Sonntaggfi^ulcn. 875
ber Sugenb als fettige Pflicht angefeljen nnb baS: „SBeibe meine Sämrner" ebenfo midjtigunb »erbinblid) angefeßen, mie baS: „2Beibe meine ©djafe". ©S mar nur natürlich baßbiefe religiöfe Llntermeifung Domeljmttdj auf ben ©onntag »erlegt mürbe, an meinem inber alten kirche fd)on bie katedjumenen jur Saufe »orbereitet ju merben pflegten. Sarfman nun aud) behaupten, baß eS an religiöfer pflege ber ^ugenb jn feiner Beit ganj ge*fehlt ^at, fo ift bocf) baS mit bem tarnen „chriftlidje ©onntagSfcfjule" begeitfjnete 3fn=ftitut etmaS iJJfoberaeS; eS gehört ben lefcten Sahrjeljnten ber prateftantifchen kirnen*gefd)id§te an. Senn maS anbermärtS auch früher fd^on beftanb, maS j. S3. in SZBürttem*berg für bie fonfirmierte Bugenb eingerichtet ift, maS fd)on Sut^er anjuba^nen fid) be=mühte, maS aucf) ber eble SBorromeo, ©rjbifchof »on SJfailanb, beabfidjtigte, ift etmaSIBerfchiebeneS; teils finb eS ©rfaheinrid)tungen für bie 23olf§fd)ulen, in benen ben kinbernbie notbürftigften (Elemente im Sefen, 9led)nen, Schreiben unb allerbingS aud) in Religionbeigebracbjt merben foHen, teils finb e§ bie namentlid) in ber lutljerifdhen Sirene Ijerfömm*liehen, aber oft nur notbürftig fonferbierten katedjifationen mit ber ©djuljugenb ober benkonfirmierten in ber kirdje. @S honbett ftef) aber hier um einen kinbergotteSbienjl in bergorm ber englifd^ = ameribanifd^en ©onntagSfdjule, um eine (Erbauung ber gugenb mitle^r^aftepr ©Ijarafter im Unterfdfßeb »on bent ^rebigtgotteSbienft für ©rmachfene. ®ng=lanb unb Amerifa finb aüerbingS als bie Heimat ber ©onntagSfchule ju bejeic^nen, fofernbort 5 um erftenmal ber SSerfud) gemalt morben ift, religiöfe Unterroeifung mit gotteS*bienftlid5=liturgifcE)en geraten zu umfleiben, nnb jugleidb) Saienfräfte für biefen SDienfi ankinbern heranzuziehen. Siefe beiben t»efentlid)en iDlerfmale finb ber ©onntagSfdjule auchauf beutfdjem 23oben »erblieben, nur mit ber unferer beutfd)=eöangelifcf)en kird)e an*gemeffenen unb dharafteriftifchen, unjmeifelßaft Ijeilfamen hoppelten Unterfchiebenheit, baßeinmal baS bibaftifdje Element hinter bem liturgifd)=erbaulid)en gnrücftritt, unb fobannbaß bie Üaienfräfte nur in 23erbinbung mit bem geiftlichen Amte if)reS SienfteS in berkird)e märten. 2BaS baS erftere betrifft, fo ergab e§ fid) »on felbft auS bem Unter*fd^ieb ber englifd) = amerifanifd)en unb beutfd)en 33olfSfd)ulbilbung. ©ie ßeilfame All*gemeinljeit beS Unterrichts in Seutfdjlanb, beruhenb auf bem ©chuljmang, führt benkird)en ein anbereS Üllaterial ju, als in ©nglanb nnb Amerifa, roo ber (Elementar*unterricht noch nicht fo entroicfelt ift. SBäljrenb brüben bie kinber oft ohne alle religiöfekenntniffe unb ohne religiofen ÜKemorierftoff jur kirdhe fommen, fann bei unS ein ge*miffeS Sftaß »on kenntniffen, fomol ber biblifdfjen ®efd)ichte als beS katedjiSmuS »orauS*gefegt merben. Salfer hot bort bie ©onntagSfchule »ielmehr ben Seruf, bie fehlenben©chulfenntniffe unterridhtlich z u ergänzen, mälfrenb bei unS ber £>auptnadhbrucf auf bererbaulichen Sarreid)ung beS menigftenS teilmeife fd)on befannteren ©toffeS liegt. 2BaSaber bie Heranziehung »on Saienfräften angeht, fo merben bie ©onntagSfdhulen fen*feitS beS ÜDleereS oftmals »on ©etneinbegliebern unter Leitung eines fogenannten „Saien*juperintenbenten" gehalten, ohne baß ein @eiftlid)er fich baran beteiligt, unb namentlich liegthei ben SiffenterS, roeldje auf ba§ georbnete Amt in ber kirche oiel meniger ©emicht legen,als bie üanbeSfirchen Seutfd)tanb§, biefe Angelegenheit oft »öHig in Saientjänben, mährenb beiunS ber ©eiftlidEje ber geborene Leiter ber ©onntagSfchule ift, ber fich hödhftenS bnrdh©tedoertreter auS ben gläubigen Saienfräften zeitweilig erfe^en läßt. ÜRan barf fagen,baß in Seutfd)tanb, mo auch hie firdhenregimentlidjen Organe fid) bie pflege biefeS ^n=ftituteS angelegen fein laffert, baSfelbe faft burchauS in ben Organismus beS firdjlichenSienfteS eingegliebert ift, jmar immer nod) nicht obligatorifdh, aber bodh als mid)tigerBmeig paffpralcr SBirffamfeit anerfannt, »on ben kirdjenbehörben befürmortet, »on jal)l=reichen ©eiftlidhen fonntäglich gepflegt.
Saß ein foldjer ©onntagSfchulgotteSbienft nicht einen ftreng = fachlichen ©hotafterträgt, liegt in ber Sfatur ber ©adhr, bie kinbergemeinbe fann nicht mie eine SSerfamm*Inng münbiger ©haften betjanbelt merben, baS fate<hetif<he ©lement bringt eine größereSeroeglidjfeit hinein, ber Oefang ift bem finblichen SerftänbniS gemäß nach Sept unb 2He=lobie nid)t auSfchließlid) ftreng choralmäßig, fonbern aud) »otfStümti<h*meltli<h; nm bie