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Achtung.
verkehrt handelte dagegen der Pfarrer, welcher bei der Jntroduetion eines Lehrers, derüberdies als zweiter Geistlicher sein College war, mit Nachdruck betonte: „Man wirdnur dann gegen Sic einschreiten, wenn Sie dazu Veranlassung geben"!!!
Doch wie soll geholfen werden? Vor allem hat der Erzieher darauf zu sehen,daß er durch intellectuelle und sittliche Ueberlegenheit dem Zögling imponire. Seineganze Haltung muß eine Achtung gebietende sein; er muß den: kindlichen Gemüthein möglichst idealen: Lichte erscheinen und, soweit es geschehen kann, ohne sittliche Ge-brechen. Er muß die Schwächen seines Charakters, natürlich nicht in heuchlerischerWeise, zu verbergen, d. h. zu bemeistern suchen. Nähme er freilich nur den Scheineines gottseligen Wesens an, während er dessen Kraft verleugnete, so würde das Nebelnur um so größer werden. Die Entdeckung einer Unwahrheit müßte seinem Ansehenweit mehr schaden, als die Warnehmung eines kleinen Fehlers, welchen der Zöglingbei einen: wegen der Liebe zu seinem Berufe und wegen seines Eifers sonst geliebtenLehrer gern übersieht (Baur a. a. O. 241.). Selbst in seinem äußeren Betragen, inseinen Manieren, in seiner Kleidung muß der Erzieher alles vermeiden, was Anstoßerregen, oder ihn gar lächerlich machen könnte (s. den Art. Anstand). Schon um derAchtung bei den Kindern sicher zu sein, sollten die Eltern sich bemühen, daß sie dieFragen kindlicher Wissbegierde, so weit sie Gegenstände der allgemeinen Menschenbildungbetreffen, zu beantworten im Stande sind. Noch mehr wird dieses von den: Lehrer er-wartet. Es sei ihn: eine heilige Gewissenspflicht, sich immer so gründlich vorzubereiten,daß er nicht in Verlegenheit kommt, wenn er auch durch Fragen der Schüler genöthigtwird, beim Unterricht ein wenig abzuschweifen. Trifft es sich jedoch einmal, daß er diegewünschte Auskunft nicht zu geben vermag, so gestehe er dieses offen ein, bemühe sichaber möglichst bald, wenn es irgend geschehen kann, die Wissbegierde des Zöglings zubefriedigen. Baur sagt mit Recht (Erziehungsl. 149.): „Der kindliche Glaube an dieUntrüglichkeit und Allwissenheit des Lehrers muß doch einmal aufgegeben werden, undes ist kein Unglück, wenn der Zögling dagegen eine Ahnung eintauscht von einer Aus-dehnung des Gebiets menschlichen Wissens, die so groß ist, daß selbst der so hochgeach-tete Lehrer sie nicht zu umfassen vermag. Den sonst tüchtigen Lehrer wird das Kindum jenes offenen Bekenntnisses willen nicht weniger achten, sich vielleicht aber mit zu-traulicherer Liebe an ihn anschlicßen, wenn es warnimmt, wie auch er noch in: Ringennach Bildung begriffen ist." <Vgl. Beneke, Erziehungsl. II. 741. f. Gedike's GesammelteSchriften I. 409.) In seinen: geselligen Verkehr muß der Erzieher vorsichtig sein undalles dasjenige, was ihn in den Augen seiner Zöglinge herabsetzen könnte, als fürsich verboten betrachten. Besonders hüte er sich bei geselligen Ergetzlichkeiten, sich alsKameraden seiner Zöglinge zu geriren. Je größer dieselben sind, um so vorsichtigermuß er sein, daß auch nicht für einen Augenblick das Verhältnis der Gleichheit undBrüderlichkeit eintreten kann. Dem zweijährigen Knaben mag der Vater wie weilandKönig Heinrich zum Reitpferd dienen, den Schlitten ziehen u. s. w.; der sechsjährigeerhalte Aehnliches nur als ganz besondere Gnadenerweisung. Mit letzteren: mag mausich noch einen Scherz erlauben, der bei dem vierzehnjährigen bedenklich ist. EigentlicheNeckereien sind aber selbst den kleineren Kindern gegenüber verwerflich, weil sich dadurchder Erzieher der Gefahr aussetzt, ebenfalls geneckt zu werden (Schwarz, Erziehungsl.III. 68. Curtman „Schule und Leben" S. 35.). Die Lehrer an Gymnasien und Real-schulen und ähnlichen Anstalten haben Recht, wenn sie die Schüler der oberen Classenin angemessene gesellige Zirkel ziehen und dieselben als Heranwachsende Jünglinge be-handeln, doch darf der Verkehr niemals in Vertraulichkeit ausarten (Beneke I. 435.).Auch Primaner dürfen es nicht vergessen, daß sie noch nicht Ebenbürtige sind. Umdieses Bewußtsein zu erhalten, werden in manchen höheren Lehranstalten auch die Schü-ler der obersten Classe mit den: vertraulichen „Du" angeredet. Es lassen sich hinläng-liche Gründe anfiihren, diese Sitte zu rechtfertigen. Sind die Zöglinge auch schon inden Jahren, wo jeder andere die Convenienzsprache gegen dieselben gebraucht, so bleibtihnen das „Du" eine Erinnerung daran, daß der Lehrer in einen: andern Verhältnis