Südamerika.
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9400. Die Kosten der Oberaufsicht endlich nahmen 21,000 Pesos in Anspruch, nemlich17,000 für Besoldungen eines Generalinspcctors und 14 Provincialinspcctoren, nebst4000 Pesos für ihre Reisediäten. So erzieht sich als Gesammtsnnune 325,056 Pesos,und das ist notorisch unzulänglich. Da die älteren Ersparniste erschöpft waren, mußteman Mittel suchen, um Geld zu schaffen. Zur Zeit seiner ersten Präsidentschaft hatteMontt den Zehenten in eine Grundsteuer zu Gunsten der Kirche und Schule verwandelt:aber er hatte sich Labeibedeutend verrechnet! Es giebt Wohl einige Stiftungen: ein undanderer cdcldenkendcr Privatmann hat da und dort der Schule seiner Vaterstadt oderseines Heimatdorfes eine Rente vermacht, aber alles das will nicht viel sagen. Sollteman von den Söhnen der wohlhabenden Familien ein Schulgeld zahlen lassen? Manwürde beinahe nichts erhalten, denn die öffentlichen Schulen werden hauptsächlich nurvon armen Kindern, besucht: die andern gehen in eine Privatschnle oder haben Haus-lehrer. Die Damen von Santiago haben einen Wohlthätigkeitsverein gestiftet, welcherLotterien veranstaltet, deren Ertrag für die Erziehung armer Mädchen bestimmt ist;das ist wiederum nur ein Tropfen ins Meer; und es fragt sich erst noch, ob es wohlgcthanist, zu solchen Mitteln zu greifen. — Die Staatsbehörde muß sich einstweilen gedulden,jedenfalls thnt sie für jetzt was sie kann. Man eröffnet jedes Jahr einige neue Schulen,man baut, man reparirt Schullocale, — man begnügt sich damit, langsam fortzuschreiten,aber man schreitet immerhin fort.*) In der letzten Zeit hat man auch einige Klein-kinderschnlen gegründet.
Die Geistlichkeit macht sich in den Primärschulen nichts zu thun, als daß sie denReligionsunterricht überwacht, und vorkommenden Falls an die competente Civilbchördeberichtet, wenn sie über Misbränche in dieser Richtung Bemerkungen zu machen Anlaßgefunden haben sollte. Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat ist hier kein sogespanntes wie in den andern südamcricanischen Freistaaten. **)
b. Mittlerer Unterricht. Die umstehende Tabelle, welche Wappäus***) demLmnario ostnäistico äo In rsxublien äo Odile entlehnte, erspart uns eine längereAuseinandersetzung: sie bezieht sich auf das I. 1863.
Man sieht, daß unter den eolsZstos üsoales vier bischöfliche Seminare (sominariosoouoiliares) aufgeführt sind. Sie werden nemlich vom Staat unterstützt, namentlichin Santiago, wo unabhängig von den Classen in Len alten Sprachen ein philosophischerund zwei theologische Cursc gehalten werden. Die weltlichen lioeos und eoloAios stehenunter der Aufsicht der Universität, aber der Einfluß der Regierung ist hier ein sehrmächtiger, insofern als die Ernennung und Abberufung der Professoren in Wirklichkeitihr anvertraut sind. Der Unterricht ist unentgeltlich. Man hat in der letzten Zeitbemerkt, daß das Studium der elastischen Sprachen eine Einbuße erlitten hat zu Gunstender cracten Wissenschaften. Die tüchtigsten Männer bedauern das, die Gymnastik desGeistes fehlt einem solchen Studium, und selbst vom Standpunct jener Wissenschaften
*) Das gesammte Budget der Staatseinnahmen, welches im I. 1864 nur 6,654,912 PcsoSbetragen hatte, hob sich im I. 1867 auf 9,756,838 P., im I. 1868 auf 10,694,974 P., und imI. 1869 auf 11,484,806 P. Allerdings haben sich auch die Ausgaben in gleichem Verhältnisvermehrt; — man hat Eisenbahnen bauen müßen! Der Credit der Republik steht doch so festwie jemals.
**) Der katholische Cultus ist der einzige, dessen öffentliche Begehung officiell geduldet ist,übrigens sind die Protestanten ziemlich zahlreich in den Seehäfen und in der deutschen Colonievon Llanquihuk. Der römische Klerus ist, was die Ernennung zu höheren kirchlichen Würdenbetrifft, unter das Patronat des Präsidenten der Republik gestellt. Die Veröffentlichung derpäpstlichen Bullen, der bischöflichen Hirtenbriefe re. re. ist gleichfalls seinem Placet unterworfen.Es hat das gewiße Reibungen zur Folge gehabt: man hofft indessen durch ein Concordat sichzu verständigen. Das war schon der Gedanke Pius' IX. im I. 1824, als er einige Zeit inChile als Secretär des apostolischen Vicarö zubrachte.
*'*) Nachträge, S. 889.