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1 (1876) A - Dänemark
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1011
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Cötus. Crctinismus und Idiotismus. 1011

ihre Söhne nach Eton senden, um sie frühzeitig mit jungen Gliedern der Aristokratiein Verbindung zu bringen. Jeder Cötus nimmt nach einiger Zeit seinen bestimmtenCharakter an, von dem der Charakter eines Einzelnen gehemmt oder gefördert, gezügeltoder fortgerissen werden kann. Der eine Cötus ist sanft und ruhig, der andere rebellisch;der eine offen, der andere versteckt und zu Verheimlichungen hinneigend, der eine solid,der andere genialisch. Daß dies nicht nur Abstractionen im Geiste der Lehrer, sondernwirkende Eigenschaften sind, zeigen die großen Veränderungen, welche oft mit einzelnenSchülern Vorgehen, wenn sie in einen andern Cötus versetzt werden. Minder beachtetbleibt gewöhnlich die Erscheinung, daß selbst der Rang der einzelnen Schüler nach ihrenLeistungen in den Unterrichtsgegenständen keineswegs bloß durch Anlegung eines abs-tracten Maßstabes an fertige Individuen gebildet wird, sondern daß er zum Theil einProduct lebendiger Wechselwirkung ist. Dies zeigt sich z. B., wenn aus einem großenCötus einer der besten Schüler entfernt wird. Sein Platz wird alsbald durch einenandern ausgefüllt, der bisher noch unter dem Druck des stärkeren Nebenbuhlers litt,nun aber sich so entfaltet, daß seine Leistungen denen des entfernten Mitschülers baldgleichkommen. Umgekehrt wird der Primus einer Classe alsbald etwas Nachlassen, wennman den zweiten und dritten Schüler nach ihm entfernt. Noch deutlicher werden leiderdiese Thatsachen bei den schwachen und trägen Schülern. Entfernt inan den schwächsten,so sinkt der folgende nach und kommt bald auf einen Nullpuuct der Leistungen, überdem er früher um einige Grade erhaben war.

Zum Theil mag sich diese Regel, die trotz ihrer nur annähernden Gültigkeit vongroßer pädagogischer Wichtigkeit ist, aus einem unbewußten Anspannen und Nachlassender Anforderungen seitens des Lehrers erklären, zum Theil ist sie aber gewiß auf diemoralischen Kräfte des Wetteifers, der Zuversicht einerseits, der Gleichgültigkeit undEntmuthigung anderseits zurückzuführen. A. Lange ß.

Cretillismus und Idiotismus. Die Erscheinung des angeborenen oder jedenfallsschon im kindlichen Alter ausgebildeten Blödsinns wird allgemein mit dem WorteIdiotismus bezeichnet ein ununterrichteter Mensch); in dem besonder:: Falle,

wo sie mit bedeutender, an: Kopf und an andern Theilen sich zeigender körperlicherMisgcstaltung wesentlich verbunden auftritt, wird sie Cretinismus genannt. Amschärfsten und eigenthümlichsten prägt der letztere sich aus, wo er räumlich gehäuft vor-kommt, und aus einer dieser Gegenden, dem Wallis, stammt auch sein Name (orotina,romanisch: Crcatur, elendes Geschöpf).

Schwäche aller Seelenthätigkeit ist der Grundzug des Idiotismus und, gestütztauf die große Mehrzahl der Fälle, kann man im allgemeinen sagen, daß jene Schwächedurch eine mangelhafte Entwicklung des Gehirns in der Kindheit bedingt ist; denn jeweiter die Kunst sich entwickelt, den Bau des menschlichen Körpers bis in seine Fein-heiten zu verfolgen, um so allgemeiner werden an: Gehirn der Idioten oder an seinenHüllen beträchtliche krankhafte Veränderungen entdeckt. Es ist nun zwar bis jetzt nurin kleinsten: Umfang gelungen, Beziehungen festzustellen zwischen einzelnen solchen körper-lichen Mängeln und entsprechend vorhandenen Hemmungen bestimmter Seelenvorgänge.Dennoch lohnt es für jeden, der Idioten in Mehrzahl beobachtet, Kenntnis zu nehmenvon gewissen Hauptformen des körperlichen Mangels, zumal dieselben sich oft sehr deut-lich schon in der äußern Erscheinung des Idioten ausprägen. Sie betreffen das Gehirntheils unmittelbar, theils nur indem sie den Schädel zunächst angehen mittelbar,und bestehen zur Zeit der ausgesprochenen Idiotie selten mehr in frischen oder nochfortschreitenden Krankheitsvorgängen, sondern weitaus meistens in Bildnngshemmungen(Stehenbleiben auf einer früheren Entwicklungsstufe) oder in der Hinterlassenschaft ab-gelaufener Krankheiten. Das Auftreten dieser körperlichen, den Grund für die Idiotielegenden Störungen fällt regelmäßig in die Zeit des Lebens im Mutterleibe oder indie ersten 5 bis 6 Lebensjahre, nur ausnahmsweise später.

Im einzelnen ist hier zu erwähnen: 1. das allgemein oder in bestimmteu Theilenzu klein gebliebene Gehirn (eine Verkümmerung, welche allerdings in: ersten Fall häufiger,

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