Druckschrift 
9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
Seite
845
Einzelbild herunterladen
 

Südaincrica.

845

der unter ihnen stehenden Schulen betraut sind. Diese Einrichtungen in Sachen derVerwaltung und Ucberwachnng haben übrigens erst einige Jahre später in Wirksamkeittreten können: am Ende des I. 1861 waren sie beinahe vollständig organisirt und durchbesondere Verordnungen geregelt. In das gleiche Jahr fällt die Reorganisation derUniversitäten und die Errichtung einer großen Anzahl von Schulen, namentlich derKunst- und Gewerbeschule, für welche nichts gespart wurde. So erklärt sich wohl dieplötzliche Vermehrung des Budgets.

Wir haben oben gesagt, daß die Universität Lima nur noch dem Namen nachexistire, insofern als die Professoren als solche nur functioniren, um Diplome zu erthcilcn.Die Studien werden in Fachschulen gemacht; hichcr gehören das oolsgio äs 8nnOarlos, für die Philosophie, die Jurisprudenz*) und die Naturwissenschaften; ferner daseolsAio äs In Inäspsnäsnoia (ehemals äs 8an l?srnanäo), welches ausgezeichneteLocalitäten, eine gute Bibliothek, mathematische und physikalische Instrumente und einchemisches Laboratorium besitzt: cs ist eine der besten medicinischen Schulen in ganzSüdamcrica. Im 1.1860 zählte man daselbst 17 Professoren und 192 Zöglinge. **) DieTheologie wird studirt im erzbischöflichen Seminar (dem ehmaligen von S. Toribio gegrün-deten OolsZ-io, s. ob.); cs besitzt ein Einkommen von 7000 Pesos (11 Professoren, 106 Zög-linge im Jahr 1857). Zur Zeit der Reorganisation von 1861 erhoben sich zwischen derRegierung und dem Erzbischof Schwierigkeiten, indem der letztere die ausschließlicheLeitung der Curse beanspruchte; man vertrug sich übrigens gütlich, indem man demKlerus das Recht zucrkannte, über die Reinheit der Lehre zu wachen. Diese Reor-ganisation erstreckte sich über das ganze Gebiet des öffentlichen Unterrichts. Eine Com-mission wurde beauftragt, ein allgemeines Grnndgeschbnch des öffentlichen Unterrichts-Wesens abzufasscn, dessen nächste Wirkung sein sollte, den Unterricht in den verschiedenenSchulen und zumal in den größeren wissenschaftlichen Anstalten jeder Art in Beziehungzu den Programmen der Prüfungen zu bringen. Die Kunst- und Gewerbeschule ist derAnwendung dieser Verordnungen ans dem gleichen Grunde wie die Univcrsitätscollcgicnunterworfen; sic gehört übrigens der Negierung, welche ein großartiges Gebäude fürsie errichten ließ und ihr Personal reichlich besoldet (es sind daselbst 1 Dircctor, 1 Uutcr-dircctor und 4 Professoren, sämmtlich Civilingenieurc, gebornc Franzosen). Gleichwohl istdie Anstalt nicht so besucht wie sie es sein sollte: sei cs weil die studirende Jugend zugleichgültig dagegen ist, oder weil man einmal gewohnt ist, wenn man die Mittel hat,die europäischen Bcrgwerksschulcn oder polytechnischen Institute zu besuchen. Und doch hatPeru eine Zukunft, zunächst schon wegen der bedeutenden Mineralrcichthümcr des Landes,sodann wegen der neuerdings lebhaft betriebenen öffentlichen Arbeiten, insbesondere derEisenbahnbautcn.

Wie Lima, so besitzen auch Trujillo, Ayacucho, ***) Cnzco und Puno Universitätendem Namen nach. Der öffentlichen Oolegios waren es im I. 1860 zusammen 30(darunter 3 für Mädchen); außerdem gab cs 38 Privat-co1o§io8 (14 für Mädchen);überdies besaßen die 6 Hauptorte der Diöcescn (Lima, Chachapoyas, Trujillo, Ayacucho,Cnzco und Areguipa) sogenannte ssminarios osnoiliarss, in welchen außer der Theologieauch noch Mathematik und Jurisprudenz gelehrt wird. In allen diesen Anstalten stehenindessen die Studien auf ziemlich niederer Stufe. Die eolegios imoionalss können kaummit den europäischen Realschulen verglichen werden, mehrere sind einfache Bürgerschulen.Es giebt in Lima noch eine Militärschnle, eine Navigationsschule (deren Dircctor, oleosmograxllo mazmr, keine Besoldung empfängt, aber dafür das Recht hat, zu seinemVortheil Len peruanischen Calcnder herauszugeben), ferner eine Hcbammcnschule;endlich eine Mittelschule (oolegio äs nusstro. Lvüoru äs Onaäaluxo).

*) Es giebt in Peru viele Studirende der Rechte, zu viele sogar, wenn man erwägt, wieviele Advocaten ohne Praxis daselbst sich finden!

Und doch waren im gleichen Jahre in ganz Peru nur 123 Aerzte, worunter 57 in Lima.

*") Das ehemalige Guamanga.