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9 (1873) Spanien - Vives
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Südamerica.

verlangt, daß jeder Wähler soll lesen und schreiben können, nicht mehr durchführenkann. Im I. 1855 zählte man im ganzen Land nur 110 Schulen auf 565 Kirch-spiele, und was für Schulen, kaum mit dem Allcrnöthigsten versehen, elend dotirt, undsozusagen ohne alle Aufsicht! Wenn man die Privatanstalten hinzurechnet, erhältman für das genannte Jahr die Summe von 211 Primarschulen, welche von5433^ Schülern besucht wurden; nun überstieg aber damals die Bevölkerung des Frei-staats die Zahl von anderthalb Millionen. Die Erziehung des weiblichen Geschlechts ist langeZeit sehr zurückgeblieben: entweder schickte man die Mädchen in das Kloster, wo sie in denGewohnheiten einer engherzigen Bigotterie- gehalten wurden; oder die Töchter derreichen Familien namentlich wurden zu Hause erzogen, beschäftigten sich aber beinahemit nichts als mit der Erlernung oberflächlicher Fertigkeiten, welche ihren eitclnNeigungen dienen; alles half zusammen, um ihnen Geringschätzung gegen die Be-schäftigung mit der Haushaltung und gegen die häuslichen Tugenden cinzuflößcn. Bei-läufig bemerken wir hier, die Scheidung der bürgerlichen Gesellschaft in Elasten ist trotzder republikanischen Verfassung in Venezuela schärfer ausgeprägt, als in den Nachbar-ländern. Unter der vorausgehcnden Regierung war das Kastenwesen sozusagen in dieVolkssitte übergegangen, und solche Erinnerungen verwischen sich nicht über Nacht.Neuerdings hat sich die Verwaltung mit diesen Zuständen beschäftigt: eine höhereTöchterschule ist in Maracaybo errichtet worden, einen Fonds für eine allgemeine Dotationdes Schulwesens hat das Ministerium der Aufklärung (äsl komsnto) gegründet; gegenEnde des Jahrs 1870 ist eine junta iusxsetora, als Einleitung für die Einrichtung einescolsxio naolonal äs niüas in der Hauptstadt eingesetzt worden. Die Journale von Caracas,LI Oonstitueional, Im Oxinion imoioiml u. s. w. sind andererseits voll von hochstrebenden,phrasenhaften Declamationen über die Wohlthaten des Unterrichts, aber wir könnennicht umhin es auszusprechen, all dieser Aufwand von Begeisterung erweckt in uns nurein halbes Vertrauen. Gute Maßregeln verlangen und beschließen, das ist unstreitigschon ein guter Anfang, und in solchen Dingen ist cs ganz recht, wenn die Presse dieBehörde unterstützt; aber die besten Pläne sind nur dann etwas Werth, wenn man sichauch angelegen sein läßt, sie zur Ausführung zu bringen. Die hispanische Art aberfindet sich gerne mit hohen Worten ab, sie perorirt lieber, als daß sie handelt.

Der mittlere und höhere Unterricht gewährt ein befriedigenderes Bild, dank denHinterlassenschaften der Jesuiten, welche in Maracaybo ein blühendes und regelmäßig organi-siertes oolöAio gegründet hatten, in welchem die spanische und die alten Sprachen, die Poesie,Rhetorik und Philosophie gelehrt wurden. Wir nennen ferner das eolsAw von Me'rida,welches der Provinz bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts als Universität diente, undwelches, obgleich man ihn: diesen Titel im I. 1801 nicht zugestehen wollte, dennochfortwährend der Universität von Caracas Concurrcnz machte. Die letztere, hervorge-gangen aus einem im I. 1696 von dem Erzbischof Antonio Gonzales de Acunhagegründeten colo§io, wurde im I. 1722 von Philipp V. mit Genehmigung desPapstes zu dem Range erhoben, den sie gegenwärtig cinnimmt, aber erst 1725 alsUniversität feierlich eingeweiht; ein oolsAio für den elementaren Unterricht blieb alsVorschule mit derselben verbunden. Im I. 1802 zählte man daselbst 12 Lehrstühle,64 Pcnstonatszöglinge und 402 Externe. Heutzutage sind die beiden Universitäten vonCaracas und von Me'rida Staatsanstalten, wie auch die medicinische Schule (laouläaämeäioa) in Caracas. Im I. 1855 hatte die erstgenannte 23 eatsäras sn activiäaäund 802 Studenten; ihre Dotation, welche der Hauptsache nach aus den Einkünftendreier Landgüter und aus Staatspapieren bestand, belief sich auf 39,187 Pesos; die Aus-gaben erreichten die Summe von 35,601 Pesos, wovon 14,078 für die Besoldung derProfessoren ausgcsetzt waren. In Merida waren im I. 1854 12 Professoren und153 Zöglinge. Der mittlere Unterricht, welchem die Einkünfte der Kirchengüterzugewiescn sind (nach einem Gesetz der ehemaligen Republik Columbia), und welcherüberdies Staatszuschuß genießt, nur allzu kärglich, wird in 13 eolsssios uaeionalss er-