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1 (1876) A - Dänemark
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Cretinisums und Idiotismus.

In der Schule, in gleicher Weise wie die andern Kinder angestrengt, werden sieunlustig zur Arbeit, kommen schwer vorwärts. Hier ist nun der Lehrer in Gefahr,diese Erscheinungen als bloße Ausflüsse mangelnden Willens auzusehn, und indem ermeint, durch Znchtmaßregeln eingreifen zu sollen, begeht er jene Kette von Jrrthümern,welche das Kind geistig schädigen und jene traurigen Zustände herbeiführen, welche wirin Strafanstalten sehen, wenn man geistig Kranke als sich verstellende ansieht und vonihrer sogenannten Bosheit befreien will. Ein anderes, wenig besseres Schicksal wirddem Schüler zutheil, wenn der ermüdete Lehrer ihn einfach bei Seite liegen läßt. Dierichtige Behandlung dieser nicht in Jdiotenanstalten gehörigen Kinder besteht dagegennur darin, daß der über dies besondere Vorkommnis unterrichtete, auch auf dessenkörperliche Zeichen aufmerksam gemachte Lehrer seinen Lehrstoff der gegebenen Fähigkeitanpasse; statt zur Entwicklung von Schwachsinn und sonstigen geistigen StörungenAnlaß zu geben, wird er in solchem Fall die Kinder über die gefährlichen Zeiten desWachsthums des Gehirnes glücklich hinwegführen und, indem er dieselbe Menge desWissens, wie bei andern Kindern, beibringt, durch die passend berechnete Uebung dasGehirn leistungsfähiger machen. Eine leicht ersichtliche Voraussetzung solchen Erfolgesist, daß die Zahl seiner Schüler ihm noch Raum lasse, den: Einzelnen überhaupt gerechtzu werden.

Brauchbare und. zu Vergleichen geeignete Zahlen hat die Statistik bis jetzt nichtgeliefert weder für das Vorkommen des Idiotismus und des Cretinismus in den ver-schiedenen Ländern, noch für die in den verschiedenen Anstalten erzielten Besserungenund Heilungen. Wir sind noch weit entfernt von Aufstellung und allgemeiner An-erkennung gleichmäßiger Anhaltspuncte, nach welchen solche Aufnahmen an verschiedenenOrten stattfinden müßten, um vergleichbare Ergebnisse zu liefern. Zu warnen ist aberbesonders vor dem Glauben an solche in Anstaltsbcrichten und sonst mitgctheilteHeilungen, denen nicht länger fortgesetzte Beobachtungen des späteren Verhaltens dergeheilt" Entlassenen zu Grunde liegen.

Wir schließen mit einer Aufzählung der hauptsächlichsten deutschen Jdiotenanstalten,die fast ohne Ausnahme, auch wenn siePrivatanstalten" heißen, nicht auf Erwerbabzweckende, sondern gemeinnützige Unternehmungen sind, von Staaten oder Cvrpvrationenoder durch wohlthätige Beiträge gestützt, wem: auch oft aus Stiftungen von Privatenhervorgegangen. Nach vr. Lahrs Zusammenstellung (die Jdiotenanstalten Deutschlands;Berlin 1874) bestehen derzeit in Deutschland 27 Jdiotenanstalten, deren Krankenzahl(die nichtidiotischen Fallsüchtigen mit eingeschlossen) zu Anfang des Jahres 1874 in2 Anstalten je über 200, in 6 Anstalten über 100 , in 7 Anstalten über 50, in 5 über20 und in 7 unter 20 betragen hat. Die 15 Anstalten mit mehr als 50 Insassensind nach den Staaten geordnet folgende: 1. Wilhelmsstift in Potsdam (60 Kranke).

2. Kückenmühle bei Stettin (89 Kr.). 3. Craschnitz bei Militsch in Schlesien (133 Kr.).

4. Elisabethstift bei Neustadt (Prov. Sachsen) mit Filialen (170 Kr.). 5. Hephata beiGladbach (Zeheinprovinz; 136 Kr.). 6. Langenhagen bei Hannover ( 2 io Kr.). I

7. Schleswig (59 Kr.). 8. Ecksberg bei Mühldorf (Oberbayern; 138 Kr., darunter

auch Cretinen). 9. Neudettelsau (Mittelfranteu; 68 Kr.). 10. Polsingen (Mittelfranken;

53 Kr.). 11. Hubertusburg in Sachsen (214 Kr.). 12. Mariaberg in Württemberg(80 Kr.). 13. Stetten im R. (Württemberg; 183 Kr.). 14. Erkerode und Sickte(Braunschweig; 64 Kr.) 15. Alsterdorf bei Hamburg (132 Kr.). Die meisten vondiesen Anstalten haben Kranke beider Geschlechter und dermalen schon eine ziemlichgrößere, als die obige Zahl; z. B. die zu Stetten im Remsthal hat 250 Kranke(Februar 1876) und mag damit leicht nach Umfang an die Spitze der Reihe gelangtsein. Aber auch, was die Grundsätze der Behandlung, sowohl von Seiten der Aerzte,als der Lehrer und Erzieher, ferner, was die Auswahl und Verwendung der zu Gebotstehenden Mittel der Pflege und des Unterrichtes betrifft, werden die an Umsang größtenAnstalten zu Hubertusburg, Langenhagen und Stetten wiederum in der ersten Reihegenannt zu werden verdienen, während andererseits den kleineren Anstalten stets der