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Mbitte.
hervordrängen; und wer könnte einer solchen Bitte: „o Mutter, sei wieder gut!" langewiderstehen? Aber eine ganz andere Frage ist es, ob solche Bitte vom Kinde gefordert,ob sie zur oonckitio sine gun non für die Verzeihung gemacht werden soll. Mankönnte versucht sein, dafür zu stimmen, nicht wegen der Gegenwart — denn das Kindkann seine wirkliche Neue statt in solch einer Formalität viel besser durch's wirklicheNichtmehrthnn an den Tag legen —, sondern wegen der Zukunft, damit es nämlichdie Scheu vor solcher Demüthigung überwinden lerne und desto bereitwilliger auch inreifen Jahren einen Fehltritt vor Gott und Menschen abbitte. Es muß ja, wir gebendies zu, in manchen Stücken dasjenige zuerst äußerlich, selbst mechanisch eingeübt wer-den (wie z. B. das Bitten und Danken über Tisch u. dgl.), was hernach der freieAusdruck der Gesinnung sein soll. Gleichwohl muß man Bedenken tragen, die For-derung ausdrücklicher Abbitte, die Gewöhnung an die Leistung derselben zu einer päda-gogischen Regel zu erheben. Erstlich giebt es, wie wir aus der Erfahrung sattsam be-legen können, deren nicht wenige, die von Eltern und Lehrern niemals zu solch einerAbbitte sind angewiesen worden, die vielmehr, wo sie es brauchten, ohne weitere Um-stände ihre Strafe empfiengen oder auch Pardon erhielten, wenn die Erzieher sie dessenfür würdig erachteten, und die in reiferen Jahren dennoch die volle Bereitwilligkeit anden Tag legen, ein begangenes Unrecht einzugestehen und zu depreciren. Folglich mußdiese Bereitwilligkeit, die wir nach christlicher Weise zur Büßfertigkeit zu rechnen haben,noch aus einer andern Quelle fließen, als aus jener äußeren Gewöhnung. Ist derinnere Trotz, der nicht Unrecht haben oder auch im Unrecht lieber consequent bleibenwill, einmal gebrochen durch tiefere sittliche Grundlegung, durch Heiligung, und istandererseits die Blödigkeit, das verlegene, unbeholfene Wesen durch den Muth derLiebe und des sittlichen Ernstes innerlich überwunden, so kommt auch die Abbitte alsTheil der Buße sicherlich von selber, wo sie kommen soll. Wird aber zweitens gesagt:gerade jenen Trotz und diese Blödigkeit soll die frühe Gewöhnung an die Leistung derAbbitte besiegen, so erwidern wir: es ist individuell möglich, daß der Zweck durchdies Mittel erreicht wird, aber ebensogut — wir müßen glauben, in der Mehrzahlder Fälle — kann er auch durch dasselbe vereitelt werden. Ein Knabe ist sich seinesUnrechts vielleicht bewußt; es thut ihm leid, den Vater betrübt zu haben; er sucht esdurch gesteigerte Aufmerksamkeit, Dienstfertigkeit :c., gut zu machen. In dieser stillenBuße muß man ihn nicht stören, vulZo beschreien; der zarte Blüthenkelch des Ge-wissens in seiner Liebe schließt sich nur allzuleicht wieder bei plumper Berührung;zwinge ich ihn zu einem Acte, der ihn verlegen macht, ihm darum peinlich ist, so kanngerade hiedurch der Trotz geweckt und gestachelt werden, den die Liebe in der Stilleüberwunden hätte; er geht von solcher Scene mit innerer Bitterkeit weg, zumal wenndieselbe in Gegenwart anderer vor sich gieng, und so ist das zweite Nebel schlimmerals das erste (Vgl. die kurze Bemerkung von Waitz, allg. Päd. S. 182 ). Aber dieWirkung kann auch die sein, daß sich das Kind sehr leicht an solche Formen gewöhnt.Ist damit wirklich etwas sittlich hochanzuschlagendes gewonnen? Wir glauben nicht.Daraus werden Menschen, die allerdings wegen jeder andern Meinung, die sie zuhaben wagen, um Verzeihung bitten, — bei denen wenig fehlt, sie würden selbst dafürdepreciren, daß sie überhaupt existiren. Gebricht es solchen entweder an allem menschen-würdigen Selbstbewußtsein oder an strengem Wahrheitssinn, so ist die Abbitte nichtswerth. — Soll mit dem Gesagten immerhin nur gegen die Erhebung dieser Maßregelzu pädagogischem Gesetz Einsprache gethan werden, da der sittliche Zweck bei manchenKindern auf diesem Wege geradezu verfehlt, bei manchen aber auf anderem, wenigerzweideutigen Wege ohnehin erreicht wird: so rechnen wir zu letzterem ein der Abbitteconformes, unserer Ueberzeugung nach viel wirksameres Verfahren. Der Erzieher flichtin das Abendgebet, das der Zögling ihm wörtlich nachspricht, die Bitte um göttlicheVerzeihung für die speciellen Vergehen, die den Tag über vorgekommen sind,namentlich wenn sich eine von größeren: Belange darunter findet, mit ein; die Stim-mung des Kindes ist in diesem Momente ruhiger, das Gewissen kommt eher zum