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Adeliche Erziehung.
und ohne Begründung auf historische Verhältnisse und auf das Christeuthum. In Italienwar überhaupt das Ritterwcsen früh gebrochen, und der Adel nie zu so in sich abge-schlossener Form gelangt. Man ließ dort früh die Untersuchung über die Geburt nud in-folge der steten Kämpfe mit Bischöfen und Päpsten und der daraus erzeugten geringenAchtung vor der Kirche auch die Rücksicht auf das kirchliche Verhalten der ritterlichenLeute weg, und da die Italiener viel zu weltlich politisch, viel zu praktisch waren, als daß siesittliche Opfer hätten bringen mögen, fragte man auch wenig nach gehaltener Lehenstreueund ehrlich gebrauchten Waffen. — In einen: wohlthuenden Gegensätze dazu steht ein inDeutschland gedrucktes Werk: Ds sckuonuciis srnckisnckisgus prinoipum libsris rsixubli-ons Aubsrnnnckns clsstiimtis, cksgus rspubiios. obristinrm nckiuiuistrnnckn,, nuvt. Oonr.Usrssbnoirio, Vrnuool. all Nosnuin 1570. 4.; nur bezieht es sich zunächst auf dieErziehung von Fürstensöhnen, wie es denn auch für den Herzog Wilhelm von JülichCleve Berg geschrieben ist, und für adeliche Erziehung nur indirecte, allgemeinste Dingegiebt.,j—'^Bezeichnend aber seiner Signatur nach ist wiederum I). Ilisron^ini Ok-oriiImsitnui spisoopi Lzckvsimis cko rsgis institutions st ciisoiplina Inbri VIII. Ooion. rlgr.1572. Obgleich von des Königs Erziehung handelnd, enthält es doch auch für die neueAdelsstelluug bedeutende Winke. Der gelehrte und fromme portugiesische Bischof, welcherauch Geschichtsschreiber des Königs Emanuel war, unter dem der Seeweg nach Ostindiengefunden wurde, verstand seine Zeit wohl. In Portugal hatte schon in den Saracenen-kämpfcn der .höhere Bürgerstand in den Städten niedere Adelsrechte erhalten; der höhereRitteradcl, die Lehensherren aber hatten im löten Jahrhunderte die Hoheitsrechte fastsämmtlich an den König verloren, und ihre höchsten Ehren bestanden seitdem darin,des Königs Diener zu sein, welchem die vornehmen und immer mehr sich hebendenStädter d. h. niederen Adelichen durchaus ergeben waren. Diese entwickelten in ihren
Entdeckungs- und Eroberungszügen eine kriegerisch abenteuerliche, wahrhaft heldenmäßigeGesinnung, und so schmolz am Anfang der neueren Zeit das mächtige Element derSeefahrt und des Handelsgeistes wunderbar mit dem Nitterthum zusammen.
Bisher spielt die Pagenerziehung immer noch eine Nolle, wenigstens insofern, alsdie anfwachsenden Sprösslinge des Adels zu ihrer Bildung noch öfters an Höfe, inAdelskreise, — in Portugal wohl auch zu Schiffe — gegeben werden, und dabei guteLehrmeister in den passenden Wissenschaften und Künsten haben. Deutlicher tritt dieHofmeistererziehung im nächsten Jahrhundert hervor. Georg Engelhard von L o h n e h sHof-, Staats- und Negierkunst in dreien Büchern, deren Erstes „ von der Erziehung undInformation junger Herren" handelt, Franks, am Main 1679 Fol., will übrigens aus-drücklich, daß „Pagen und Knaben gleichen Alters, guter Sitten, dem jungen Herrn zu-geordnet werden", und giebt außerdem eine Menge wohlbedachter Bestimmungen. Auchsoll der junge Herr.ab und zu mit vornehmen, politischen, gelehrten Leuten umgehen,und mit ihnen wohlreden und vorsichtig scherzen lernen, aber keinerlei üble Gesellschaft,als von gemeinen Knechten, Possenreißern und Fuchsschwänzern um sich haben. Die Unter-weisung in: rechten Glauben und in der Gottesfurcht, im rechten Benehmen gegen dieEltern und Verwandten, und gegen den Lehrer, sowie gegen Diener und Unterthanenwird sorgfältig behandelt. Mit letztem soll er sich nicht gemein machen, den Ernst sehenlassen, aber nie soll man ihm erlauben zu schlagen. Nie soll man ihn müßig gehen,sondern soisntins st urtss wohl lernen und allerlei adeliche Leibesübungen vornehmenlassen. Zuletzt aber auf Reisen schicken: ein Bildungsmittel, worauf schon früher eingroßer Werth namentlich für die jungen Cavaliere gelegt wurde.
Welche Wissenschaften und Künste aber der junge Adeliche lernen soll, das sagenuns ausführlich und charakteristisch andere Schriften, welche auf das Wissen den Haupt-
*) Ein noch früheres Werk solchen Inhalts kann Res. leider nur nach einem alten Bücher-kataloge citiren: Reinh. (Lorich) Hadamarius, wie junger Fürsten vnd großer Herren kinder recht-schaffen instituirt vnd vnterwiscn. Marpurgi ap. Euch. Cervicornnm. 1537. 4. Er hat es nichtzu Gesicht bekommen können.