Adoptivkinder.
Affectirt.
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Adoption auf die neuen Eltern, alle Kindesrechte ihnen gegenüber auf die angenommenenKinder über; jene übernehmen mit dem Rechte die Pflicht, ja umgekehrt noch mehr erstals Wirkung der Pflichtübernahme geht auch das Recht auf sie über, die Kinder ganzebenso zu erziehen, wie sie ihre eigenen Kinder erziehen würden oder erzogen haben.Die Frage, ob das ethische Verhältnis, das im Naturbande zwischen Vater, Mutterund Kind begründet ist, sich durch den, auf freier Entschließung beruhenden Rechtsactder Adoption vollständig ersetzen lasse, ist im allgemeinen ohne Zweifel zu bejahen; dievolle Liebe zu einem Kind ist nicht schlechthin an die leibliche Abstammung gebunden,sie kann sogar einein fremden gegenüber inniger und reiner sein; auch werden sichAdoptiveltern wohl manchmal sorgsamer davor hüten, ihre Gewalt zu mißbrauchen,etwa ein Kind härter zu behandeln, als leibliche Eltern, weil ihnen alles daran liegenmuß, daß das Kind den Unterschied zwischen leiblichen und Adoptiveltern gar nicht zufühlen bekommt. Es ist auf dieser Seite sogar eine Verzärtelung, ja eine Art Verliebt-heit nicht weniger möglich, als auf Seiten der leiblichen Eltern. Und andererseits kanndas Gefühl der Dankbarkeit für die freiwillige Uebernahme der elterlichen Fürsorge ineinen: verständigen und für Liebe empfänglichen Kind stärker wirken, als im eignenKinde, welches die ihm erwiesene elterliche Liebe weit eher als etwas selbstverständlicheshinnimmt. Dies sind mithin sogar Vortheile, welche die Adoptiveltern in Betreff derErziehung vor den leiblichen Eltern voraus haben. Schwierig dagegen würde dieselbein dem Fall, wenn das Motiv der Adoption kein lauteres wäre; dann würde der Zög-ling die Collision zwischen der egoistischen Absicht und zwischen der übernommenenElternpflicht bald zu fühlen bekommen und das ganze Verhältnis als einen ihm ange-thanen.Zwang empfinden. Ebenso'würde die Aufgabe auch bei reinen Motiven danneine schwierige, wenn der Adoptivsohn von seinen: eigenen Elternhaus her ein verdorbenerBursche wäre, der sich der früheren schlaffen Erziehung gegenüber nun zur Neactiongegen eine strengere Behandlung berechtigt glaubte, oder wenn er schon auf dem Punctangelangt wäre, daß er den Vortheil der Adoption begriffe, aber um sich diesen nunzu sichern, äußerlich derart sich benähme, insgeheim jedoch seine eignen Wege zu gehenund die Adoptiveltern zu überlisten suchte. Wo dagegen von Seiten des Kindes solcheNebel nicht zu befurchten sind und die neuen Eltern aus reiner Liebe, aus Erbarmenoder Kinderfreundlichkeit solch einen Schritt thun, da wird sich auch immer das Segens-wort des Herrn bewähren: „Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, dernimmt mich auf" (Matth. 18, 5). Palmer.
Affectirt. Affectirt nennen wir denjenigen, der seinen Empfindungen und Gemüths-bcwcgungen einen übertriebenen und unnatürlichen Ausdruck giebt, es sei in der Miene,Haltung, Kleidung, Sprache oder in irgend einer anderen Form der Sclbstdarstellung.Die Motive des affectirten Wesens sind verschiedenartig; das gewöhnlichste ist Eitelkeit,und wir denken uns daher unter einem affectirten Menschen, bei welchen: diese Formder Selbstdarstellung habituell geworden ist, immer einen eitlen Menschen. Aber währendder Eitle sich von den Urtheileu der anderen abhängig macht und sein Verfahren sowieseine Meinung der Zeit und den Umständen nach verändert, um immer den gesuchtenBeifall zu gewinnen, geht der Affectirte einen Schritt weiter; er anticipirt die An-erkennung und ertheilt sich selbst den Beifall seiner Umgebungen, indem er gcwißeFormen des Benehmens, gcwiße Eigentümlichkeiten des sprachlichen Ausdrucks rc. alsmustergültige in seiner eigenen Person zur Anschauung bringt, überzeugt, daßandere dieser gewählteren Art ihre Bewunderung nicht versagen können. Verwandt istdas affectirte Wesen mit den: gezierten; aber, wenn auch oft mit demselben verwechselt,ihn: doch nicht gleichzustellen. Wer sich ziert, geht zwar in der ängstlichen Sorge umden persönlichen Eindruck auf andere so weit, daß er zuletzt nicht weiß, wie er sichdrehen und wenden soll; aber dieses Bemühen tritt nicht mit Prätension auf, gehtnicht darauf aus, zu imponiren, sondern darauf, durch gefälliges Wesen zu. gewinnen,und richtet sich hauptsächlich nur auf die conventioncllen Formen des geselligen Lebens,die es durch kleinliche Rücksichten noch verbindlicher gestalten will; daher denn geradezu