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Vergcrius und Vegius.
störe das Weinen nicht, da dies gewißermaßcn als eine gymnastische Ucbung der innerenOrgane anznsehen ist. Man leite zu deutlichem Nachsprcchen an und dulde Verstümme-lung und Entstellung der Worte nicht. Man schüchtere das Kind nicht ein durch Dro-hung mit Gespenstern, durch Erzählung von allerlei Spukgeschichten, weil es die damitaufgenommenen Bilder im ganzen Leben nicht mehr los wird. Aber nicht zeitig genugkann man zum Gebet und zur Verehrung des Heiligen anhalten, nicht ernstlich genugvor leichtsinnigen Bctheurungen und vor der Lüge warnen.
Viel kommt auch auf den Umgang des Kindes an, das bei seinem regen Nach-ahmungstriebe auch das Gemeine annimmt und das Beispiel oft viel wirksamer erscheinenlaßt als die Lehre. Ist die Mutter fromm, eine Helferin der Armen und Bedrängten,ihut sie nur, was recht und gottgefällig, keusch und sittsam ist, so wird ohne vieleWorte ihre Tochter nach ihr sich bilden. Stimmen die Worte des Erziehers nicht mitseinen Handlungen überein, so wird er keine Wirkung von seinen Ermahnungen hoffendürfen. Man achte auch auf die Dienstboten und auf die Spielgenosscn, welche mitdem Kinde verkehren; man halte es von Gasthäusern und Schauspielen, von Caricaturenund unanständigen Bildern fern, nnd bringe es um so lieber mit gebildeten Personenin Verbindung, wobei es leicht auch an Anstand im Verkehre mit Bekannten nnd Frem-den, mit Hohen und Geringen sich gewöhnt.
Der Erzieher halte Maß in Anwendung seiner Zuchtmittel. Es ist thöricht zuglauben, daß Drohungen und Schläge bessern, während sie vielmehr knechtischen Sinnerzeugen oder auch trotzig machen. Das Gute freundlich anerkennen, Fehler zuweilenübersehen oder gelassen corrigiren, das Ehrgefühl wecken und die Scham benützen, lieberermuthigen als Niederschlagen, darauf kommt es zunächst bei der sittlichen Bildung an.Sehr wichtig ist nun besonders noch die Beachtung der Individualitäten. Anders mußja doch die edle, anders die gemeine Natur, anders der Affectvolle, anders der Phleg-matische, anders wieder der Leichtsinnige und anders der Ernsthafte, anders auch derDreiste und anders der Schüchterne behandelt werden. Bei verschiedenen Fehlern derZöglinge muß es der Erzieher machen wie der Arzt bei verschiedenen Krankheiten. Wasin dem einen Falle heilsam ist, kann in dem andern verderblich wirken. Darf man beidem einen öffentlichen Tadel für angemessen halten, so reicht bei dem andern eine Er-mahnung unter vier Augen aus.
Nachdem V. so im ersten Buche die Grundlagen der Bildung behandelt hat, gehter im zweiten zum Unterricht über. Der eigentliche Unterricht soll nicht vor dem7. Jahre beginnen und zunächst wie spielend zum Arbeiten anlciten. Oeffentliche Schulensind dem Privatunterrichte entschieden vorzuziehen, Wechsel der Schulen und der Lehrerist nachtheilig. Uebrigens ist sehr darauf zu sehen, daß man eine gute Schule und einenguten Lehrer finde; durchaus zu meiden sind überfüllte Anstalten, welche selbst dem tüch-tigsten Lehrer es unmöglich machen, den Einzelnen die nöthige Sorgfalt zu widmen.Sehr nützlich können neben den Lehrern die Pädagogi werden, ältere und gereiftcreSchüler, welche jüngere zum Lernen anleiten, mit ihnen Wiederholungen anstellen, auchin sittlicher Beziehung Vorbilder sein können. Aber freilich ist bei der Wahl derselbengroße Vorsicht nothwendig, daß die zarten Lämmer nicht durch schmutzige Böcke verdor-ben werden. Gut ist es auch, wenn der Vater mit dem Lehrer in freundlichem Ver-kehre steht, wenn er zuweilen die Lehrstunden besucht und keine Mittel unbenutzt läßt,womit er den Lehrer unterstützen kann. Nehmen die Eltern in diesen Dingen ihre Pflichtleicht, so dürfen sie sich später nicht beklagen, wenn ihre Kinder auf falsche Wege ge-rasten und ihnen Herzeleid bereiten.
Die Lehrer müßen die ihnen zugeführtcn Kinder wie ihre eigenen, mit aller Sorg-falt und Liebe behandeln. Das wirkt auch in den Kindern Liebe zu den Lehrern unddiese erzeugt wieder Liebe zu den Wissenschaften. Wetteifer zu erregen ist angemessen;nicht minder, Schülern der obersten Elasten einige jüngere zum Unterrichten zuzutheilenPädag. Encyklopädie. IX. 42