großes Gut, als daß sie ohne Opfer erworben werden könnte. Diedeutsche Jugend, auf der die Hoffnung des Vaterlandes ruht, ist es werth, daß dieihre Vorbilder in den empfänglichsten Lebensjahren sein sollen, ihr gerade hierin dasvorleuchtenve Beispiel der Opferwilligkeit und Selbstverleugnung geben.
Im Vorstehenden sind einige Züge aus dem Bilde wiedergegeben, welches derdermalige Zustand des höheren Schulwesens im deutschen Reich der aufmerksamen Be-trachtung darbietet; es sind vorzugsweise solche gewählt, welche für alle, die es angeht,Aufgaben von nationaler Bedeutung enthalten. Segnungen, wie sie dem deutschen Volkals Erfolge der letzten Kriege und Siege zu Theil geworden, sind immer auch als einanvertrautes Gut anzusehen, und es muß sich nun zeigen, ob unsere Vaterlandsliebesich daran erproben wird, dasselbe zu benutzen und zum Heil des Heranwachsenden Ge-schlechts fruchtbar zu machen. Die erste Bedingung dazu ist klare Erkenntnis dessen,was ist und was sein soll; und zu dieser beizutragen war der Zweck obiger Dar-stellung. Im Januar 1876. L. Wiese.
Deutsche Schule, s. Volksschule.
Deutsche Sprache in höheren Schulen. Es ist bekannt, daß das LateinischeJahrhunderte lang die Sprache der gelehrten Stände war und in den Schulen aus-schließlich gepflegt wurde. Die Schulen der Reformatoren kannten die deutsche Spracheals Uuterrichtsgegenstand nicht. In Trotzendorfs Schule zu Goldberg war Deutsch zu redenden Schülern selbst im gewöhnlichen Verkehr verboten., Nur die Kleinen hatten den deutschenKatechismus zu lernen. Dazu kamen deutsch gelernte Bibelsprüche; die Schüler hörtenüberdies wöchentlich wenigstens zwei Predigten, sangen deutsche Lieder und bekamen eindeutsches Dictat für die lateinischen Stilübungen. Das war alles, was für dasDeutsche geschah. Aber all der Fleiß, welcher dem Lateinischen zugewandt wurde, wirkteauf das Deutsche zurück und diente zur Förderung der Muttersprache. Erst zu An-fang des 17. Jahrhunderts machte Wolfgang Ratich den Versuch, die deutscheSprache allem Unterricht zu Grunde zu legen. Wie das Deutsche das Organ seinsollte, dessen sich die Schule bei Mittheilung ihrer Kenntnisse bediente, so sollte auchaller Sprachunterricht mit' grammatischer Zergliederung der Muttersprache begonnenwerden. Die Sprachgesellschaften förderten denselben Zweck. Bald wurden auch dielateinischen Grammatiken in deutscher Sprache verfaßt. Zu Anfänge des 18. Jahr-hunderts war die deutsche Schulsprache und der deutsche Unterricht immer ver-breiteter. Joh. Matthias Geßner forderte neben grammatischer Behandlungder Sprache sogar schon das Studium der damaligen Klassiker. Jedermann weiß,wie unsere Literatur damals beschaffen war. Es fehlte der Sprache an Selbständig-keit und Reinheit. Sollte sie dazu gelangen, so mußte sie selbst als solche in dasBereich wissenschaftlicher Forschung gezogen werden. Dies Verdienst gebührt Gott-sched, dessen „Sprachkunst" nicht ohne Einfluß auf die Praxis der Schule blieb.Noch viel mehr wirkte auf die Schule durch seine grammatischen und lexikalischenArbeiten Joh. Christ. Adelung. In welcher Weise mau sich die Betreibung desdeutschen Unterrichtes zu Ende des 18 . Jahrhunderts zu denken habe, erhellt am bestenaus den Verordnungen für diejenigen Schulen, die für die damalige Zeit als Normgelten können. In der „ erneuerten Schulordnung für die latem. Stadtschulen der Chur-Sächsischen Lande' (Dresden 1773) wird S. 60 als Ziel des Unterrichtes bezeichnet,daß die Knaben die deutsche Sprache verstehen, auch regelmäßig und gut reden, auchohne Fehler schreiben lernen sollen. Zu diesem Behufe sollen sie gelehrt werden dieWörter zu decliniren und zu conjugiren. Es soll der Unterschied der Artikel, der Ge-brauch der Pronomina, die eigentliche Bedeutung und Anwendung der Zeitwörterund die Anomalien derselben bemerkt, auch Syntax und Formation der Perioden nichtverabsäumt werden. Hiernächst sollen sie nützliche deutsche Bücher lesen, welche in einerreinen und edlen Schreibart abgefaßt sind. Vorerst sollen den Knaben gute, wohlge-