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9 (1873) Spanien - Vives
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Vaterlandsliebe.

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Beruf des eigenen Landes und Volkes und jener ideale Zug unserem Volke verlorengehe, welcher aus dem Bewußtsein entspringt, daß der Mensch nicht vom Brote alleini lebt. Wo die nächste Heimat solche Denkmäler von der Größe der Vorzeit aufznwciscnhat, da versäume der Lehrer nicht, auf sic aufmerksam zu machen und sie zu deuten;

^ unter günstigen Umständen kann eine Wallfahrt nach ihnen einen Hauptgewinn der pä-dagogischen Fußrei scn ciubringcn, welche auch sonst zur Belehrung in der Heimatskündeund Hcimatsliebe zu verwerihcn sind (s. d. Art. Fnßreisen). Auch unsere Turnerdürfen nicht aufhörcn zu singen — und nicht bloß zu singen —: „Und nnS allen wohl-bekannt wird das deutsche Vaterland." Und wenn die langhaarige Turncrci einer früherenZeit sich mehr als billig in nebelhaften patriotischen Träumen gewiegt hat, so dürfteheutzutage die Warnung wohl angebracht sein, daß das Turnen nicht bloß anS Gesund-heitsrücksichten empfohlen und gepflegt werde, sondern so, daß cS dazu dient, die deutsche> Jugend und das deutsche Volk allezeit fest und treu auf der Wacht zu erhalten und! ihnen auch den rechten Wächter zuzugescllcn, von welchem Arndt singt: „Treues und

i deutsches Herz, tapfer in Ernst und Scherz, das sei die Mauer! Treues und deutsches

! Herz bleibt auf die Dauer!" Es ist aber allerdings ein wunderlich Ding um dieses

! treue deutsche Herz. Mit den stärksten Banden der Liebe an den Boden der Heimat

! gebunden, ist es zugleich von einer unwiderstehlichen Wanderlust bewegt. Die von Jahrzu Jahr sich' mehrende Auswanderung aus Deutschland erklärt sich leider thcilwcisc auslocale» Hemmungen und Beschwerungen, welche einem großen Theil der Bevölkerungdas Leben sauer machen, — aber keineswegs allein, sondern zum guten Thcilc auch ausjenem dem deutschen Volke von jeher inwohnenden Zug in die Ferne, welchem JnstinusKerner in seinem Wanderlied einen so unübertrefflich wahren und innigen Ausdruck gc-^ geben hat. Auswandcrndc deutsche Baucrnbursche hat an d.cr Grenze der väterlichenMarkung der Sckuncrz des Abschiedes zu Boden geworfen, aber sic haben sich wiederaufgerafft und, wenn nicht gesungen, so doch gefühlt: „Lebt wohl nun, ihr Berge, duväterlich Haus! Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus!" Unverkennbar hängt dieserZug mit dem kosmopolitischen Berufe des deutschen Volkes zusammen, und cs ist nurzu wünschen, daß der Deutsche im fremden Lande daö deutsche Herz sich bewahre. Diei Zeit ist jetzt vorbei, wo Deutsche unter den meist sehr überschätzten Segnungen des Aus-

i landes etwas darin suchen konnten, auf das Leben in der Heimat mit vornehmer Ge-

^ ringschätzung herabzusehen: cs giebt kein Volk, welchem nicht der Deutsche zurufcn könnte,

! wie einst der junge Göthe in Straßburg in Gedanken an Erwins Wnnderbau den

i Franzosen zugcrufcn hat: „Was habt ihr gcthan, daß ihr verachten könnt?" Der deut-

schen Erziehung wird es jetzt leichter, dahin zu wirken, daß die Answandcrnden dieLiebe zur Heimat und die lebendige Fühlung mit ihr nicht verlieren, sondern in denStand gesetzt werden, mit ernstem deutschem Sinn und treuer deutscher Arbeit Propa-ganda zu machen im Gebiete des staatlichen und kirchlichen Lebens, der Wissenschaft undKunst, des Handels und der Gewcrbthätigkcit. Schließlich sei nur noch darauf aufmerk-sam gemacht, wie auch der deutschen Vatcrlandsknnde die deutsche Dichtkunst auf jedemSchritt zur belebenden Begleiterin dient. Nächst Schcnkcndorfs herrlichem Lied von dendeutschen Städten ist hier besonders der schwäbischen Dichter, Hölderlins, Kerners,Uhlands, SchwabS, in Ehren zu gedenken. Dem Deutschen, der seinen Uhland kennt,begegnen, wenn er zum ersten Male nach Tübingen reist, in Burgen und Städten undDörfern überall links und rechts alte gute Bekannte svgl. G. Weber a. a. O. S.14—24: „Der Gcographieuntcrricht").

Wir haben, wie das in der Natur der Sache liegt, von der Geographie Deutsch-lands nicht reden können, ohne zugleich auf die Geschichte des deutschen Volkes Beziehungzu nehmen. Wie förderlich aber ganz besonders der Geschichtsunterricht zur Er-weckung vaterländischer Gesinnung, insbesondere durch mahnende und warnende Exempel,die er vorführt, benutzt werden kann, das leuchtet ohne weiteres ein. Die Hauptgesichts-Punctc, welche dabei festzuhalten sind, weiß ich nicht bündiger bemerkbar zu machen, als