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9 (1873) Spanien - Vives
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Südamerica.

noch hervorzuheben, daß der Rector dem Doctoranden einen Eid abnahm, mit welchemdieser unter anderm sich verpflichtete, das Mysterium der unbefleckten Empfängnis zuvcrthcidigen, und die Lehre vom Königsmord und Tyrannenmord zu verwerfen.

Im I. 1791 zählte man an der Universität 134 Doctoren der Theologie, 164 desRechts, nur zwölf der Medicin und 6 Magister der freien Künste (muostros on urtes).Bei diesen mußte Wohl die Qualität ersetzen, was an Quantität abgicng. Man kannden Peruanern, trotz ihrer großen Beweglichkeit, Eifer für das Studium und wirklicheLeichtigkeit in: Erfassen der Principien der Wissenschaften keincswegcs absprechen, abersie sind vielleicht weniger ausdauernd als die Mexicaner z. B.*), und man muß diehervorragenden Männer, die unter ihnen ausgetreten sind, um so mehr preisen, als dieveralteten, aber bis in unsere Zeit herein auf den spanisch-amcricanischen Schulen herr-schenden Methoden mehr geeignet sind, die Entwicklung der Geister zu hemmen, als siezu fördern.

Außerhalb des Universitätssystems im engeren Sinne haben indessen, wie man an-erkennen muß, gcwiße Specialfächer seit etwa hundert Jahren in Peru verhältnismäßigsehr erfreuliche Erfolge aufzuweisen gehabt. Die Bourbonen machten es sich zur Pflicht,so viel als möglich namentlich das Studium der Naturwissenschaften zu befördern, welchein Ländern, die so große Schätze aller Art bergen, von der größten Wichtigkeit sind.Wir wollen nur die Pflanzenkunde als Beispiel anführcn. Die Inkas hatten einenhoben Werth auf diese Wissenschaft gelegt, **) die spanischen Aerzte achteten sie währendeines ganzen Jahrhunderts gering. Vergeblich suchte im I. 1637 der Doctor Alonzoseine Collegen bei ihrer wissenschaftlichen Ehre zu fassen, indem er ihnen vorwarf, sicseien unwissend in Vergleich mit den indianischen Aerzten, welche die Heilkräfte einerMenge der ausgezeichnetsten Arzneipflanzen kannten. Er predigte tauben Ohren. Erstunter Karl III. wurde der botanische Garten zu Lima angelegt, und begann man die reicheVegetation der Anden mit sorgfältiger Aufmerksamkeit zu untersuchen. In die Looisäuäuouäomiou Inmoün kam ein neues Leben, endlich 1790 wurde ein Lehrstuhl gegründet.Bald wurden alle Zweige der physischen und naturgeschichtlichcn Wissenschaft regelmäßiggelehrt, die Entdeckungen mehrten sich mit dem Eifer der Gelehrten. Die Wirkungenauf den Landbau und auf den Handel machten sich fühlbar, das Land gewann mehrdabei, als durch die Ausbeute der Bergwerke, welche aus Gründen, mit denen wir unshier nicht zu beschäftigen haben, in Peru nie so gewinnbringend war, wie in Mexico.Leider werden wir zu berichten haben, daß dieses wissenschaftliche Streben nicht vonDauer gewesen ist.

Außer der Universität des heiligen Marens besaß die Hauptstadt Perus ehedemnoch mehrere höhere Schulanstalten, von welchen eine speciell dem Unterricht im Lateinund in der Literatur gewidmet war. Die Elementarschulen waren öffentlich, unentgeltlich,man lieferte den Kindern sogar die Lehrbücher und Schreibmaterialien. Aber die Klösteraller Art waren noch zahlreicher als die Schulen, und zahlreiche Unterstützungen vonSeiten der Regierung, z. B. zur Ausstattung von Mädchen, welche Nonnen werdenwollten, begünstigten ihre Verbreitung noch mehr.

Wenden wir uns nun nach Mexico. Die Universität war hier wie in Limaganz nach Art der europäischen Hochschulen eingerichtet und hat auch beinahe dieselbenWandlungen durchgemacht wie ihre Schwester, um am Ende gleicherweise factisch auf-gehoben zu werden, wenigstens insofern als der höhere Unterricht gegenwärtig nur noch

*) Humboldt a. a. O. Bd. II. S. 11.

") Die alten Peruaner waren wirklich in einigen Gebieten des Wissens weit vorangeschritten.Es ist z. B. bemerkenswert!), daß sie in der Rechenkunst dahin gelangt waren eine Million miteinem einzigen Ausdruck s^IIunu") zu bezeichnen. Nichts destowenigcr scheint ihre Bildung imallgemeinen lange Zeit hindurch weit unter derjenigen der Azteken geblieben zu sein, denn kaumerst seit einem Jahrhundert vor der Ankunft der Europäer besaßen sie Gesetzsammlungen, Jahr-bücher und Poesien. Vgl. Wappäus, S. 631.