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Deutsches Reich.
mit Ausnahme 'von Bayern, wenn auch zunächst nur als ein Versuch, allgemein ge-billigt und angenommen worden. — Hinsichtlich der wünschenswertsten Einigung überdie deutsche Rechtschreibung hatte die Conferenz vorgeschlagen, den Professor Rudolfvon Raumer in Erlangen mit Ausarbeitung einer Vorlage zu beauftragen. SeinEntwurf ist im Januar 1876 zu Berlin von dazu berufenen Schulmännern undUniversitätslehrern aus verschiedenen Theilen Deutschlands beratsten worden. Von derAnsicht, welche die Versammlung in Dresden hegte, daß die betheiligten deutschenStaaten sich zur Durchführung der Abänderungen, über welche man sich schließlicheinigen würde, jedenfalls in den Schulen, verbindlich machen sollten, ist man dabei ab-gegangen; man hat die Protokolle der Conferenz den verschiedenen Regierungen mit-getheilt und die Beschlußfassung in der Sache denselben anheimgestellt. —
Auf der vorerwähnten Dresdener Conferenz war auch das neue Reichsland Elsaß-Lothringen durch einen Regierungs- und Schulrath vertreten. Dieselbe Aufgabe, welchePreußen in der geistigen Aneignung seiner neuen Provinzen zu lösen hatte, war demdeutschen Reich für diese Erweiterung seines Gebiets zugefallen; nur hatte sie hier eineungleich größere Schwierigkeit. Was die deutsche Verwaltung vorfand waren meistTrümmer der französischen Schuleinrichtungen. Die Beseitigung derselben und dieHerstellung von Gymnasien, Real- und höheren Bürgerschulen nach deutschen Grund-sätzen begegnete an wenigen Orten einer dankbaren Willfährigkeit; am stärksten war derWiderstand bei der katholischen Bevölkerung und deren Geistlichen. Aber die geistigeEroberung des Landes durch die Schulen wurde mit Mnth und Vertrauen zu der gutenSache begonnen: bald war eine große Zahl von Schulgründungen ins Werk gesetzt;Lehrer kamen aus allen deutschen Ländern herbei: mit den einheimischen würde, auchabgesehen von ihrer anderen Vorbereitung, das Bedürfnis nur zum geringsten Theilhaben gedeckt werden können. Der Fortgang der Sache war ungemein schwer undstellte an alle zur Mitarbeit Berufenen die höchsten Anforderungen der Hingebung,Weisheit und Selbstverleugnung. Ehe die sich vorher fremden Lehrkräfte einer Anstaltzu einer Einheit des Geistes sich zusammen schließen konnten, ehe das rechte Verhältniszu den Schülern, zum Publicum und auch zu der Verwaltung gefunden war, mußtenviele Hemmnisse überwunden und neue Erfahrungen verwerthet werden. Die erste Be-geisterung, mit der viele herbeigeeilt waren, um an der hohen patriotischen Aufgabetheilzunehmen, erkaltete in manchen unter diesen Schwierigkeiten, besonders wenn sie diesociale Absonderung und die argwöhnische Beobachtung, unter der die Lehrer an denmeisten Orten leben mußten und müßen, nicht zu ertragen vermochten. — Die Frequenzder neuen Schulen hat mit jedem Jahre zugenommen, überwiegend durch evangelischeSchüler. Aus katholischen Familien werden noch immer viele Söhne und Töchter überdie Grenze in französische Institute geschickt, oft gegen die bessere Einsicht von demWerth der deutschen Schulen. Aber was auf diesem Wege noch fort und fort ausFrankreich herüberkommt als fremde Schulbildung und Sitte wird die schon jetzt erkenn-bare Wirkung der deutschen Schulorganisation im Reichslande nicht aufhalten; und inder Jugend werden die Lehrer mehr und mehr auch die Eltern für ihr Werk gewinnen.Für den Unterricht besteht eine der größten Schwierigkeiten darin, daß die Jugendnothwendigerweise gleichzeitig zu richtigem Gebrauch der deutschen und der französischenSprache ausgebildet werden muß. Seit der Zeit der französischen Revolution ist dasElsaß (Lothringen schon früher) in Sprache und Literatur aus dem lebendigen Zu-sammenhänge mit Deutschland geschieden, ohne doch darin die französischen Vorbildererreichen und im Französischen heimisch und frei zu werden: so haben sie keines vonbeiden recht, und die Schule empfindet jetzt täglich die Folgen davon.
Alles was nach dem vorher Dargelegten bis jetzt geschehen ist, bei den höherenSchulen im deutschen Reich nach verschiedenen Seiten ein übereinstimmendes Verfahrenin Anwendung zu bringen, ist der Natur der Sache nach zugleich ein Mittel zu einergrößeren geistigen Einigung. Einheit fordert nicht Einerleiheit; sie ist bei keiner der