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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Vivcs.

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ausführte, wozu Vivcs den Grund gelegt habe. (Freigius war einer der eifrigstenAnhänger desRamisinns," vergl. Morhof, Polyhist. II. I. 12, 1, wo übrigens dieStellung von Ramus zu Vives und die Bedeutung des letzteren für die Kritik deraristotelischen Philosophie ganz verkannt wird.)

Was insbesondre die Dialoge betrifft, so bemerkt Freigins, er habe sie nicht nurselbst von seiner Kindheit an eifrig gelesen, sondern auch bemerkt, daß sie fast in allenSchulen um die Wette behandelt werden, wobei es jedoch viel Klagen gebe wegen derSchwierigkeit der zahlreich vorkommenden seltenen Wörter. In der That hat Vivesdas Ziel zu erreichen gesucht, so weit als irgend möglich alles, was das damalige mo-derne Leben in Schule und Haus, auf dem Markte und in der Wcrkstätte mit sichbrachte, in bestimmten, nicht etwa bloß umschreibenden lateinischen Ausdrücken zu be-zeichnen, und ist dabei zwar mit Fleiß und Umsicht, aber auch mit großer Kühnheitzu Werke gegangen. Was sich nur immer in den technischen Schriften der Alten vonspecicllen Ausdrücken für Gegenstände des täglichen Gebrauchs auftreiben ließ, hat Vivcshervorgesucht und den Dingen und Verhältnissen seiner Zeit angepaßt. Wo das Latei-nische nicht ausreichte, griff er zum Griechischen und hie und da erlaubte er sich sogarein Wort nach der Analogie selbst zu bilden. Dies ist ihm von einzelnen Philologen,wie z. B. von seinem Landsmanne Sanctius (dem Verfasser derMinerva") sehr ver-übelt worden, aber in der That war es der allein richtige Weg, so lange man dieForderung des Lateinsprcchens in allen ihren Conscqueuzen aufrecht erhalten wollte.Dazu kommt, daß Vives im Stoff und der Behandlung seiner Dialoge ungefähr dieMitte hält zwischen Erasmus, der von Geist und Leben sprudelt, alles berührt, aberden pädagogischen Standpunct total verläugnet, und Cordier (vgl. d. Art. Calvin),der sich fast ganz im engen Kreise der Schule und des täglichen Schülcrlcbcns bewegt.Diese Eigenschaften gaben Vives überall den Vorrang, wo man das Lateinsprechen nochganz im Sinne der Humanisten (oder auch in dem modificirten Sinne der Jesuiten!)zu treiben versuchte; sobald aber das Latein zur bloßen Schulsprache wurde, fand manVives zu schwierig. Die Ausgaben mit Anmerkungen erscheinen als eine Bekämpfungdieser Schwierigkeit, die man bereits lebhaft empfand. Hundert Jahre später, als Vivesin den romanischen Ländern noch stark benützt wurde, war er in Deutschland wohlüberall von den Lehrplänen verschwunden. In Nürnberg benutzte man um 1699, wieaus Feuerleins Geschichte des Nürnberger Gymnasiums hervorgeht, die Gesprächevon Cordier, der im 16. Jabrhundcrt zwar auch, zumal in Frankreich, weit verbreitetWar, aber doch bei weitem nicht so allgemein geschätzt wurde, wie Vives.

Der Inhalt der Dialoge ist in doppelter Hinsicht von pädagogischem Interesse:einmal sofern er uns ein lebhaftes, durchaus realistisch gehaltenes Bild von den Schul-zuständen jener Zeit und dem Leben und Treiben der Schüler gewährt, sodann aberauch durch die pädagogische Tendenz einzelner dieser Unterredungen. Wir können hiernur noch die letztere berücksichtigen und heben daher die hauptsächlich hieher gehörigenDialoge besonders hervor. Sie beziehen sich sämmtlich in erster Linie auf den Gegen-satz zwischen der höfischen und vornehmen Erziehung nach rein weltlichen Grundsätzenund nach den Vorurthcilen des Adels- und Fürstenstandes und dem gegenüber einerwahrhaft sittlichen und christlichen Erziehung. Selbstverständlich kommen dabei auchethische und pädagogische Lehren von allgemeiner Bedeutung mit zum Vorschein. Wirmäßen uns dabei erinnern, daß Vives nicht nur seine pädagogischen Erfahrungen haupt-sächlich in solchen Kreisen gesammelt hat, sondern daß auch die Dialoge dem PrinzenPhilipp, nachmaligem König Philipp II., gewidmet find, woraus die irrthümliche Mei-nung entstanden ist, Vives sei der Lehrer dieses Prinzen gewesen. In dem Dialogexrinooxs xnor" erscheint Philippus selbst mit zwei Begleitern, Morobulus und Sopho-bulus, welche das böse und gute Princip repräsentiren. Der Rathgeber zur Thorheittrifft den Prinzen beim Lesen und Auswendiglernen und bedauert ihn, daß er sich soviel Mühe damit gebe, statt wie andere Prinzen und Adelige seine Zeit hiuzubringcn