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Adclichc Erziehung.
giebt, mit einer unerschrockenen Annehmlichkeit sagen, so erzürnen sie sich umsonst." „KleineGroßsprecher, die einen ganzen Saal mit ihrem Geplauder erfüllen, begehen insgenreinspäter nichts besonders rühmliches." — Die Furcht vor der Ruthe wird empfohlen, unddie Wissbegierde sei zu benützen, um dein Kinde allerlei Kenntnisse beizubringen auchbeim Spielen. Soldatenspiel wird den adclichen Kindern sehr empfohlen, „mit bleiernenMännlein und mit kleinen Knaben, auf daß sie commandiren, strafen und loben lernen."Gleicherweise aber habe man gegen vier andere Dinge zu kämpfen, die ebenfalls in derjungen Kinder Natur tief wurzeln, daß sie nemlich übermüthig, eigensinnig, unwahr undunmäßig seien. Bor dem Stolz und Hoffart hat man sonderlich adeliche Kinder zu hüten*),andererseits wird inan ihn aber auch zum Guten lenken können. Der Eigensinn ist inden drei ersten Lebensjahren zu brechen, nachher ist es fast unmöglich. Namentlich alsUngehorsam muß er bestraft werden. Die Umgebung mache diesen Fehler in adelichenHäusern oft sehr schwierig zu behandeln. Bon der Unwahrhaftigkeit der Kleinen sindtreffliche Dinge gesagt, — sie sei ein wesentlich knechtischer Fehler und die Höfe zumalseien Schulen der Lügen. Auch mit dein Leugnen sei streng zu verfahren. Aber phan-tastische Einfälle, wie Kinder sie untereinander als Wahrheit erzählen, seien nicht zubesprechen, aber zu beachten, weil man viel daraus lerne. Lügen ans andere dagegensind das allerschlimmste und teuflisch: „Da muß man Gott bitten, daß er ein solchesböses Herz helfe umkehren." Weiter ist von Tugenden, die hier besonders in Betrachtkommen, die Rede, der Gerechtigkeit, Klugheit, Vorsicht, Treue, Bedachtheit und Selbst-beherrschung, Freigebigkeit, Tapferkeit. — Und auch die weibliche Erziehung kommt nunzur Besprechung; in den bisher angeführten Werken war von den adelichen Fräuleinnicht die Rede. Zum erstenmal lesen wir über die.Wahl einer Gouvernante (s. d.Artikel) allerlei, aber die Mutter sei die beste Gouvernante! — Und nun erst kommtunser Buch auf das Lernen, zuerst auf den Unterricht im Reden, Lesen und Schreiben,und dann in den Wissenschaften. Hofmeister seien entweder gelehrte oder militärische,unter letztern finden sich so gut wie unter jenen Schmeichler und Vergnügensdiener.Der gelehrte Hofmeister solle grundgelehrt, aber kein Schulfuchs sein: latein braucheder junge Herr nicht mehr sprechen zu lernen, aber viel anderes müße er recht lernen!
Wir brechen ab. — Man wird uns erlassen, die Phantasmen Locke's zu skizziren,welcher beiläufig vou dem gemeinsamen Schulwesen nichts hält und nur die häuslicheErziehung eines vornehmen und reichen Kindes durch einen Hofmeister behandelt, wobeier sich ausführlich in Gedanken über die Gesundheitspflege ergeht- Wie unpraktisch erwar, bewies auch seine Ausarbeitung einer Adelsverfassung für Virginien; an der Spitzesollte ein Pfalzgraf, unter ihm die Landgrafen, unter diesen Caziken stehen. Diesepapierene Constitution einer Aristokratie machte einen Versuch zu leben, brach aber baldein unter ihren eigenen Unzweckmäßigkeiten. Andere Philosophen scheinen sich mit der
*) Dcm Verfasser sind hier Beispiele aus seiner Erfahrung eingefallen, die er hier anzu-führen wagt. Eine sechsjährige russische Prinzessin ließ sich beigehen, ihre Kaminerjungfer undam Ende auch die Gouvernante sehr stolz zu behandeln: js vous l'urUunne, je le veux, je suisM'ineesse. Die Gouvernante klagte cs der Mutter, dlais je suis None priueesse! sagte dieKleine. Aber keine Fürstin, welche befehlen kann, erwiderte die Mutter. Und damit du siehst,daß die kleinen Fürstinnen nicht viel zu sagen haben, so dürfen dich jetzt die Mädchen und Diener,bis ich es wieder erlaube, gar nicht mehr Fürstin nennen, und du darfst ihnen nichts mehr befeh-len. Ich bin die Fürstin, welche befiehlt, und ich degradire dich auf drei Wochen. — Das-selbe Kind erhielt aus einem Spaziergang vom Diener des Hausarztes ein zierliches raschgefertigtesKörbchen mit Blumen: O wie danke ich dir, Iwan! rief sie mit nberströmendem Jubel. Unddieselbe Gouvernante schnarrte: II na Mut jamuis remm-eier uu »loiuestuiuo! —
Die Unparteilichkeit scheint indessen zu erlauben, daß wir auch an die Art erinnern, wie dieenglische Aristokratie häufig vom trmlos pevple spricht und ihre Kinder sprechen läßt. Verfasserwar ebenfalls Zeuge, wie ein kleiner Landjunkcr in Gegenwart des hochadelichen Vaters den Kochschimpfte: xou bluoiix, «lirtz- Uupist! Der Papa meinte erfreut, sein Söhnlein sei riZbt trusblue! Er war nämlich selber ein echter Orangeman.