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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Russische Ostseeprovinzen.

alle Maßregeln der Staatsregierung, welche die Bevorzugung dieses Lehrfaches vor allenübrigen zum Zwecke gehabt und demselben in der That eine Stellung gegeben habendie auf das Betreiben der übrigen Unterrichtsgegenstände, namentlich der klassischenSprachen in fühlbarer Weise nachtheilig wirkt, nahezu erfolglos gewesen sind. „Mitdem Unterricht in der russischen Sprache, sagt der Bericht, geht es auch jetzt nicht vor-wärts, die Kenntnisse der Schüler in diesem Gegenstände sind sehr schwach, sowohl ihremündlichen als schriftlichen Antworten frappiren durch die Unrichtigkeiten in den Rede-wendungen. Als eine der Hanptnrsachen, welche den Fortschritt des Unterrichts in dendortigen Gymnasien hemmen, muß die Unfähigkeit der Lehrer dieser Sprachen aner-kannt werden, die theils Deutsche sind, welche die russische Sprache nicht vollkommen be-herrschen, theils Russen, die mit wenigen Ausnahmen für den Lehrberuf schlecht vor-bereitet sind und denen es nicht nur an einer guten philologischen, sondern sogar aneiner genügenden allgemeinen Bildung fehlt." Man konnte hinznfügen: auch an einergenügenden Kenntnis der deutschen Sprache; ein Mangel, der sich besonders in den letztenJahren fühlbar gemacht hat, wo man principiell nur geborenen Russen diese Lehrstellengab, ohne jedoch, mit wenigen Ausnahmen, tüchtige Kräfte gewinnen zu können, da imInnern des Reiches selbst zahlreiche Vacanzen an den Schulen und die Besoldungsvcrhält-nisse viel günstiger sind, als in den Ostseeprovinzcn. Es ist daher jetzt vom Ministeriumder Weg eingcschlagen, Zöglingen der baltischen Gymnasien durch Ertheilung von Stipen-dien in St. Petersburg und Moskau die Gelegenheit zu bieten, sich zu Lehrern der russischenSprache für die Schulen des Dorpat'schcn Lehrbezirks auszubilden. Daß übrigens die Er-lernung der russischen Sprache in den Schulen bedeutende Fortschritte gegen früher (etwavor 30—40 Jahren) gemacht hat, wird jeder zugestehen müßen, der die Schulen genauerkennt. Es ist auch nicht zu übersehen, daß in den diesen Unterricht betreffenden An-ordnungen nicht immer ein klares Bewußtsein über das in der Schule zu erreichendemögliche Ziel und die dahin führende beste Methode erkennbar gewesen ist. Bald istdie Forderung dahin gegangen, den Schülern besonders der Gymnasien vor allem einegründliche grammatische Kenntnis der Sprache beizubringen als Grundlage für dieim spätem: Leben zu erlangende praktische Fertigkeit; bald ist ein besonderes Gewichtauf die Gcwandheit im Sprechen gelegt, dann wieder die Ausbildung für den Gebrauchder Geschäfts- und Kanzleisprache als nothwendig bezeichnet, oder die Kenntnis der Lite-ratur in den Vordergrund gestellt Warden, und je nach diesen Gesichtspunkten sind auchdie Methoden der Aenderung unterworfen gewesen. So viel ist aber gewiß, daß dieetwaigen Mängel in der Kenntnis der russischen Sprache reichlich ausgewogen werdendurch die gründlichere allgemeine Bildung und besonders durch die in den alten Sprachen,sowie durch die ernstere wissenschaftliche Richtung, welche die Zöglinge in den baltischenGymnasien erhalten. Von allen denen, die im spätern Leben in den verschiedenstenBerufsarten in: Innern des Reiches einen Wirkungskreis gefunden, sind die Lücken inder Kenntnis der russischen Sprache bald ergänzt worden und haben sie an einer nütz-lichen Wirksamkeit nicht gehindert. Die Gleichstellung der russischen Sprache mit denübrigen Lehrfächern in den Schulen würde dem Betreiben derselben viel förderlicher sein,da auch bei der lernenden Jugend die Einsicht von der Nothwendigkeit und Nützlichkeitihrer Kenntnis immer allgemeiner wird, der Zwang aber eher Widerwillen als Liebezur Sache zu erzeugen geeignet ist. Behufs weiterer Einbürgerung der russischen Sprachesind in den letzten Jahren auf Grundlage des allgemeinen Schulstatuts für die Gym-nasien Rußlands auch in den Ostseeprovinzen 2 Gymnasien mit russischer Unterrichts-sprache errichtet worden, eines in Riga bereits 1867, das andere in Reval (1871),sowie ein weibliches, das Lomonossow-Gymnasium in Riga mit 6 Elasten, währenddie Errichtung von russischen Elementarschulen besonders in Riga ein noch immer un-befriedigtes Bedürfnis ist. Das Alexander-Gymnasium in Riga ist ein klassisches Gym-nasium mit beiden alten Sprachen, von 7 Elasten mit einer Vorbereitungsclasse; eszählte am Schlüsse 1871 211 Schüler, unter ihnen 37 lutherischer Confessio::. Dem