Druckschrift 
1 (1876) A - Dänemark
Entstehung
Seite
342
Einzelbild herunterladen
 

Bachaiitcil.

342

ich hätte nicht ein nornsu I>rinias ckvvlinatlonis deeliniren können." Wie wenig manaber anch Eile hatte, sehen wir z. B. daran, daß, als Plater vvn seinem Bachanten,Paul Sommermatter, auf die Reise. nach Deutschland genommen war, sie in Zürichvorerst acht bis neun Wochen liegen blieben, um auf andere Reisegefährten nach Sachsenzu warten. In solcher Zeit wurde lediglich vom Bettel gelebt. Bon Zucht war keineRede, wenn sie nicht darin bestand, daß die Schützen viel geprügelt und sonst miß-handelt wurden.

5. Luther kommt noch hie und da auf die Bachanten zu sprechen, die er stetsalsgrobe Tölpel und Esel" signalisirt; auch von Melanchthon ist die Anekdotebekannt, wie er als kleiner Knabe einen alten Kerl von Bachanten mit seiner Gelehr-samkeit vollständig besiegte. Die Reformation mußte, da sie das Schulwesen neu or-ganisirte, diesem Unfug ein Ende machen; gleichwohl begegnen uns Nachklänge jenesbewegten Lebens auch in der Folgezeit. Im 16. und 17. Jahrhundert treffen wir denNamen Bachanten noch als allgemein übliche Bezeichnung für die Schüler, die alsboaui, als Füchse, Leun Eintritt in den Universitätsverband der seurrilen Feierlichkeitder sogenannten Deposition, an der die Professoren selber Antheil nahmen, sich unter-werfen mußten. Es wurde ihnen unter anderein eine Ochsenhaut übergewvrfen, nnddaran als Symbol der Ablegung des philisterhaften alten Adam die Hörnerabgesägt, daher der Name äsxonsrs; man übergoß sie mit Wein, öffnete ihnen dasgeistige Gehör durch Ausputzen der Ohren mit einein Kolben, hielt ein Examen mitihnen nnd erklärte sie schließlich durch eine Art von Absolution für würdig, Jünger derakademischen' Weisheit zu sein. So lesen wir in Luthers Tischreden II. Cap.

K. 6. 7.: wie er selbst solch eine Deposition einst vornahm und angehende Studenten jvon der Bachanterei", vomBean und Bachanten" absolvirte. Nach einer von Tholmi I(das akademische Leben des 17. Jahrhunderts I. Halle 1853, S. 203) aus einer Straß- ^burger Schrift: ritus äsxositionls, 1671, mitgetheilten Schilderung geschah der Anfangmittelst des Aufrufs:Kommt, Bachanten, tret't herbei, Euch will ich ans Euer Festdeponiren auf das Best." Nach andern Spuren (vgl. Trotzendorfs Biographie vonLösch! e, Breslau 1856, S. 16) wurde der NameBachant" anch als allgemeinerSchimpfname für die Leute vom Lehrstand gebraucht. Aus den dreißiger Jahren des17. Jahrhunderts wird uns von Balthasar Schuppius (s. d. Art. nnd Alex. Biäl, Joh.Balth. Schuppius, Mainz, 1857,S. 6) berichtet, daß er deindamals unter den Studentenüblichen allgemeinen Zuge zum Wandern folgend bei dritthalbhnndert Meilen zu Fußzurückgelegt habe, um Städte und Akademien zu sehen." In dieser Gestalt ist freilichdas Wandern der Studirenden ein von jenem Bagabondiren sehr verschiedenes; dagegenhat Schuppius selbst noch in späterer Zeit zu eifernwider wüste, alte Studenten oderVaganten" (a. a. O. S. 65). Daß dieses Geschlecht wirklich noch vorhanden war,also die alten Bachanten in modernen Bettelstudenten sich verjüngt hatten, beweist iobige Dissertation von Mayer, der von diesen sagt: Nocksrni guixxs (so. sobolastioi Ivsgantss) stuckiosoruin nt tnsnntnr titulnm, vantlllancko nut latins ^ualitsrenngueZairlsnclo viatlva sxxstnnt, oastsra vuIZarlbus insnäiols siinilliini. Ein für den schwä-bischen Kreis bestimmtes Edict vom Jahr 1720 (s. ImmbsiZsr, (lisput. irmng'nrnlis äeoironlarlbus sckiotis contra psrsonas xialantss, In sxsois rilnAaros, Jauner und Spitz-buben, Tübingen 1746, S. 13) führt in einer Liste von allem möglichem Gesindel nebeneinander auf:fahrende Schüler, verstellte Geistliche und Ordenslent", und verordnet:non nlsi ouni attsstato aäinittantur, guo sxaminato st snsto rspsrto all snos ro-niittantur, kalso vsro säooto xuniantur. In dieser Gesellschaft hatten die fahrende»Schüler nicht weit zum Galgen. Selbst im 19. Jahrhundert scheint dieses Geschlechtnicht völlig ausgestorben zu sein. Zu dem Verfasser dieses Artikels kamen noch mnsJahr 1844 eines Tages zwei angebliche stnälosi von der Universität M., ans welche,mit Ausnahme des oantlllars, die übrigen Züge der von Mayer gegebenen, jetzt zwei-hundertjährigen Silhouette vollständig paßten. Einen andern Rest der alten Vagan-ten lehrt uns Giesebrecht a. a. O., S. 10, aus einem Reisewerk (Willkomm, Mi I